Online-Handel Rechtsextreme Literatur erneut bei Amazon erhältlich

Mit einem Test hat der SPIEGEL gezeigt, dass rechtsextreme Hasslektüre über Amazon zu bekommen war - wenn auch mit dem Umweg über Großbritannien. Nun hat ein Händler das indizierte Buch erneut angeboten, diesmal auf der deutschen Plattform.

Amazon-Logistikzentrums in Pforzheim: Die deutsche Fassung des Buchs wurde beim rechtsterroristischen NSU gefunden
DPA

Amazon-Logistikzentrums in Pforzheim: Die deutsche Fassung des Buchs wurde beim rechtsterroristischen NSU gefunden


Der Onlineversand Amazon schafft es nicht, rechtsextreme Hassliteratur von seinen Seiten zu verbannen. Der SPIEGEL hatte im September durch eine Testbestellung gezeigt, dass Amazon ein indiziertes Buch in Deutschland druckte und versandte – beides nach dem Jugendschutzgesetz illegal. Schließlich könnten Minderjährige an die Ware gelangen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 53/2015
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Damals wurde das Buch auf der britischen Amazon-Seite angeboten. Der Konzern versprach, "den Prozess zu überprüfen". Aber Anfang Dezember nutzte ein Händler aus den USA die Plattform, um das gleiche Buch wieder anzubieten, diesmal sogar auf der deutschen Seite amazon.de.

Der Konzern sagt, er sei dafür rechtlich nicht verantwortlich, lösche aber solche Angebote, wenn er davon "Kenntnis erlangt". Auch die Staatsanwaltschaft München I hatte keinen Erfolg. Sie "prüfte" den Fall wochenlang, konnte jedoch "keine konkreten Verkäufe im Inland feststellen", auch nicht, nachdem der SPIEGEL ihr den Testkauf mitteilte.

Die deutsche Fassung des Buchs wurde beim rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) und bei mehreren Angeklagten des Münchner NSU-Prozesses gefunden. Wie viele Exemplare von und über Amazon seit der Indizierung 2006 verkauft wurden, will der Konzern nicht sagen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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