Digitale Nutzungsrechte: Amazon sperrt Kindle-Account

Das Konto einer Nutzerin von Amazons Kindle wird gesperrt, weil sie angeblich gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen hat. Auf ihre Nachfrage reagiert das Unternehmen schmallippig. Erst als breit über den Fall berichtet wird, reagiert Amazon - mit einem merkwürdigen Tipp.

Gedruckte Bücher versus E-Books: Benutzen, aber nicht besitzen Zur Großansicht
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Gedruckte Bücher versus E-Books: Benutzen, aber nicht besitzen

Linn liest viel und ist viel unterwegs. Die Norwegerin hat sich ein Kindle gekauft und nach eigener Aussage mehr als 30 Bücher in ihrer Bibliothek. Damit sie lesen kann, wenn sie auf Reisen ist. Von einem Tag auf den anderen aber wird ihr der Zugang zu ihrem Kindle-Account verwehrt, die Bücher sind ebenfalls nicht mehr zu lesen. Alles ist gesperrt, Gründe werden zunächst keine genannt.

Linn hält das für ein Missverständnis und wendet sich an Amazons Kundenbetreuung. Doch das Unternehmen bügelt ihre Anfrage ab: Die Account-Schließung sei rechtens, Linn habe zuvor ein Konto geführt, das mehrfach gegen die Richtlinien verstoßen habe. Sollte sie versuchen, sich erneut anzumelden, werde sie wieder gesperrt.

E-Books werden nicht verkauft

Es beginnt ein E-Mail-Verkehr, der auf dem Blog vonMartin Bekkelund nachzulesen ist. Bekkelund ist ein Freund von Linn und nennt sie ausschließlich bei ihrem Vornamen. Er wertet den Fall als Worst-Case-Szenario von digitalen Nutzungsrechten.

Wenn man sich durch das Angebot der E-Books auf Amazon klickt, dann gibt es zwar einen Button, auf dem "kaufen" steht, ein Blick in die Lizenzvereinbarungen von Amazon stellt aber ausdrücklich klar: "Digitale Inhalte werden durch den Anbieter von Inhalten lizensiert, nicht aber verkauft". Das heißt: Der Käufer kann das Buch nutzen, aber nicht besitzen. Verstößt man gegen die Nutzungsbedingungen, heißt es weiter, kann Amazon den Zugang zu den E-Books "ohne Erstattung von Entgelten sofort sperren". Damit unterscheidet sich der Kauf eines digitalen Buches eklatant von dem Kauf eines gedruckten Buches.

"Wir hoffen, dass Sie einen anderen Anbieter finden"

Genau das soll Linn nun auch gemerkt haben. Auf ihre Nachfrage hin erhält sie nur vage Antworten. Der Name des Accounts, der gegen die Nutzungsrechte verstoßen haben soll, bleibt ungenannt, der Entscheidungsprozess wird nicht erklärt. Stets wird der Hinweis wiederholt, dass der Account gesperrt bleibe. Der Pressesprecher verabschiedet sich mit den Worten: "Wir hoffen, dass Sie einen anderen Anbieter finden, der Ihre Bedürfnisse besser erfüllen kann."

Nach Veröffentlichung des Blogeintrags berichteten zahlreiche Medien über den Fall, Kritik wird laut. So laut, dass das Unternehmen binnen eines Tages reagiert und den Account inzwischen wieder freigeschaltet hat.

Amazon erklärt sich: "Zugriffsmöglichkeit nicht beeinträchtigt"

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE verweist Amazon auf einen Beitrag im Kundenforum. Dort heißt es: "Der Status eines Kundenkontos sollte die Zugriffsmöglichkeit eines Kunden auf seine Kindle-Bibliothek nicht beeinträchtigen."

Und weiter: "Sollte ein Kunde Probleme haben, auf Inhalte zuzugreifen, bitten wir ihn, sich direkt mit unserem Kundenservice in Verbindung zu setzen." Das hat Linn getan. Geholfen hat es ihr nichts.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Drm
Meckermann 23.10.2012
---Zitat--- Wenn man sich durch das Angebot der E-Books auf Amazon klickt, dann gibt es zwar einen Button, auf dem "kaufen" steht, ein Blick in die Lizenzvereinbarungen von Amazon stellt aber ausdrücklich klar: "Digitale Inhalte werden durch den Anbieter von Inhalten lizensiert, nicht aber verkauft". ---Zitatende--- Diese recht ungenierte Form der Abzocke ist leider nicht nur bei Büchern üblich, auch im Bereich der Software geht man so vor und zwar nicht nur im Digitalvertrieb. Wer beim Mediamarkt mit einem Computerspiel zur Kasse geht, hat wahrscheinlich schon erstmal den Eindruck etwas "gekauft" zu haben, dass ihm dann auch "gehört", und in diesem glauben möchte man ihn von Seiten des Anbieters auchgerne lassen, bis die Ware bezahlt ist. Anschließend wird man nicht müde das Gegenteil zu betonen.
2. kein Ebook-Reader
earl grey 23.10.2012
---Zitat--- "Digitale Inhalte werden durch den Anbieter von Inhalten lizensiert, nicht aber verkauft". Das heißt: Der Käufer kann das Buch nutzen, aber nicht besitzen. Verstößt man gegen die Nutzungsbedingungen, heißt es weiter, kann Amazon den Zugang zu den E-Books "ohne Erstattung von Entgelten sofort sperren". Damit unterscheidet sich der Kauf eines digitalen Buches eklatant von dem Kauf eines gedruckten Buches. ---Zitatende--- Genau deswegen habe ich kein Ebook-Reader wie Kindl sondern kaufe noch gedruckte Bücher aus echtem Papier. Abgesehen davon kosten durch die verrückte Buchpreisbindung E-Books hier fast genau so viel wie Gedruckte; jedenfalls die, die mich interessieren. Nur gedruckte Bücher kann ich verleihen, verschenken, verkaufen und wenn die mir jemand ohne Erstattung von Entgeld wegnimmt, gibt es richtig Ärger...
3. optional
KrC 23.10.2012
Kein Mitleid mit Menschen die ohne zu überlegen DRM geschützte Software,Hardware,eBooks,Musik oder oder oder kaufen. Strafe muss sein wenn man sich schon freiwillig zum Rechteverzicht bewegen lässt.
4. So wird datt nix !
JayMAF 23.10.2012
Zitat von sysopDas Konto einer Nutzerin von Amazons Kindle wird gesperrt, weil sie angeblich gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen hat. Auf ihre Nachfrage reagiert das Unternehmen schmallippig. Erst als breit über den Fall berichtet wird, reagiert Amazon - mit einem merkwürdigen Tipp. Amazon sperrt Account einer Kindle Nutzerin samt Bibliothek - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/amazon-sperrt-account-einer-kindle-nutzerin-samt-bibliothek-a-862926.html)
So wird datt nix ! Würde man bei uns - an der Küste - sagen, wenn man sich die verlinkten Beiträge Amazon wipes customer's Kindle and deletes account with no explanation | Money | guardian.co.uk (http://www.guardian.co.uk/money/2012/oct/22/amazon-wipes-customers-kindle-deletes-account) und A healthy reminder from Amazon: You don’t buy ebooks, you rent them — Tech News and Analysis (http://gigaom.com/2012/10/22/a-healthy-reminder-from-amazon-you-dont-buy-ebooks-you-rent-them/) in Ruhe durchliest. Die sind im übrigen um einiges aussagekräftiger und detaillierter als der SpOn-Artikel. Wieso soll ich nur für das LESE-Recht fast den Preis eines gedruckten Buches bezahlen ? Und dann auch noch dieses dubiose Verhalten von Amazon. Nö, dann verzichte ich auch auf das neue Kindle, mit dessen Kauf ich ja schon geliebäugelt habe. Dann wird es eben ein andere PDF-/MOBI-/eBook-Reader. Und garantiert kein Kauf aus der Amazon-Bibliothek - ich lass mich doch nicht am Nasenring durch den Ring führen.
5. Bei Amazon keine Ebücher
berniejosefkoch 23.10.2012
Ich werde aufgrund dieser Nachricht jedenfalls keine EBücher bei Amazon kaufen. Da nehm ich doch lieber ein gedrucktes Buch. Amazon wird das merken, wenn sich viele Kunden zum Boykot entschließen. Oder ich "leihe" mir in einer offentlichen Bibliothek ein Buch, kosten bei uns einen kleinen Jahresbeitrag.
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