Amazon und Hachette Einigung im E-Book-Streit

Ein halbes Jahr stritten der Onlinehändler Amazon und die Verlagsgruppe Hachette. Künftig darf der US-Verlag die Preise seiner E-Books selbst festlegen - und setzt sich damit in einem zentralen Punkt durch.

Amazons Logistikzentrum bei Augsburg: Harsche Kritik von Autoren
REUTERS

Amazons Logistikzentrum bei Augsburg: Harsche Kritik von Autoren


New York - Einigung kurz vor dem Weihnachtsgeschäft: Der weltgrößte Onlinehändler Amazon und die Verlagsgruppe Hachette haben ihren erbittert geführten E-Book-Streit beigelegt. Sie gaben eine langfristige Vereinbarung bekannt.

Der "New York Times" zufolge bekommt Hachette dabei das Recht, selbst den Preis seiner E-Books festzulegen. Das war ein zentraler Streitpunkt in dem monatelangen Konflikt. Amazon drängt in den USA auf niedrigere Preise für digitale Bücher und wollte laut Medienberichten einen höheren Anteil der Erlöse.

Der Streit hatte für Aufsehen gesorgt, nachdem Bücher von Hachette bei Amazon zeitweise nicht verfügbar waren oder ungewöhnlich lange Lieferzeiten hatten. Eine Reihe bekannter Schriftsteller kritisierte den Onlinehändler daraufhin scharf. Rund 900 Schriftsteller riefen Amazon dazu auf, die Auseinandersetzung mit Hachette zu beenden.

Amazon begründete seine Rabattforderungen unter anderem damit, dass die Verlage bei sogenannten E-Books schließlich keine Kosten für Druck, Lagerung und Auslieferung hätten. Hachette hielt dem entgegen, dass die Firma viel in manche Bücher und Autoren investiere - manchmal jahrelang, bevor ein Gewinn erzielt werde.

Hachette-Chef Michael Pietsch hatte dem Versandriesen vorgeworfen, "viel mehr Profit und einen größeren Marktanteil" anzustreben - und zwar auf Kosten von Schriftstellern, des stationären Buchhandels und der Verlage.

In Deutschland war Amazon in einen ähnlichen Konflikt mit der Verlagsgruppe Bonnier verwickelt, in dem es vor allem um die Verteilung der Einnahmen aus den E-Book-Verkäufen ging. Auch dieser Streit wurde vor Kurzem beigelegt.

brk/dpa/AFP



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insgesamt 14 Beiträge
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EinsteinOnTheBeach80 14.11.2014
1. Hachette
ist eine französische Verlagsgruppe.
CommonSense2006 14.11.2014
2. Na, das ist ja mal
Ein berechtigter Vorwurf: "Amazon versuche, mehr Marktanteile und mehr Profit zu erreichen und zwar auf Kosten der Verlage und der Schriftsteller." Das liegt veutlich daran
mongolord 14.11.2014
3. Niederlage für Verbraucher
Verloren hat bei der Einigung der Verbraucher der weiterhin komplett astronomische Ebookpreise zahlen darf. Die Verlage sind gar nicht daran interessiert überhaupt digitales Material zu verkaufen, das spiegelt sich in Preisen wieder, die oft 1:1 den Büchern entsprechen und das obwohl hier Händler, Zwischenhändler, Transport und Materialkosten gespart werden. Nur kommt der Preisvorteil nie beim Kunden an. So lange die Verlage immer noch irgendwo im 19 Jh feststecken, sehe ich gerne dabei zu wie langsam ihr Markt schwindet. Wer nicht mit der Zeit geht, darf mit der Zeit gehn...
Labs-Kautz 14.11.2014
4. Wir wollen es nicht anders
Amazon gibt dem Kunden nur was er verlangt. Es muss billig und schnell verfügbar sein. Die Folge davon ist nunmal dass Einkaufspreise gedrückt werden, Lohndumping erfolgt und Verlage/Hersteller ihre eigenen Regeln entweder per Klage durchsetzen oder anpassen müssen. Wer bleibt denn noch als Konkurrenz? Otto? Bei denen kann man froh sein wenn die innerhalb eine Woche liefern bei Preisen die selbst über Ladenniveu liegen. Mal ganz abgesehen von den Lieferkosten.
face_65 14.11.2014
5. face65
@mongolord: Einmal abgesehen davon, dass ein Gros der E-Books sich im Niedrigstpreis-Segment bewegt (z.T unter einem Euro), sind die E-Books der Verlage in der Regel 20% billiger als die billigste gedruckte Version. Nicht wahrer wird durch ständige Wiederholung auch die Behauptung, die Verlage verdienten sich dumm und dämlich und gäben Rationalisierungsvorteile nicht an Endverbraucher wieder. Speziell Amazon als Händler liegt längst bei fantastischen 50% plus bei den Rabatten. Dazu kommt eine fast dreimal so hohe Mehrwertsteuer auf E-Books und ein doppelt so hohes Autorenhonorar. Geleichwohl bedarf auch ein ordentlich gemachtes E-Book eines Lektorats, Korrektorats, Setzers, Herstellers und Vertriebs. Die gesparten Transportkosten fressen die diversen Bereitstellungskosten auf, das gesparte Material transformiert sich in mehrere Dateiformate, die angelegt werden müssen. Tatsächlich gibt es kein relevantes Einsparpotential; das gilt betriebswirtschaftlich auch bei den Selfpublishern. Zum Artikel: Hachette hat einen Pyrrhussieg erfochten. In Ländern ohne E-Book-Preisbindung wird Amazon das Haus schon auf die erwünschten Preise bringen, wenn es an den üblichen Dumping-Marketingaktionen teilnehmen will. Und das wird Hachette wollen.
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