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Amazons Web-Festplatte: Die Gigabyte-Preise purzeln

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Backups, Videos, Musik: Seit Dienstag bietet Amazon neuen Speicherplatz im Netz an, verspricht Sicherheit und günstige Preise. Mit dem Vorstoß kommt das Unternehmen seinen großen Konkurrenten zuvor - und attackiert etablierte Anbieter auf einem Zukunftsmarkt.

Amazon Cloud Drive: So kommen Sie in die Wolke Fotos

Amazon expandiert in die Datenwolke. Am Dienstag hat der Internet-Versandhändler seine Online-Festplatte Cloud Drive vorgestellt. Kunden des Konzerns bekommen damit fünf Gigabyte kostenlosen Speicherplatz in der Cloud, der Datenwolke im Internet, zur Verfügung gestellt. Wie auf einer externen Festplatte können darauf Musik, Fotos, Videos oder auch Textdokumente abgelegt und via Webbrowser oder Smartphone-App von überall her abgerufen werden. Wie nützlich solche ausgelagerten Speicherräume sein können, weiß jeder, der schon einmal Familienfotos oder andere Dokumente durch einen Festplattencrash verloren hat. In der Wolke sind Daten - Sicherheit auf Seiten des Anbieters vorausgesetzt - selbst vor einem Wohnungsbrand sicher.

Mit der Einführung des Cloud Drive verschärft Amazon den Kampf um die Vorherrschaft bei Online-Datenspeichern. Seit langem kursieren Gerüchte, wonach Apple ebenfalls an einer verbesserten Online-Festplatte für seine Kunden arbeitet. Die Fertigstellung eines gewaltigen Rechenzentrums im US-Bundesstaat North Carolina gab solchen Vermutungen in jüngster Zeit neue Nahrung. Bislang bietet der iPhone-Konzern ausschließlich Anwendern seines kostenpflichtigen Online-Dienstes Mobile Me einen iDisk genannten Speicher an. 20 GB Speicherplatz sind dort in der Jahresgebühr von 79 Euro enthalten, ein Upgrade auf 40 GB kostet dort 40 Euro, ein Upgrade auf 60 GB selbstbewusste 79 Euro.

Der Preisbrecher kommt aus Deutschland

Da sind die Preise, mit denen Amazon wirbt, weit attraktiver - und sehr leicht zu merken. Pro Gigbyte Speicherplatz nämlich verlangt der Handelskonzern einen Dollar. Das Upgrade auf 20 GB kostet also 20 Dollar pro Jahr, das auf 100 GB 100 Dollar, wer 1000 GB (1 Terabyte) von Amazons Online-Speicher mieten will, wird mit 1000 Dollar zur Kasse gebeten. Zur besseren Übersicht haben wir die Preise in Euro umgerechnet und tabellarisch aufgelistet.

So viel kosten die Wolken-Speicher
Amazon Cloud Drive Drop Box Strato HiDrive
Gratis 5 GB 2 GB -
20 GB 15 Euro* - 24 Euro
50 GB 35 Euro 85 Euro -
100 GB 70 Euro 170 Euro 59 Euro**
200 GB 140 Euro - -
500 GB 350 Euro - 119 Euro
1000 GB 700 Euro - 239 Euro
2000 GB - - 359 Euro
*Bei Kauf eines MP3-Albums bei Amazon kostenlos **Bis 31.3.2011 Sonderpreis von 1 Euro im ersten Jahr
Im Vergleich zu US-Konkurrenten wie DropBox steht Amazon mit dieser Preisgestaltung gut da. Ein 100-GB-Kontingent etwa kostet bei Amazon nicht einmal die Hälfte dessen, was bei DropBox für dieselbe Speichermenge fällig würde. Der deutsche Anbieter Strato allerdings unterbietet selbst diesen Preis noch deutlich, verlangt für 100 GB eine Jahresgebühr von nur 59 Euro. Bis zum 31. März offeriert das Unternehmen sein 100-GB-Paket sogar zu einem Sonderpreis von einem Euro im ersten Jahr.

Aktionen wie diese zeigen, als wie wichtig einige Internet-Unternehmen Cloud-Speicherangebote mittlerweile ansehen. Für Strato beispielsweise sollen die Web-Festplatten ganz klar zum zweiten wirtschaftlichen Standbein neben den seit Jahren angebotenen Homepage- und Webshop-Angeboten werden. Amazon aber zeigt, dass solche Web-Festplatten nicht nur als Online-Backup-Systeme taugen.

Kein Zugang für iPhones

Denn neben der Möglichkeit, via Webbrowser Daten auf den Cloud Drive zu wuchten, bietet Amazon auch einen Online-Musik-Player für seine Web-Festplatte an. Über den kann man alle Songs auf jedem beliebigen ans Internet angeschlossenen Computer abspielen, also auch im Hotel, im Internet-Café oder einfach vom Laptop auf dem Balkon. Musik, die man in Amazons MP3-Shop gekauft hat, kann auf Wunsch direkt auf den Cloud Drive transferiert werden. Musik, die man auf der Festplatte lagert, muss man logischerweise erst hochladen, was je nach Datenleitung und Menge einige Stunden dauern kann. Den Upload kopiergeschützter Musik kann man sich dabei sparen, da solche Songs nicht wiedergegeben werden.

Für Smartphone-Anwender bietet Amazon außerdem die Möglichkeit, die Musik über eine Amazon-App anzuhören. Die gibt es allerdings ausschließlich für Android-Handys. iPhone, Blackberry, Nokia und Windows-Handys bleiben außen vor. Und auch auf dem iPad verweigert der Player seinen Dienst mit der Begründung, der verwendete Browser werde nicht unterstützt. Überdies können deutsche Nutzer das Musik-Streaming nicht einmal per Android-Handy nutzen, weil die deutsche Version der Amazon-MP3-App keinen Zugang zum Cloud Drive bereitstellt.

Amazons eingebauter Vorsprung

Ansonsten aber akzeptiert Amazon auch hiesige Kunden als Cloud-Drive-Nutzer, auch wenn davon auf der deutschen Amazon-Homepage nichts zu sehen ist. Wer sich aber über die amerikanische Amazon-Website einloggt, kann problemlos eine Web-Festplatte einrichten und nutzen. Das Angebot, den kostenlosen Speicherplatz von fünf auf 20 GB aufzuwerten, indem man ein MP3-Album bei Amazon kauft und auf dem Cloud Drive speichert, bleibt europäischen Anwendern derzeit verschlossen, gilt laut Amazon nur für Anwender mit einer Rechnungsadresse in den USA.

Wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Bislang hat Amazon keine Angaben dazu gemacht, wann das Angebot außerhalb der USA offiziell eingeführt werden soll und welche Konditionen dann gelten werden.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. -
FTAASO 29.03.2011
Dropbox bietet allerdings weit mehr, als Amazon und Strato. Wer jemals ein paar kleinere Korrekturen in einem 30MB-Dokument auf dem Notebook vorgenommen hat, wird die sehr effiziente Synchronisation via Web zu schätzen wissen. Eine lokale Software, die nahezu unsichtbar lokale Laufwerke auf verschiedenen Rechnern abgleicht - das fehlt den beiden anderen. Für Backups gerne Strato, für Zusammenarbeit und zentrale Daten auf Notebook und Desktop lieber Dropbox oder Teamdrive.net.
2. lol
dr. dr. 29.03.2011
ist das hier jetzt eine amazon werbe plattform? wenn man cloud speicher platz günstig haben will, bei 1&1 gibt es 1000gb kostenlos zum dsl anschluss dazu... da habe ich also für 300€ im jahr 6000er dsl mit doppelflatrate plus 1tb speicherplatz und habe noch 700€ gespart im vergleich zu dem hier gepriesenen nurspeicherplatz bei amazon.
3. Subventionierung
dr.épernay-boiler 29.03.2011
Günstiger kann eine US-amerikanische Datenkrake des Homeland-Security-Verbandes doch wirklich nicht an Daten kommen! Und sie werden auch noch freiwillig geliefert und zT bezahlt!
4. Nix neues
phoenix13 29.03.2011
Google wird alleine durch seinen Namen und die Marke mit diesem Dienst Erfolg haben - etwas Neues bieten die Amerikaner hier aber nicht. Eine Sync-Funktionalität fehlt, und 5 GB Speicher ist auch nicht sonderlich viel. Microsoft (Skydrive) sowie, man höre und staune: Die Deutsche Telekom (Mediencenter) bieten für jedermann 25 GB Speicher kostenlos... mir persönlich gefällt hier das Telekom-Angebot am besten, da man umfassende Betrachtungsfunktionen für verschiedene Medientypen hat und außerdem iPhone-, Android-Appss etc. Nur kann man da leider nicht syncen...
5. One
timewalk 29.03.2011
Zitat von sysopBackups, Videos, Musik: Seit Dienstag bietet Amazon neuen Speicherplatz im Netz an, verspricht Sicherheit und günstige Preise. Mit dem Vorstoß kommt das Unternehmen seinen großen Konkurrenten zuvor -*und attackiert etablierte Anbieter auf einem Zukunftsmarkt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753743,00.html
Ich kenn ja jetzt nicht den Marktanteil aber Ubuntu hat sowas schon seit letztem Jahr https://one.ubuntu.com/
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Fotostrecke
Strato HiDrive: Eine Privatwolke für meine Daten

Stichwort: Cloud Computing
Prinzip
Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.
Anbieter
Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise Google, Microsoft, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netzdienste setzen.
Business-Funktionen
Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

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