Amoklauf von Erfurt Details im Internet

Immer mehr gerät die Thüringer Landesregierung in die Kritik: Auf ihrer Homepage berichtet sie detailliert über die schulische Laufbahn des Amokläufers Robert Steinhäuser - und schiebt den Eltern die Schuld an dem Massaker in die Schuhe.


Die thüringische Staatsregierung hat die Schullaufbahn Steinhäusers mit zahlreichen Detailinformationen zu Zeugnissen, Beurteilungen und Gesprächen mit den Eltern auf ihre offizielle Homepage im Internet gestellt. Das Kultusministerium zitiert darin aus den Schulakten. Diese Informationen hatten ausgewählte Parlamentarier kurz zuvor aus Bernhard Vogels Staatskanzlei bekommen ­ allerdings mit rotem Stempel als "VS ­ Nur für den Dienstgebrauch" eingestuft. Für PDS-Fraktionschef Bodo Ramelow ist die Veröffentlichung nun ein "klarer Verstoß gegen den Datenschutz". Zudem stelle die Aktion der Erfurter Regierungsmannschaft den Versuch dar, "den Eltern die Schuld an dem Desaster in die Schuhe zu schieben" ­ das möglicherweise nicht völlig zu Unrecht. So heißt es in dem Papier, die Eltern Steinhäusers hätten trotz schlechter Leistungen ihres Sohnes "auf den Besuch des Gymnasiums großen Wert" gelegt.

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