Angeklagt Hulk-Kopierer bekennt sich schuldig

Wenn man sie beklaut, verwandelt sich die sonst so glamouröse Entertainment-Industrie in ein wütendes grünes, kraftstrotzendes Monster, das seine Widersacher plattmachen will. Kerry Gonzalez, Raubkopierer des neuen "Hulk"-Films, sähen die Filmmächtigen gern für drei Jahre hinter Gittern.


Vor der Zeit geklont: Im Web gab's den Hulk früher als im Kino
Reuters

Vor der Zeit geklont: Im Web gab's den Hulk früher als im Kino

Vor einem New Yorker Gericht hat sich ein Mann schuldig bekannt, den Action-Film "Hulk" vor dem Kinostart unerlaubt digital kopiert und ins Internet gestellt zu haben. Der 25-jährige Kerry Gonzalez gab zu, das Urheberrecht der Universal Studios verletzt zu haben. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren und ein Bußgeld bis zu 250.000 Dollar. Bis zu dem für Ende September erwarteten Urteil ist er auf Kaution frei.

Er habe den Film, der gut zwei Wochen vor dem US-Kinostart im Internet auftauchte, noch nicht einmal angesehen, sagte Gonzalez zu Reportern. Der vom taiwanischen Regisseur Ang Lee gedrehte Action-Film erzählt die Geschichte eines Wissenschaftlers, der sich in ein grünes Monster verwandelt, wenn er aggressiv wird.

Der Klageschrift zufolge hatten die Universal Studios eine Arbeitskopie der Comicverfilmung an eine Werbeagentur in New York gegeben. Diese in der Qualität etwas schlechtere Kopie wurde gegen unerlaubtes Kopieren geschützt und so markiert, dass weitere Kopien aufgespürt werden konnten. Trotz eines Kopier-Verbots lieh ein Angestellter der Werbeagentur den Film einem Freund, der ihn an Gonzalez weitergab.

An seinem Computer erstellte Gonzalez eine digitale Kopie und versuchte, die an der Arbeitskopie angebrachte Markierung zu beseitigen. Die digitale Kopie stellte Gonzalez am 6. Juni auf eine Internet-Seite, die zum Handel mit Film-Kopien genutzt wird.

Man werde "aggressiv Jagd auf die machen, die für den Diebstahl unseres Besitzes verantwortlich sind", hieß es in einer Erklärung des Präsidenten von Universal Pictures, Rick Finkelstein. Wenn solches Verhalten nicht gestoppt werde, seien Filme wie "Hulk" nicht mehr zu produzieren.

Das könnte heiter werden, denn einige der besten Quellen für illegale Filmkopien sitzen in der Filmindustrie. Superbe "DivX"-Kopien von Filmen wie "Monsters Ball", "Bowling for Columbine" oder "A beautiful mind" kursierten bei KaZaA und eDonkey teils Monate vor ihrer Veröffentlichung auf DVD. Möglich ist das, weil jedes Jahr limitierte DVD-Auflagen vorab gebrannt werden, und zwar für die Mitglieder der Oscar-Jury. Die schafft es seit zwei Jahren regelmäßig, die "nur zur Begutachtung" verbreiteten und entsprechend gekennzeichneten Filmkopien im Web zu verewigen.

So peinlich solche Lecks und Pannen sind, umso drakonischere Strafen fordert die Industrie ein: Es geht um Millionen. Zum Start am vergangenen Wochenende hatte sich der "Hulk" mit rund 63 Millionen Dollar (etwa 55 Millionen Euro) Einspielergebnis an die Spitze der US-Kinocharts gesetzt. In den deutschen Kinos soll "Hulk" ab dem 3. Juli zu sehen sein.



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