Anklage Bewerber hackt Stellen-Website des Mossad

In Jerusalem steht ein 23-Jähriger vor Gericht, weil er erfolgreich eine Webseite des Mossad gehackt hat. Er gibt an, er habe nur überprüfen wollen, ob seine Bewerbungsdaten bei dem Geheimdienst auch sicher seien. Offenbar nicht.


Rekrutierungswebsite des Mossad: Hack geglückt, Bewerbung misslungen?

Rekrutierungswebsite des Mossad: Hack geglückt, Bewerbung misslungen?

Vorbei die Zeit, in der Geheimdienste sich lichtscheu vor der Öffentlichkeit verbargen. Nicht nur das Ende des Kalten Krieges sorgte dafür, dass die staatlichen Schnüffler heute weit offener kommunizieren, auch der Beginn des Internet-Zeitalters schuf auf Seiten der Schlapphüte ganz neue Bedürfnisse: Seit Mitte der Neunziger suchen die Lauscher, Spionierer und Überwacher aktiver und offener denn je nach Nachwuchs.

Der hat den erfahrenen Spezialisten nämlich oft so einiges voraus. So bemühten sich in den letzten Jahren Geheimdienste wie Englands MI5, die US-Dienste CIA und NSA und auch der deutsche Bundesnachrichtendienst gar nicht heimlich um Spezialisten mit IT-, Hack- und Sprachkompetenz.

Weltweit entwickelt sich das Internet dabei nicht nur zum Werkzeug der Spionage, sondern auch zur Personalsuche. So lud die CIA schon Hacker ein, eine eigens geschaffene Seite zu knacken und sich so für entsprechende Jobs zu empfehlen. So wirbt Englands MI5 locker-flockig mit den Vorzügen der Arbeit in einem modernen, bestens ausgestatteten Büroumfeld mit netter Aussicht. So bemühen sich die BND-Geheimen in Pullach gewohnt nüchtern-sachlich mit amtlichen Stellenausschreibungen um Qualifikanten.

Der Mossad hingegen, Israels legendärer Geheimdienst, gilt nach wie vor als der geheimsten einer: Er beschränkt sich bei seiner Personalsuche auf virtuelle Stellenanzeigen nüchternster Strickart. Und dass sich jemand aktiv mit seinem technischen Know-how "empfiehlt", ist da nicht vorgesehen.

Peinliche Panne, strafbewehrt?

Davon kann sich derzeit in Jerusalem ein 23-Jähriger überzeugen, von dem nur bekannt ist, dass er über Hacker-Qualitäten verfügt. Die bewies er, als er eben nicht nur das für eine Mossad-Bewerbung gedachte Formular ausfüllte, sondern auch dessen Datenweg durch die offenbar dann doch nicht so streng gesicherten Geheimdienst-Server verfolgte. Damit, so der Verteidiger des Angeklagten, habe er nur überprüfen wollen, ob seine Daten bei den Geheimdienstlern auch sicher seien. Das Ergebnis ließ das Motto der Mossad-Rekrutierungsinitiative, "Der Mossad ist offen!", in gänzlich anderem Licht erscheinen.

Doch das alles, glaubt die Anklage, sei Unsinn: Der Angeklagte habe die Geheimdienst-Server durchaus gezielt angegriffen. Selten ist das nicht: Der Mossad, sagte ein Experte im Rahmen der ersten Verhandlung, werde täglich "mehrere Hundert Mal" attackiert. Die meisten Attacken kämen allerdings von "außerhalb Israels".

Die Anklage wittert also nicht nur kriminelles, sondern auch unpatriotisches Verhalten des 23-Jährigen. Der hatte die Geheimdienst-Server um keinerlei geheime Informationen erleichtern können, denn der erfolgreiche Hack erbrachte nur stark verschlüsselte Daten. Da bliebe also das Problem der löchrigen Website mit ihrem Daten-Tor in die Netzwerke des Geheimdienstes, kritisierte keck die Verteidigung: Vielleicht hätte man sich darum kümmern sollen, statt den Fall vor Gericht zu bringen?

Dass daraus aber weiterer Schaden entsteht, ist unwahrscheinlich: Wann, wie und womit der Hack gelang, bleibt geheim. Das Leck allerdings dürfte mittlerweile geflickt sein.



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