Anklage: Journalist soll Anonymous Passwort verraten haben

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Anonymous-Anhänger (Symbolfoto): Journalist soll geholfen haben

Anonymous-Aktivisten hatten womöglich einen Maulwurf: Eine Grand Jury hat einen ehemaligen Mitarbeiter eines großen Verlages angeklagt. Der Beschuldigte soll den Angreifern die Zugangsdaten zur Website der "Los Angeles Times" verraten haben.

Ein Journalist, der mittlerweile bei der Nachrichtenagentur Reuters arbeitet, soll Anonymous-Aktivisten vor zwei Jahren Zugang zur Website der "Los Angeles Times" verschafft haben. Eine Grand Jury klagte den 26-jährigen Social-Media-Redakteur am Donnerstag offiziell an.

Der Vorfall habe sich im Dezember 2010 ereignet, heißt es in der Anklage. Damals arbeitete der Mann bei dem Fernsehsender KTXL Fox 40, der wie die "Los Angeles Times" zu dem großen Verlagshaus Tribune gehört. Ihm wird nun vorgeworfen, in einem Chatraum Anonymous-Anhängern Logindaten zu dem Tribune-Redaktionssystem übermittelt zu haben.

Tatsächlich gelang es Unbekannten damals, einen Artikel für eine halbe Stunde zu ändern. Die Klageschrift ("Wired" hat eine PDF-Datei) enthält außerdem Auszüge aus einem Chat, in dem sich zwei Nutzer mit den Namen AESCracked und sharphie unterhalten. Daraus soll hervorgehen, dass AESCracked seinem Chatpartner ein paar Tage später erneut Zugang verschaffen wollte.

Die Grand Jury wirft dem Journalisten deshalb drei Straftaten vor: Erstens die Verschwörung, zweitens den Versuch und drittens die tatsächliche Weitergabe von Informationen mit dem Ziel, einen geschützten Computer zu beschädigen. Auf jede der Straftaten stehen bis zu 10 Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.

Steckt Sabu dahinter?

Reuters, bei dem der Mann seit 2012 arbeitet, wollte die Anklage nicht weiter kommentieren. Reuters berichtet aber selbst unter Berufung auf einen Mitarbeiter des New Yorker Büros, dass der Arbeitsplatz des Mannes geräumt und sein Hausausweis gesperrt worden sei.

Die Anklage geht womöglich auf Informationen zurück, die ein Anonymous-Überläufer an die Behörden lieferte. Der Hacker mit dem Namen Sabu war im März erstmals mit seinem bürgerlichen Namen geoutet worden. Im Juni 2011 schlugen Ermittler zu und verhafteten Sabu. Der ließ sich auf einen Deal ein, arbeitete rund ein Jahr lang weiter für die Hackergruppe LulzSec und Anonymous und verriet seine einstigen Mitstreiter.

Den nun Angeklagten hatte Sabu offenbar im März 2011 erstmals über Twitter geoutet, nur zehn Tage, nachdem er selbst seinen bürgerlichen Namen im Netz fand.

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1. Rechtsverständnis?
kulinux 16.03.2013
Also, ich glaube ja kaum, dass die Grand Jury tatsächlich selbst den Redakteur angeklagt hat! Das dürfte doch wohl immer noch Aufgabe des Staatsanwalts sein, oder? Absonderlich erscheint mir auch, wie die Behörden an die Chat-Mitschnitte gekommen sein sollen, wenn nicht auf illegale Weise durch Erpressung des "Verräters" oder einhacken in einen Computer eines der Hacker oder des Chat-Providers. War es in den USA nicht verboten, illegal erlangte Beweismittel vor Gericht zu verwenden …?
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