Netzwelt-Ticker: Anonymous jagt Pädophile, Android-Malware, uncooles Tablet

Von Richard Meusers

Heute im Netzwelt-Ticker: Anonymous geht auf Pädophilen-Jagd; Android-Malware geht ohne Erlaubnis in China einkaufen; britisches Gericht hält Samsungs Galaxy Tab für uncool; DNS-Changer-Chaos bleibt aus.

Anonymous-Video (Screenshot): Kampf gegen kinderpornografisches Material im Netz Zur Großansicht

Anonymous-Video (Screenshot): Kampf gegen kinderpornografisches Material im Netz

Was einst Ursula von der Leyen mit ihrem Stoppschild nicht gelang, das wollen jetzt die Aktivisten des Netzkollektivs Anonymous erreichen: die wirkungsvolle Bekämpfung von kinderpornografischem Material im Netz. Am Wochenende starteten sie dazu die "Operation PedoChat". Knapp hundert einschlägige Webseiten sollen mittels gezielter DDoS-Massenangriffe bereits in die Knie gezwungen worden sein. Außerdem nahmen die Hacker sowohl die Besucher als auch Administratoren der hochkriminellen Netzangebote ins Visier und veröffentlichten ihre E-Mail-Adressen auf Pastebin, zum Teil stellten sie auch den E-Mail-Verkehr zwischen einigen von ihnen online. Wie üblich erklärte Anonymous sein Vorgehen in einem Videoclip. In letzter Zeit habe die Anzahl von Webseiten mit pädophilen Inhalten stark zugenommen, heißt es darin. "Zum Wohle der Menschheit" gehe man nun dagegen vor. Bereits im November 2011 hatte das Kollektiv in der "Operation Darknet" an die 40 Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten sowie Benutzernamen und Twitter-Konten von knapp 1600 angeblichen Nutzern veröffentlicht.

Neue Android-Malware kauft Apps ohne Erlaubnis

Übertriebener Geiz kann teuer werden. Das müssen auch Nutzer von Android-Apps feststellen, die sich an dunkleren Stellen des Webs illegale Gratisversionen von kostenpflichtigen Anwendungen besorgen und sich dabei schnell einen Virus oder Trojaner einfangen. "Neowin" berichtet jetzt über eine neuartige Malware, die zum selbständigen Shopping nicht einmal die Erlaubnis des Gerätebesitzers benötigt. Das Schadprogramm namens MmarketPay lädt kostenpflichtige Anwendungen herunter und installiert sie. Das kann dem überraschten Smartphone- oder Tablet-Besitzer in der Folge eine saftige Rechnung bescheren. Ursprungsort ist anscheinend China, das legt zumindest das Verhalten der Malware nahe, die sich die Anwendungen aus dem App-Store von China Mobile besorgt. Mit seinen über 650 Millionen Kunden ist das Unternehmen der größte Telekommunikationsanbieter der Welt und demgemäß ein interessantes Ziel für Hacker aller Art. Hinzu komme, so "Neowin" weiter, dass der App-Store von China Mobile ein wenig anders konstruiert sei als das offizielle Angebot Google Play. Einstweilen scheint es also auszureichen, sich vor Downloads aus chinesischen App-Quellen zu hüten.

Kein Weltuntergang wegen DNS Changer

Die Hysterie war zwar nicht ganz so groß wie Ende 1999, als allenthalben Befürchtungen vor dem großen Computercrash zum Jahreswechsel 2000 ("Y2K-Bug") geschürt wurden. Doch auch vor dem gestrigen 9. Juli wurden Sorgen laut. Der Grund war DNS Changer, ein Virus, mit dem einst Kriminelle die Rechner von Betroffenen auf manipulierte Seiten umgeleitet hatten. Das FBI hatte die dazu benutzten Server beschlagnahmt, die eingerichteten Ersatzserver wurden am Montag endgültig abgeschaltet. Doch, oh Wunder, der Weltuntergang blieb aus. Anscheinend hatten sich die meisten noch rechtzeitig um die Sauberkeit ihres Systems gekümmert. Computerausfälle hat es offensichtlich nicht gegeben. "Cnet" zitiert den Chef-Forscher Johannes Ullrich vom Computerspezialisten Sans Institute: "Wir haben nicht einen einzigen Bericht erhalten. Das war reine Hysterie. In Wirklichkeit passiert überhaupt nichts." Faktisch habe es anstelle von Millionen mutmaßlich infizierter Computer weltweit nicht mehr als 211.000 betroffene Geräte gegeben, so am Montag ein FBI-Sprecher. Davon standen laut einer Auflistung von F-Secure knapp 15.000 Rechner in Deutschland. Zuvor hatte es allerdings auch großangelegte Aktionen gegeben, um Betroffene auf den Virenbefall aufmerksam zu machen - offenbar mit Erfolg.

Auch das noch:

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1.
mr.ious 10.07.2012
Zitat von sysopHeute im Netzwelt-Ticker: Anonymous geht auf Pädophilen-Jagd; Android-Malware geht ohne Erlaubnis in China einkaufen; britisches Gericht hält Samsungs Galaxy Tab für uncool; DNS-Changer-Chaos bleibt aus. Anonymous hat ein neues Ziel: Pädophile - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,843549,00.html)
Ist hier eigentlich irgend einem verständlich, daß das DNS Teil der Infrastuktur des Internet ist ? Für alle die vor einem Rechner sitzen, das ist hinter dem Gatway eines Internet Zugangs. Da ja diese ominöse Umleitung freundlicher wie praktischer Weise mit "Namen" verbunden ist, weil ja DNS überhaupt nur eingerichtet wurde da "Menschen" sich viele Zahlen (IP Adressen) nicht, oder nicht gut merken können, wie es ja vielfach zu lesen ist, so wäre es doch sehr, sehr einfach gewesen, zu erfahren um welche Namen es sich denn handelt ? Die waren ja sowieso per DNS vergeben und somit den Namen nach auch in Erfahrung zu bringen.
2.
DrStrang3love 10.07.2012
---Zitat--- Britisches Gericht hält Galaxy Tab nicht für eine Apple-Kopie. Richter Colin Birss erklärte, die koreanischen Plattrechner hätten nicht dieselbe unauffällige Grundeinfachheit wie das Apple-Design. "Sie sind nicht so cool." ---Zitatende--- Unabhängig vom Thema, ein erstaunlich unprofessioneller Kommentar des Richters.
3.
mindphuk 10.07.2012
Zitat von mr.iousFür alle die vor einem Rechner sitzen, das ist hinter dem Gatway eines Internet Zugangs.
Das stimmt so nicht. DNS sitzt nicht "hinter dem Gateway des Internet Zugangs". DNS ist ein Dienst, den man nutzen oder sogar auf seinem eigenen Rechner/Netzwerk installieren kann, welcher vom Provider aber auch von Freiwilligen bereit gestellt wird (gegen DNS-Zensur zB). An den DNS schickt man eine Anfrage "welche Adresse hat spiegel.de" und der schickt einem dir zugeordnete IP-Nummer zurück. Es ist also quasi soetwas wie eine Suchmaschine für IP-Adressen.
4. pädophilenverfolgung
Nitara 10.07.2012
Anon zeigt mal wieder, dass das Argument "Wir brauchen die Vorratsdatenspeicherung, um Pädophile zu jagen" völlig nichtig ist. Wie man sieht, kann man Verbrechern auch nachgehen, ohne eine allgemeine Bürgerüberwachung einzuführen. Danke dafür.
5. Coole Aktion
mchunter 10.07.2012
Ich finde es echt klasse, das Anonymus jetzt die Pädophilen jagd. Weiter so. Aber übergebt die Daten bitte an die Polizeibehörden!
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