Netzwelt-Ticker: Anonymous jagt Pädophile, Android-Malware, uncooles Tablet
Heute im Netzwelt-Ticker: Anonymous geht auf Pädophilen-Jagd; Android-Malware geht ohne Erlaubnis in China einkaufen; britisches Gericht hält Samsungs Galaxy Tab für uncool; DNS-Changer-Chaos bleibt aus.
Was einst Ursula von der Leyen mit ihrem Stoppschild nicht gelang, das wollen jetzt die Aktivisten des Netzkollektivs Anonymous erreichen: die wirkungsvolle Bekämpfung von kinderpornografischem Material im Netz. Am Wochenende starteten sie dazu die "Operation PedoChat". Knapp hundert einschlägige Webseiten sollen mittels gezielter DDoS-Massenangriffe bereits in die Knie gezwungen worden sein. Außerdem nahmen die Hacker sowohl die Besucher als auch Administratoren der hochkriminellen Netzangebote ins Visier und veröffentlichten ihre E-Mail-Adressen auf Pastebin, zum Teil stellten sie auch den E-Mail-Verkehr zwischen einigen von ihnen online. Wie üblich erklärte Anonymous sein Vorgehen in einem Videoclip. In letzter Zeit habe die Anzahl von Webseiten mit pädophilen Inhalten stark zugenommen, heißt es darin. "Zum Wohle der Menschheit" gehe man nun dagegen vor. Bereits im November 2011 hatte das Kollektiv in der "Operation Darknet" an die 40 Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten sowie Benutzernamen und Twitter-Konten von knapp 1600 angeblichen Nutzern veröffentlicht.
Neue Android-Malware kauft Apps ohne Erlaubnis
Übertriebener Geiz kann teuer werden. Das müssen auch Nutzer von Android-Apps feststellen, die sich an dunkleren Stellen des Webs illegale Gratisversionen von kostenpflichtigen Anwendungen besorgen und sich dabei schnell einen Virus oder Trojaner einfangen. "Neowin" berichtet jetzt über eine neuartige Malware, die zum selbständigen Shopping nicht einmal die Erlaubnis des Gerätebesitzers benötigt. Das Schadprogramm namens MmarketPay lädt kostenpflichtige Anwendungen herunter und installiert sie. Das kann dem überraschten Smartphone- oder Tablet-Besitzer in der Folge eine saftige Rechnung bescheren. Ursprungsort ist anscheinend China, das legt zumindest das Verhalten der Malware nahe, die sich die Anwendungen aus dem App-Store von China Mobile besorgt. Mit seinen über 650 Millionen Kunden ist das Unternehmen der größte Telekommunikationsanbieter der Welt und demgemäß ein interessantes Ziel für Hacker aller Art. Hinzu komme, so "Neowin" weiter, dass der App-Store von China Mobile ein wenig anders konstruiert sei als das offizielle Angebot Google Play. Einstweilen scheint es also auszureichen, sich vor Downloads aus chinesischen App-Quellen zu hüten.
Kein Weltuntergang wegen DNS Changer
Die Hysterie war zwar nicht ganz so groß wie Ende 1999, als allenthalben Befürchtungen vor dem großen Computercrash zum Jahreswechsel 2000 ("Y2K-Bug") geschürt wurden. Doch auch vor dem gestrigen 9. Juli wurden Sorgen laut. Der Grund war DNS Changer, ein Virus, mit dem einst Kriminelle die Rechner von Betroffenen auf manipulierte Seiten umgeleitet hatten. Das FBI hatte die dazu benutzten Server beschlagnahmt, die eingerichteten Ersatzserver wurden am Montag endgültig abgeschaltet. Doch, oh Wunder, der Weltuntergang blieb aus. Anscheinend hatten sich die meisten noch rechtzeitig um die Sauberkeit ihres Systems gekümmert. Computerausfälle hat es offensichtlich nicht gegeben. "Cnet" zitiert den Chef-Forscher Johannes Ullrich vom Computerspezialisten Sans Institute: "Wir haben nicht einen einzigen Bericht erhalten. Das war reine Hysterie. In Wirklichkeit passiert überhaupt nichts." Faktisch habe es anstelle von Millionen mutmaßlich infizierter Computer weltweit nicht mehr als 211.000 betroffene Geräte gegeben, so am Montag ein FBI-Sprecher. Davon standen laut einer Auflistung von F-Secure knapp 15.000 Rechner in Deutschland. Zuvor hatte es allerdings auch großangelegte Aktionen gegeben, um Betroffene auf den Virenbefall aufmerksam zu machen - offenbar mit Erfolg.
Auch das noch:
- Britisches Gericht hält Galaxy Tab nicht für eine Apple-Kopie. Richter Colin Birss erklärte, die koreanischen Plattrechner hätten nicht dieselbe unauffällige Grundeinfachheit wie das Apple-Design. "Sie sind nicht so cool." Mit der Folge, dass Samsung seine uncoolen Tablets in Großbritannien verkaufen darf.
- Junge Tablet-Nutzer akzeptieren laut Studie Online-Bezahlschranken eher. Das könnte ein Hoffnungsschimmer für Verleger sein, denn immerhin 16 Prozent der Tablet-Besitzer sind prinzipiell zahlungswillig, im Vergleich mit nur fünf Prozent der Computerbesitzer. Je jünger, desto lockerer sitzt das Portemonnaie, zumindest theoretisch. Unter 24-Jährige würden zu 13 Prozent für Online-Nachrichten bezahlen, bei den über 55-Jährigen liegt dieser Anteil bei mageren drei Prozent.
- Flatrate-Kiosk Next Issue jetzt auch fürs iPad. Für Android gibt's die Magazin-Sammlung mit Titeln wie "People", "Vogue" oder dem "New Yorker" schon seit einem Vierteljahr. Mit dem Schritt aufs iPad erhoffen sich die Anbieter den Einstieg in den lukrativen Massenmarkt. Monatsmagazine kosten im Abo zehn Dollar, für 15 Dollar im Monat erhält der Leser auch Zugriff auf Wochentitel.
- Westeros in "Minecraft". Aus den virtuellen Ein-Meter-Klötzchen sind schon faszinierende Welten entstanden, bis hin zu Mittelerde. Für die Fans von "Game of Thrones" haben die Macher von "Westeros Craft" nun den ganzen Kontinent nachgebildet, auf dem die Handlung des Fantasy-Epos überwiegend spielt. Der Nachbau ist voll bespielbar, das Blog "Anmut und Demut" hat einige sehr beeindruckende Bilder.
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- Dienstag, 10.07.2012 – 12:08 Uhr
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- Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

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