Anschlag auf Boston-Marathon So helfen soziale Medien den Betroffenen

Freunde und Angehörige finden, eine Unterkunft suchen, ohne Handy Angehörige anrufen: Verschiedene Online-Dienste von Twilio bis YouTube versuchen, den Betroffenen des Anschlags von Boston zu helfen. Die Angebote im Überblick.

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Nach dem Anschlag auf den Marathonlauf in Boston zeigen Online-Anbieter Solidarität mit den Betroffenen. Anbieter wie 2013 von Google bis Twilio haben spezielle Hilfsangebote gestartet, damit Menschen sich schneller finden oder an eine Unterkunft kommen.

Menschen finden

Google Person Finder: Menschen finden oder Informationen über sie eintragen

Google Person Finder: Menschen finden oder Informationen über sie eintragen

Google hat wie schon nach der Erdbeben-Katastrophe in Japan 2011 einen Online-Personenfinder eingerichtet. Die Software gleicht von Freiwilligen eingegebene Daten ab. Man kann Details zu Personen eingeben, die man sucht oder Informationen über Menschen, von deren Schicksal man mehr weiß.

Safe and Well: Dem Roten Kreuz mitteilen, dass es einem gut geht

Safe and Well: Dem Roten Kreuz mitteilen, dass es einem gut geht

Das Rote Kreuz betreibt eine Online-Plattform, wo Menschen sich namentlich registrieren und bestätigen können, dass mit ihnen alles in Ordnung ist. Diese Datenbank kann jeder schnell mit Namen, einer Telefonnummer oder Adresse nach Informationen zu einer bestimmten Person durchsuchen.

Wer sich fragt, ob denn ein laufambitionierter Freund beim Boston-Marathon dabei war, kann das über die Webseite der Veranstaltung prüfen. Die Datenbank soll eigentlich dazu dienen, die Rennergebnisse zusammenzufassen, nun kann sie auch zweckentfremdet werden.

Eine Unterkunft finden

Need a place to stay: Unterkünfte suchen und anbieten per Google Docs

Need a place to stay: Unterkünfte suchen und anbieten per Google Docs

Die Lokalzeitung "Boston Globe" hat auf ihrer Webseite zu einer sehr einfachen und pragmatischen Lösung gegriffen, um Übernachtungsplätze zu verteilen. Der "Boston Globe" bringt Menschen, die nach den Explosionen einen Übernachtungsplatz in der Stadt suchen mit Freiwilligen zusammen, die einen Platz anbieten: Mit der Online-Office-Software Google Docs erstellten sie Formulare, in die Bedürftige und Anbieter ihre Daten eintragen können. Hat man das ausgefüllt, bekommt man eine Liste Suchender beziehungsweise Anbietender angezeigt. Die Anbieter beschreiben darin unter anderem, welche Art der Unterkunft und für wie viele Personen, sie anzubieten haben. Manche Menschen bieten Schlafplätze aber auch via Twitter an.

Augenzeugen-Videos

YouTube-Übersichtsseite: Videos von Nachrichtenagenturen und TV-Sendern

YouTube-Übersichtsseite: Videos von Nachrichtenagenturen und TV-Sendern

YouTube sammelt auf der Übersichtsseite "Explosions at the Boston Marathon" Videos des Anschlags, der Rettungsarbeiten und der Pressekonferenzen von Polizei und Politik. Die Mehrheit der derzeit (Dienstagvormittag) 26 Filme stammen von Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern, einige Amateuraufnahmen sind aber auch darunter. Ein Nutzer hat die erste Explosion von einer Zuschauertribüne aus gefilmt, er schreibt: "Ich war direkt gegenüber von dem Ort, wo die erste Bombe explodierte und habe danach direkt meine Kamera eingeschaltet." Das war die erste Reaktion einiger Augenzeugen. Auf anderen Übersichtsseiten im Web findet man drastischere Aufnahmen als bei der YouTube-Übersicht. Eine der zurückhaltenderen Sammlung von Tweets, Fotos und Videos pflegt der US-Sender NBC bei Storify. Aber auch hier sieht man viel Blut.

Anrufen

Call Your Family: Kostenlose Webanrufe aus Boston

Call Your Family: Kostenlose Webanrufe aus Boston

Berichten zufolge haben die Mobilfunknetze der Stadt dem erhöhten Nutzungsaufkommen nach den Explosionen bisher recht gut standgehalten. Trotzdem hat die Massachusetts Emergency Management Agency (MEMA) per Twitter dazu aufgerufen, Verwandte und Bekannte lieber per SMS zu informieren statt sie anzurufen. So würde Bandbreite gespart.

Für den Fall, dass die Netze doch zusammenbrechen, hat der Webtelefonie-Anbieter Twilio eine Seite online gestellt, über die Betroffene in Boston kostenlose Telefonate führen können. Das Gratis-Angebot setzt allerdings Googles Chrome-Browser oder einen anderen Browser mit installiertem Flash-Plug-in und natürlich eine funktionierende Internetverbindung voraus. Einige Restaurants und Bars in Boston bieten derzeit kostenlosen W-Lan-Zugriff an.

Das amerikanische Rote Kreuz gibt via Twitter den pragmatischen Tipp, Personen, die zum Zeitpunkt der Explosionen in Boston waren, sollten ihren Status in sozialen Netzwerken aktualisieren. So erreicht man viele Menschen auf einmal.

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