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Anti-Islam-Film: YouTube muss "Innocence of Muslims" vom Netz nehmen

Schauspielerin Cindy Lee Garcia: Zuvor waren alle Löschversuche gescheitert Zur Großansicht
REUTERS

Schauspielerin Cindy Lee Garcia: Zuvor waren alle Löschversuche gescheitert

Zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung ist der umstrittene Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime" auf gerichtliche Anordnung bei YouTube gelöscht worden. Grund dafür ist aber nicht der umstrittene Inhalt.

2012 sorgte der antiislamische Schmähfilm "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime") für weltweite Proteste, nun muss das Videoportal YouTube den Clip in sämtlichen Fassungen vom Netz nehmen. Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Kalifornien hat eine entsprechende Urheberrechtsklage bestätigt.

Die Schauspielerin Cindy Lee Garcia hatte bereits mehrfach versucht, das Hetzvideo aus dem Netz zu klagen - und nach fast zwei Jahren schließlich Recht bekommen. Sie hatte angeführt, sie sei seinerzeit ausgetrickst und über die Intention des Films getäuscht worden. Sie habe nie - wie sonst bei Filmprojekten üblich - auf ihre Urheberrechte verzichtet. Darüber hinaus habe das Endprodukt nicht im Geringsten etwas mit dem zu tun gehabt, für das die Schauspielerin sich ursprünglich verpflichtet habe.

Tatsächlich sei sie für einen Film namens "Wüstenkrieger" engagiert worden. Eine dafür gedrehte Szene tauchte später in "Unschuld der Muslime" auf. "Der Film unterscheidet sich so radikal von allem, was Garcia nach ihrer Verpflichtung hätte erwarten können, dass nicht einmal mehr von der Gewährung einer stillschweigenden Lizenz ausgegangen werden kann", zitiert "Mashable" den zuständigen Richter Alex Kozinski.

Google will gegen das Urteil vorgehen

Garcia hatte von Morddrohungen berichtet und versucht, zumindest die Teile des Filmes löschen zu lassen, in denen sie selbst zu sehen ist. Bislang ohne Erfolg. Google hatte sich geweigert, den Film aus dem Angebot zu nehmen, da dies gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstieße. Als der Film gewalttätige Proteste auslöste, wurde er allerdings in bestimmten Staaten gesperrt.

In dem am 19. Februar ergangenen, aber erst jetzt veröffentlichten Urteil wurde Google verpflichtet, sämtliche Fassungen und Trailer des Films zu entfernen sowie "alle Schritte zur Verhinderung künftiger Uploads zu unternehmen". Ein Google-Sprecher erklärte: "Wir stimmen mit diesem Urteil eindeutig nicht überein und werden dagegen vorgehen."

Der Film hatte im September 2012 teils gewaltsame Proteste ausgelöst, in deren Zuge bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet wurden. Der Filmemacher Youssef, der auch unter den Pseudonymen Nakoula Basseley Nakoula und Sam Bacile auftrat, wurde wegen Verstoßes gegen seine nach einem früheren Vergehen verhängten Bewährungsauflagen inhaftiert, kam vergangenes Jahr aber wieder frei.

meu/afp

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  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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