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Anzeigen-Vertrieb: Google gewinnt mit Print

Für Zeitungsverleger werden die Zeiten immer schwerer. Zuerst hat das Internet ihnen den Markt verdorben, weil es schneller ist - nun droht es, den Anzeigenmarkt zu verderben. Weil das Schalten von Werbung übers Netz so einfach ist.

Es gibt ein verbreitetes Missverständnis darüber, warum Google ein so erfolgreiches Unternehmen ist. Das liege daran, glauben Viele, dass Googles Suchmaschine so gut funktioniert. Das stimmt nur zum Teil. Google ist deshalb ein so erfolgreiches, vulgo profitables Unternehmen, weil es die Art revolutioniert hat, wie Werbung verkauft wird. Im Netz suchen und finden konnten Andere auch schon vor Jahren. Der Geniestreich der Google-Gründer bestand darin, einem attraktiven Web-Angebot – Suche – auch ein attraktives Verdienstmodell – kontextsensitive Werbeanzeigen – zur Seite zu stellen. Und ein System zu entwickeln, das den Verkauf dieser Anzeigen über das Netz extrem vereinfacht.

Google-Stand auf der Frankfurter Buchmesse: Online goes Print
DDP

Google-Stand auf der Frankfurter Buchmesse: Online goes Print

Längst sind "Ads by Google" eine Selbstverständlichkeit überall im Netz, auch außerhalb von Google-Angeboten – denn das System Kontextsensitivität plus simple Platzierung lässt sich auf beliebige andere Angebote übertragen, solange Sie nur Text enthalten, der sich von den Anzeigenmaschinen der Suchmaschinisten analysieren lässt.

Viele Menschen wissen in der Tat bis heute nicht, womit Google eigentlich so viel Geld verdient – denn Google-Ads sind ziemlich unauffällig. So Mancher hat vermutlich schon viele Male auf eine Google-Anzeige geklickt ohne sie überhaupt als solche zu erkennen. Und sich vielleicht nicht einmal geärgert, weil sie ihn tatsächlich zu einer Seite mit Angeboten führte, nach denen er suchte.

Die Verleger vor allem US-amerikanischer Zeitungen dagegen wissen ganz genau, womit Google sein Geld verdient – denn die Gelder, die das Unternehmen mit seinem hochflexiblen Werbesystem verdient, kommen aus Töpfen, an denen sich früher nicht zuletzt die Printpresse gütlich tat.

Vor Monaten schon hat Google einen Modellversuch angekündigt, der die Verleger deshalb wohl hat erschauern lassen: Google verkauft nun auch Print-Anzeigen. Weil das AdSense-System es auch für kleine Anbieter sehr einfach macht, irgendwo ein bisschen Werbeplatz einzukaufen. Drei Monate lang sollte das neue Angebot zunächst getestet werden. Ausgewählte Google-Kunden konnten übers Netz Anzeigen in Tageszeitungen wie der "New York Times" oder der "Washington Post" buchen, gewissermaßen Restbestände an Platz in passender inhaltlicher Umgebung kaufen. Nun wurde der Erfolg verkündet: Google will das Vertriebsangebot künftig kräftig ausbauen.

Tom Phillips, bei Google für die Print-Anzeigen zuständig, sagte der "Washington Post": "Wir haben drei mal so viele Anzeigen verkauft, wie wir erwartet hatten. Ich glaube, dass wir im kommenden Jahr wirklichen Einfluss gewinnen werden." Man öffne Printmedien für "eine ganz neue Klasse von Werbetreibenden". Ende Januar soll die endgültige Entscheidung über die Zukunft des neuen Vertriebsweges fallen.

Yahoo hat schon vor einiger Zeit ein sehr ähnliches Modell vorgestellt: Auch Googles Konkurrent verkauft künftig Printanzeigen im Netz.

Die Verleger möchten die neuen Kunden am Ende dann aber doch lieber wieder selbst betreuen. Das Google-Projekt sei "eine wundervolle Methode, Werbetreibende an die 'New York Times' heranzuführen", sagte ein Vertreter des Blattes der "Washington Post". Aber am Ende wolle man die neuen Kunden doch lieber in "größere Programme und bessere Positionen verschieben, und sie aus dem Google-System herausnehmen." Man sei Google gegenüber diesbezüglich "sehr offen gewesen".

Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Es könnte gut sein, dass das Netz nach der Art, wie Medien vertrieben werden, nun auch ihre Finanzierung - den Verkauf von Werbefläche - revolutioniert.

cis

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