Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

App für homosexuelle Chinesen: Mit "Blued" gegen den Blues

"Blued"-Gründer Ma Baoli: Innerhalb von zwei Jahren eine Nutzerbasis von 15 Millionen Personen aufgebaut Zur Großansicht
REUTERS

"Blued"-Gründer Ma Baoli: Innerhalb von zwei Jahren eine Nutzerbasis von 15 Millionen Personen aufgebaut

Während Homosexualität in Chinas Öffentlichkeit tabuisiert wird, vernetzen sich mit der App "Blued" Millionen von Männer online. Längst geht es dabei um mehr als um die Anbahnung von Sexkontakten.

In China, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, ist Homosexualität zwar nicht mehr verboten. Doch die konservative Gesellschaft tabuisiert gleichgeschlechtliche Neigung nach wie vor. Mit der Anonymität im Internet ist es für viele leichter, untereinander Kontakt aufzunehmen.

Mit der App "Blued" hat Ma Baoli, ein ehemaliger Polizist, im Jahr 2012 eine Chat- und Dating-App geschaffen, die heute von Millionen schwulen Chinesen genutzt wird. Das Gratisprogramm verwendet die GPS-Funktion in den Smartphones seiner Anwender, um Interessenten in der Nähe zu lokalisieren. Der "Blued"-User erstellt sich ein Profil und schaut sich dann in Chatrooms um, oder schreibt ganz privat jemandem Nachrichten.

Längst ist "Blued" nicht mehr nur eine App für schnellen Sex. Aktivisten, sie sich für die Enttabuisierung der Homosexualität in China einsetzen, sagen, die Applikation habe vielen schwulen Männern geholfen, ein positives Selbstbild zu entwickeln und sich gegen gesellschaftliche Vorurteile zu stellen. Der Organisator des jährlichen Christopher Street Days in Shanghai, Raymond Phang, erklärt, es gehe bei "Blued" nicht bloß darum, jemanden abzuschleppen. Die App vertiefe auch das Wissen der Nutzer.

Kostenlose HIV-Tests in der Firmenzentrale

Dazu gehört etwa die Aufklärung über HIV. "Blued"-Nutzer können sich in der Firmenzentrale in Peking kostenlos auf HIV testen lassen. Behandelt werden sie dabei ausschließlich von homosexuellen Ärzten und Mitarbeitern - so sollen peinliche Situationen vermieden werden. Diese Anstrengungen werden auch von der Regierung finanziell unterstützt.

Um die kostenfreie Nutzung der App zu gewährleisten, arbeitet "Blued" mit der Werbeplattform Danlan.org zusammen. Der Erfolg gibt den Machern recht: Innerhalb von zwei Jahren konnte die Applikation eine Nutzerbasis von 15 Millionen Schwulen aufbauen, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Im Dezember konnte das chinesische Start-up 30 Millionen Dollar Wagniskapital von der US-Firma DCM Ventures einsammeln. Das Finanzunternehmen hat seit 1996 mehr als 2,5 Milliarden Dollar in mehr als 200 Firmen investiert. Mit seiner Finanzspritze für "Blued" ist DCM nun an einem Unternehmen beteiligt, dessen Wert auf über 300 Millionen Dollar geschätzt wird.

Als nächsten Schritt visiert Ma Baoli nun die Notierung an der Nasdaq-Börse an. Ma Baoli will es übrigens nicht mit der Kontaktanbahnung unter Männern bewenden lassen. Eine Dating-App für homosexuelle Frauen namens "Pinked" ist bereits in Vorbereitung.

meu/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ziemlich klasse
koelnrio 09.01.2015
Ich nutze blued seit ein paar Monaten und habe tolle Kontakte knüpfen können, die auf 9000 km Entfernung nicht machbar gewesen wäre. Zusätzlich zur social Media app wechat (besser als whatsapp) kann ich mit chinesischen schwulen Männern sogar kommunizieren, da wechat Text übersetzt. Lerne gerade viel über China! Aus erster Hand sozusagen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: