Netzwelt-Ticker: Apple darf in Deutschland nicht pushen

Von Carolin Neumann

Apple darf in Deutschland weiterhin keine Push-Benachrichtigungen von der iCloud aufs iPhone schicken - Motorola macht Patentverletzungen geltend. Außerdem: ein Smartphone aus dem Hause Boeing und Apples Tool gegen den Flashback-Trojaner.

Steve Jobs und das iCloud-Logo: In Deutschland bleibt Apples Push-Mail abgeschaltet Zur Großansicht
dapd

Steve Jobs und das iCloud-Logo: In Deutschland bleibt Apples Push-Mail abgeschaltet

Apples Push-E-Mail-Service aus den Angeboten iCloud und MobileMe bleibt in Deutschland verboten. Das Landgericht Mannheim bestätigte am Freitag ein Urteil, wonach es Apple untersagt ist, eine solche Synchronisation von Nachrichten hierzulande anzubieten. Das Gericht gab damit einer Klage des Rivalen Motorola Mobility statt, Apple muss Schadenersatz zahlen. Die Höhe wurde vor Gericht nicht genannt.

Eine weitere Patententscheidung in dem Streit zum Thema Mobilfunkstandards trennten die Richter ab. Wann zu diesem Komplex ein Urteil fallen soll, sagte Richter Andreas Voß nicht. Apple und Motorola, aber auch Samsung und Apple liefern sich derzeit eine weltweite Justizschlacht um Mobilfunkpatente, die den Konzernen entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.

Anwendern von iCloud Mail und MobileMe Mail bietet Apple auf seinen Support-Seiten eine Anleitung an, wie sie trotz des Urteils iPhone, iPad und iPod touch "weiterhin so konfigurieren [können], dass neue E-Mails automatisch im Hintergrund geladen werden". (mak/dapd)

Apple wehrt sich gegen Kartellvorwürfe

Zu Beginn der Woche hat das US-Justizministerium Kartellklage gegen Apple und fünf große Verlage eingereicht. Mit zwei Tagen Verspätung hat sich Apple nun öffentlich zu den Vorwürfen geäußert: "Nicht wahr" nennt Unternehmenssprecher Tom Neumayr auf "AllThingsD" die Anschuldigungen, der Konzern habe mit den Verlegern Preise für elektronische Bücher im iBookstore abgesprochen.

Neumayr preist stattdessen die veränderte Situation seit Apples Markteintritt: "Der Start des iBookstore 2010 hat Innovation und Wettbewerb gefördert und damit Amazons Monopol gebrochen", sagte der Sprecher weiter. So wie Software-Entwickler die Preise im App Store bestimmen könnten, erlaube man Verlagen, über Preise im iBookstore zu entscheiden.

Drei der fünf Verlagshäuser - HarperCollins, Hachette und Simon & Schuster - hatten bereits unmittelbar nach der Klage eine außergerichtliche Vereinbarung mit dem Justizministerium getroffen. Zwei Beklagte neben Apple geben sich nicht geschlagen. John Sargent, Chef des Verlagshauses Macmillan, erklärte, dass die Forderungen des Justizministeriums es für Amazon möglich gemacht hätten, ihre Monopolstellung wieder zu erlangen. Wie auch die Penguin Group verkündete, wollen sich Apple und die Publizisten vorerst nicht auf eine Einigung einlassen.

Wie auch aus den Presseerklärungen der Unternehmen hervorgeht, durchleuchteten die Wettbewerbshüter seit Monaten den Markt der E-Books und waren in Gesprächen mit den Verlegern. Sie sollen mit Apple die Preise für Titel abgesprochen haben. Bevor - wie Apple es formuliert - das Amazon-Monopol gebrochen wurde, hatte der Versandriese elektronische Bücher zu Kampfpreisen angeboten. Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine Buchpreisbindung.

Boeing entwickelt super-sicheres Android-Smartphone

Boeing versucht sich in einem neuen Bereich: Laut einem Bericht des Fachmagazins "National Defense" plant der Luftfahrt- und Rüstungskonzern ein eigenes Smartphone. Das "Boeing Phone" (derzeit wohl eher noch ein Arbeitstitel) soll ein besonders sicheres Android-Gerät werden und Ende des Jahres auf den Markt kommen.

Zwar werde das Boeing-Modell preislich nicht für die breite Masse interessant sein, doch es soll günstiger sein als andere Hochsicherheitstelefone. Die würden laut Boeing-Entwickler Brian Palma bis zu 20.000 US-Dollar kosten. Er sieht einen deutlichen Bedarf an solchen Angeboten, sowohl im Bereich von staatlichen Stellen und der Landesverteidigung als auch im kommerziellen Bereich.

Flashback-Trojaner rückgängig

Wie angekündigt hat Apple ein Tool veröffentlicht, um den grassierenden "Flashback"-Trojaner zu erkennen und zu entfernen. Bislang mussten Mac-Nutzer dafür auf externe Mittel zurückgreifen; der Konzern reagierte erst spät mit einer eigenen Maßnahme und handelte sich damit einige Kritik ein.

Von mehreren Hunderttausenden befallenen Mac-Rechnern hatte das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky am Montag berichtet. Seit dieser Bekanntgabe scheint die Zahl der infizierten Rechner allerdings bereits deutlich zurückgegangenen zu sein - noch bevor Apple die Lücke selbst stopfte. Der Sicherheitsanbieter Symantec spricht nun von nur noch 270.000 Macs, am 4. April seien es noch mehr als 600.000 gewesen.

Auch das noch:

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1. selber schuld
sunrise1873 14.04.2012
Zitat von sysopApple soll mit mehreren Verlagen E-Book-Preise abgesprochen haben, das US-Justizministerium ermittelt - nun reagiert der Konzern auf die Anschuldigungen. Was außerdem wichtig war in der Netzwelt: ein Smartphone aus dem Hause Boeing und Apples Tool gegen den Flashback-Trojaner. Netzwelt-Ticker: Apple darf in Deutschland nicht pushen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827336,00.html)
das kommt davon, wenn man partous ein eigenes Süppchen kochen muß... Rim mit den Blackberries kann man da genauso ansprechen... Email ist heute einer der wenigen richtigen Weltstandards in der Kommunikation über das Internet - rund um den Globus. Die Protokolle sind standardisiert, offen verfügbar, ohne Patentkriege zu implementieren. der größte Vorteil: Es ist Anbieterunabhängig. Im Prinzip kann sich jeder einen eigenen email server an seine DSL Leitung hängen und auf jedem noch so kleinen Computer kann man die Serversoftware installieren (selbst auf Android Smartphones) Das IMAP Protokoll (wir haben z.B. Cyrus IMAP Server) beherrscht PUSH email auf nahezu allen Endgeräten (IMAP idle) - dazu SSL/TLS Verschlüsselung (der Verbindung, nicht der emails) - Emails werden auf dem Server gespeichert (wie in der sagenhaften Apple Cloud) - alternativ können sie aber auch über Pop3 abgerufen werden. Postausgang über SMTP, auch verschlüsselt. Und email bietet eine echte Anbieterunabhängige ende-zu-ende Verschlüsselung, wenn man z.B. gnupg verwendet (auch über plugins wie enigmail in thunderbird) oder k9mail für android - die kein Geheimdienst so einfach mitlesen kann... Protokolle und Verfahren, die es teilweise schon seit über 20 Jahren gibt. Aber es ist klar, eine Firma wie Apple was eigenes machen will - damit die Apple Jünger staunen können, was Apple angeblich wieder erfunden hat. (genauso wie einem Apple-User ständig von der Timemachine vorschwärmen). Und natürlich ist es ja auch nicht im Interesse von Apple, NICHT auf offene, verfügbare Formate zu setzen... (genauso Microsoft mit dem Exchange Server) Hier hat die Strategie nicht funktioniert, weil schon ein anderer die Push Mail erfunden haben wollte... auf den ersten Blick hört es sich ja nach einem Trivialpatent an, weil Push Mail z.B. in der Form wie IMAP idle gab es ja schon lange vorher... aber müßte man sich näher mit dem genauen Patent auseinandersetzen, wie sie es da realisiert haben. (imap idle erfordert ja eine offene Verbindung...)
2.
JohnMcGully 14.04.2012
Zitat von sunrise1873das kommt davon, wenn man partous ein eigenes Süppchen kochen muß... Rim mit den Blackberries kann man da genauso ansprechen... .... Aber es ist klar, eine Firma wie Apple was eigenes machen will - damit die Apple Jünger staunen können, was Apple angeblich wieder erfunden hat. (genauso wie einem Apple-User ständig von der Timemachine vorschwärmen). Und natürlich ist es ja auch nicht im Interesse von Apple, NICHT auf offene, verfügbare Formate zu setzen... (genauso Microsoft mit dem Exchange Server) Hier hat die Strategie nicht funktioniert, weil schon ein anderer die Push Mail erfunden haben wollte... auf den ersten Blick hört es sich ja nach einem Trivialpatent an, weil Push Mail z.B. in der Form wie IMAP idle gab es ja schon lange vorher... aber müßte man sich näher mit dem genauen Patent auseinandersetzen, wie sie es da realisiert haben. (imap idle erfordert ja eine offene Verbindung...)
Jetzt haben Sie so viel geschrieben aber so wenig gesagt. Was soll denn Apple angeblich für ein eigenes Püppchen gekocht haben. Ein neues Protokoll für EMails erfunden. Ach ne, Sie sagen ja selber, dass Apple da nichts Neues erfunden hat. Und das ist sogar den sogenannten Apple-Jüngern bekannt. Bevor Sie hier also eine Grundsatzvorlesung zum Thema Email-Protokolle halten sollten Sie bitte erklären was Apple eigenes entwickelt haben soll was eben doch nicht eigenes ist und was Hintergrund der Patentklage ist. Es geht eben nicht darum ob Apple IMAP oder POP3 verwendet. Es geht darum, dass Apple ein Verfahren oder einen Ablauf implementiert hat der auf einem Patent aus Pager-Zeiten basiert. Also eigentlich auch inzwischen ein Standard. Und darum geht es auch in einer zugehörigen Untersuchung der EU. Hier wird geprüft ob Motorola dieses Patent unter fairen Bedingungen lizensieren "muss". Also nochmal, es geht nicht um EMail-Protokolle sondern um ein Verfahren. Unabhängig von den Unternehmen würde ich sagen, dass es sich hier inzwischen um einen Standard handelt und Motorola das lizensieren sollte und dazu wird es sicher auch kommen. Aber irgendwie gönne ich Apple, dass sie hier durch ein Tal der Tränen gehen müssen. Für deren Kunden ist es natürlich doof aber solange es eine Alternative gibt geht die Welt nicht unter.
3.
7zeichen 15.04.2012
Zitat von sunrise1873Aber es ist klar, eine Firma wie Apple was eigenes machen will - damit die Apple Jünger staunen können, was Apple angeblich wieder erfunden hat.
Soso. Ich muss es Ihnen leider sagen: Sie haben nicht verstanden was den Push-Dienst von Apple von den der anderen Anbieter unterscheidet: Bei anderen Anbietern hält jeder Dienst der Push-Daten empfängt eine eigene Verbindung zum jeweiligen Server was bei vielen Einzelverbindungen relativ energiehungrig sein kann. Bei der Apple-Lösung wird vom Gerät nur eine einzige Verbindung zum Apple-Server gehalten. Über diese Verbindung werden alle Dienste wie Mail, Kalender, Notizen, Bookmarks, Kontakte, Benachrichtigungen von Drittanbieter-Apps, Updates und sogar Musik auf das Gerät gepusht. Insofern ist diese Lösung schon besonders.
4. Hat da jemand eine Hasskappe auf?
Elaiza 15.04.2012
Zitat von sunrise1873das kommt davon, wenn man partous ein eigenes Süppchen kochen muß... Rim mit den Blackberries kann man da genauso ansprechen... [..] Aber es ist klar, eine Firma wie Apple was eigenes machen will - damit die Apple Jünger staunen können, was Apple angeblich wieder erfunden hat. (genauso wie einem Apple-User ständig von der Timemachine vorschwärmen). Und natürlich ist es ja auch nicht im Interesse von Apple, NICHT auf offene, verfügbare Formate zu setzen... (genauso Microsoft mit dem Exchange Server) Hier hat die Strategie nicht funktioniert, weil schon ein anderer die Push Mail erfunden haben wollte... auf den ersten Blick hört es sich ja nach einem Trivialpatent an, weil Push Mail z.B. in der Form wie IMAP idle gab es ja schon lange vorher... aber müßte man sich näher mit dem genauen Patent auseinandersetzen, wie sie es da realisiert haben. (imap idle erfordert ja eine offene Verbindung...)
Apple verwendet IMAP und arbeitet damit absolut kompatibel zu jedem normalen Email Programm. Über die reibungslose Integration von Outlook-Funktionalitäten sollten sich andere Phone-OS besser eine Scheibe abschneiden. Beim E-Mail Push an ein iPhone wird das Telefon über einen Mobilfunkkanal "benachrichtigt" und das Telefon weckt sich dann selbst, um die E-Mail über das Internet abzuholen. Dies hat den Vorteil, dass praktisch das gesamte Telefon in den Ruhezustand versetzt werden kann und somit sehr energiesparend gearbeitet wird. Diese Benachrichtigung über einen Mobilfunkkanal ähnelt augenscheinlich dem Pager-Protokoll aus alten Tagen und Motorola sieht darin eine Patentverletzung. Das normale E-Mail Push via Internet funktioniert weiterhin. Welche offenen Protokolle werden von Apple denn nicht unterstützt?
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