Offener Brief Apple-Chef verspricht den Schutz von Nutzerdaten

Die Aufregung um Prominenten-Nacktbilder im Netz hat Apples Ruf geschadet. Nun will Konzernchef Tim Cook Datenschutzbedenken ausräumen: Cook beteuert, der Handel mit Daten sei nicht Apples Geschäft. iOS 8 soll sogar die Polizei aussperren.

Apple-CEO Tim Cook: Nutzerdaten gehören nicht zu Apples Geschäftsmodell
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Apple-CEO Tim Cook: Nutzerdaten gehören nicht zu Apples Geschäftsmodell

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Cupertino - Jeder Skandal schadet dem Ruf, aber dieser kam aus Sicht der Apple-Chefetage zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Anfang September hatten Hacker private Nacktbilder einiger Hollywoodstars aus deren Online-Datenspeichern bei Apple kopiert und im Netz veröffentlicht. Offensichtlich bereitete das Unternehmen zu dieser Zeit gerade eine Sicherheitsoffensive vor, in Verbindung mit dem iPhone-Betriebssystems iOS 8. Jetzt hat der Konzern einen offenen Brief veröffentlicht, in dem Firmenchef Tim Cook die Bemühungen schildert, um die Daten der Apple-Nutzer zu schützen. Als nicht vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden, könnte einem Unternehmen wie Apple dauerhaft schweren Schaden zufügen.

Cook hatte sich zu diesem Thema bereits vor wenigen Tagen in einem TV-Interview geäußert. Damals erklärte er, Apples Geschäftsmodell beruhe nicht darauf, Informationen über seine Kunden zu sammeln. Apple verdiene Geld mit dem Verkauf von Geräten, nicht mit dem von Nutzerdaten. Der Apple-Chef griff damit direkt Konkurrenten wie Google an.

Auch der Apple-eigene Anzeigendienst iAd, der Anzeigen in iPhone-Apps platziert, würde keine Nutzerdaten sammeln, um eine gezielte Platzierung von Werbung zu ermöglichen, schreibt Cook. Das Angebot sei eingeführt worden, um App-Entwicklern eine zusätzliche Einnahmequelle zu geben. Das System habe aber beispielsweise keinen Zugriff auf das Surfverhalten, Kontaktdaten oder E-Mails, könne also nicht genutzt werden, um Nutzerprofile zu erstellen.

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Ähnlich erklärt Cook die Einrichtung von Online-Angeboten wie den Web-Speicher iCloud. Sie würden nur dazu dienen, die Hardware-Produkte des Unternehmens attraktiver zu machen und nicht etwa, um Anwenderprofile zu erstellen. Erst vor wenigen Tagen hatte Apple für iCloud eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung wieder eingeführt, die die Sicherheit von in der Datenwolke abgelegten Back-ups erhöhen soll.

Kein Zugriff: Grafische Darstellung der Verschlüsselung von Chat-Daten
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Kein Zugriff: Grafische Darstellung der Verschlüsselung von Chat-Daten

Das am Mittwoch veröffentliche Software-Update iOS 8 für iPhones, iPads und iPod Touch schütze Privatsphäre und Nutzerdaten zudem noch besser als dessen Vorversionen. Um Anwendern nahezubringen, welchen Aufwand Apple getrieben hat, um das zu erreichen, stellte das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag eine Website ins Netz, auf der einige der Sicherheitsfunktionen von iOS 8 erklärt werden. Das neue Betriebssystem soll es etwa unmöglich machen, Daten aus einem gesperrten iPhone auszulesen, ohne den Passcode zu kennen - selbst für Strafverfolger. "Es ist uns technisch unmöglich, auf Durchsuchungsbefehle zum Auslesen dieser Daten zu reagieren, wenn diese Geräte mit iOS 8 betreffen", teilte Apple mit.

Für Kunden, die es genauer wissen wollen, wurde zudem ein 43-seitiges Dokument veröffentlicht (PDF), das die Funktionen zur Sicherheit und zum Schutz der Privatsphäre im neuen iOS erläutert. Der Inhalt ist allerdings so detailliert und technisch, dass die Zielgruppe in erster Linie Software-Entwickler und Systemadministratoren sein dürften.

Zeitgleich stellte Apple seinen aktuellen Bericht zur Zahl von Behörden-Anfragen online. Cook nutzt die darin enthaltenen Informationen, um zu betonen, wie aussichtslos es sei zu versuchen, verschlüsselte Nutzerdaten von Apple anzufragen. Schon in seinem TV-Interview hatte er erklärt, Apple sei beispielsweise technisch nicht in der Lage, Behörden Chat-Daten seiner Nutzer auszuhändigen, weil diese mit einem Schlüssel gesichert seien, auf den der Konzern kein Zugriff habe.

Die wichtigsten Neuerungen von iOS 8

E-Mails schneller bearbeiten: Einige Dinge gehen in Apples Mail-App nun fixer. Wischt man von links nach rechts über eine E-Mail, kann man sie als ungelesen markieren. Wischt man von rechts nach links, kann man sie löschen, markieren oder ein Untermenü mit weiteren Funktionen öffnen. Sehr nützlich, wenn man viel unnütze Nachrichten bekommt: Mit einem schwungwollen Wischen von rechts nach links befördert man die jeweilige E-Mail direkt in den Papierkorb.

Wissen, was ist: Ein Fingertipp auf das Fähnchen links unten in der Mail-App öffnet ein Untermenü, das unter anderem den Eintrag Mitteilung enthält. Tipp man darauf, lässt sich festlegen, dass man benachrichtigt wird, sobald der Gesprächspartner geantwortet hat.

Mehr wissen: Die Suchfunktion Spotlight durchkämmt nun nicht mehr nur das Gerät selbst, sondern auch das Web. Wird sie fündig, zeigt sie Suchergebnisse in der Nähe, Webfundstellen wie die Wikipedia, Webseiten und passende Apps an.

Fotos-App: Die bisher sehr rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen seiner Foto-App hat Apple deutlich erweitert. Bemerkenswert ist, dass die App schief aufgenommene Bilder nun automatisch gerade ausrichtet. Klappt das nicht, kann man manuell nachjustieren.

Feinschliff: Ein Fingertipp auf das Poti-Symbol der Foto-App fördert ein Untermenü zutage, in dem man weitere Funktionen findet. Mit ihnen lassen sich beispielsweise Kontrast und Helligkeit zu manipulieren.

Schneller sein: Auf Nachrichten kann man jetzt sofort reagieren. Wird eine neue Mitteilung oben auf dem Bildschirm eingeblendet, wischt man kurz von oben aus darüber hinab. Sofort öffnet sich ein Fenster, in das man seine Antworten tippen kann. Die Tastatur bietet dabei gängige Antworten als Vorlage an.

Wo stecken Energieschleudern? Im Untermenü Allgemein -) Benutzung -) Batterienutzung kann man sich anzeigen lassen, welche Apps wie viel Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen. Sehr nützlich, um starke Verbraucher zu identifizieren, ist dabei die Messung des Verbrauchs der letzten sechs Tage.

Chat mit Sprache: In der Nachrichten-App gibt es jetzt ein Mikrofon-Icon. Indem man seinen Finger darauf drückt, startet man eine Audio-Aufzeichnung. Sobald man den Finger hebt, wird die Aufzeichnung beendet und an den Chart-Partner gesendet.

Besser weniger tippen: Die neue Quick-Type-Tastatur kann es leichter machen, schneller lange Texte zu schreiben. Sie gibt oft recht gute Vermutungen dazu ab, was man wohl als nächstes tippen will. Statt das Wort zu schreiben, reicht es dann aus, auf den Vorschlag zu tippen.

Bleibt alles in der Familie: Mit der sogenannten Familienfreigabe können Familienmitglieder jetzt über eine gemeinsame Zahlungsmethode im iTunes- und App Store shoppen. Anders ausgedrückt: Papa zahlt, alle anderen kaufen ein. Der große Vorteil ist, dass alle Zugriff auf alle Inhalte haben.

Schnellzugriff: Die Personen, mit denen man zuletzt per iPhone Kontakt hatte, kann man sich per Doppeltipp auf den Home-Button anzeigen lassen. Ein Tipp auf einen der dargestellten Köpfe fördert Symbole zur schnellen Kontaktaufnahme über alle verfügbaren Kanäle (Teleon, Handy, Facetime, SMS) auf den Bildschirm.

Siri wird musikalisch: Mit iOS 8 lernt die Sprachassistenzfunktion Siri auch Musikstücke zu erkennen, so wie die bekannte App Shazam. Um herauszufinden, was man gerade hört, fragt man Siri einfach "Welche Musik höre ich gerade?". Man kann das auch als Quiz auffassen.

Übersicht schaffen: In der Nachrichtenzentrale, die man öffnet, indem man von oben nach unten über den Bildschirm wischt, lassen sich Mitteilungen auf dieselbe Weise bearbeiten wie in der Mail-App, also, indem man von rechts über die Nachrichten wischt.

Mehr Bewegung: Die Health-App, die Apple mit iOS 8 liefert, ist bisher noch weitgehend nutzlos. Sie wird erst dann interessant, wenn andere Apps und Fitness-Gadgets ihre Daten einspeisen. Bisher kann sie gerade mal Schritte zählen und abschätzen, wie viele Stockwerke man gestiegen ist.

Interessant ist dabei, dass Apple nur in zwei Ländern Nutzerdaten auf einen Durchsuchungsbefehl hin herausgab. In den USA waren 155 Accounts betroffen, in Großbritannien einer. Die Zahl der Behördenanfragen mit Bezug zur nationalen Sicherheit beziffert Apple mit 0 bis 249. Genauer darf das Unternehmen dazu keine Auskunft geben.

Zum Vergleich: Seinem eigenen Transparenzbericht zufolge gab Google im ersten Halbjahr 2014 in knapp 10.000 Fällen Nutzerdaten heraus - allein in den USA. Betroffen waren davon insgesamt über 20.000 Accounts. Allerdings hat Google dank seines populären E-Mail-Dienstes Gmail vermutlich auch Zugriff auf weit mehr strafrechtlich relevante Informationen als Apple. Auch in Dutzenden anderen Ländern - darunter auch Deutschland - gab Google Informationen an Behörden weiter.



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
egal42 18.09.2014
1. ja ne is klar.
diese (nicht) tatsache höre ich nicht zum ersten mal. und daher bleibe ich dabei, ein apfel kommt mir nicht ins haus. diesem konzern traue ich kein bisschen,dieser jobs war ein tyrann. mfg
flusser 18.09.2014
2. Datenschutz
Wenn Tim Cook in den USA im Knast sitzt weil der die Daten nicht rausrückt, dann glaube ich daran, daß er es ernst meint. bis dahin ist das leeres Marketinggeschwätz!
Hornet63 18.09.2014
3. Besser nicht glauben
Die Hintertür für die NSA wird auch im iOS 8 schon irgendwo eingebaut sein. Herr Cook wird es sich wohl kaum mit der US-Regierung verscherzen.
missbrauchtewähler 18.09.2014
4. Augenwischerei
In der NSA haut man sich bei solchen Sätzen vor Lachen auf die Schenkel. Wenn eines sicher ist, dann dass alle Fingerabdrücke und Positionsdaten, etc. sauber eingesammelt und gespeichert werden.
hummelhirte 18.09.2014
5. looool
Datenschutz in Amerika? Haben die überhaupt ein Wort dafür?
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