Apple Musik-Shop Ein Satz mit X

Bis zum Herbst, kündigte Steve Jobs vor wenigen Wochen an, solle der iTunes Music Store auch in Europa verfügbar sein. Daraus wird nichts: Streitereien um Rechte und Lizenzen verzögern den Start bis 2004.


Enttäuschung für Jobs: In Europa geht alles seinen amtlichen Gang
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Enttäuschung für Jobs: In Europa geht alles seinen amtlichen Gang

"In Europa", fand Apple-Vizechef Pascal Cagni heraus, "sind die Bedingungen komplizierter als in den USA, weshalb unser System 'ein Preis für alles' nicht funktioniert. Die Major Labels haben hier selbst noch keinen Überblick über die bestehenden Vereinbarungen."

Wie immer, wenn es um Online-Musikvertrieb geht, ist hier die Rede von Rechten und Lizenzen, und Apples Europa-Beauftragter bringt die Sache durchaus auf den Punkt: Man könnte auch sagen, dass sich die Industrie weiterhin selbst auf den Füßen steht.

Seit Apple mit dem iTunes Music Store zumindest in den USA zeigt, wie problemlos der Online-Vertrieb von Musik sein kann, schaut die Branche hoffnungsvoll auf das Modell. Das aber ändert nichts an der Tatsache, dass es noch massenweise Streitpunkte zwischen den Major Labels, den Künstlern und Musikverlagen gibt. Die verhindern in Deutschland schon seit fast zwei Jahren den zügigen Start des Industrie-Portals Phonoline - warum sollte es Apple da besser gehen?

Wer kriegt wieviel vom kleinen Kuchen?

Der Rechnerhersteller war im Mai mit großem Hallo in den Musikmarkt eingestiegen. In den ersten Wochen saugten die Apple-User auf Deibel komm raus gegen Zahlung Songs - das ist genau das, was sich die Branche seit Jahren wünscht. Zwar nahm der anfängliche Erfolg von rund einer Million Downloads pro Woche merklich ab und liegt nun bei etwa 650.000 Downloads pro Woche. Doch selbst das ist schon ein beachtlicher Erfolg, den die Industrie eigentlich gern auch in Europa sehen würde.

Zuvor jedoch sind diverse Verteilungs-Kämpfe zu führen. Urheber-, Verwertungs- und Vertriebsrechte sind abzuklären, Anteile aufzuteilen und natürlich möchte auch Apple noch einen Schnitt machen. All das dürfte bei einem Songpreis von

Shops im Vergleich: iTunes ist freier
DER SPIEGEL

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99 Cent weder leicht noch üppig werden. Wenn dann noch - wie in Deutschland - Verwertungsgesellschaften wie die Gema zusätzlich die Hand aufhalten wollen, steht zu befürchten, dass Shopbetreiber bei der Auslieferung ihrer Ware draufzahlen müssten. Doch Preise über 99 Cent pro Song dürften am Markt nicht durchzusetzen sein.

Die schwerwiegendsten Probleme ergeben sich jedoch aus den weitreichenden Nutzungs- und Brennrechten, die iTunes seinen Usern zugesteht. Die gelten zwar als Rezept des Erfolges, zugleich jedoch stellen sie ein Angstszenario dar: Konsensfähig sind in der Musikbranche bisher nur Modelle von Onlineshops, die den Downloads begrenzte Nutzungszeiten und - wenn überhaupt - minimale Brennrechte zugestehen. Sowas aber kauft kaum ein Mensch, wie auch die Betreiber von Musik-Portalen wie PressPlay oder der Musikvertrieb MusicNet in den letzten zwei Jahren feststellen mussten.

Klar ist nun zumindest, dass vorerst wie üblich nichts passiert. Apple rechnet nicht mehr damit, den Music Store vor 2004 in Europa eröffnen zu können.

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