Apple-Nutzer: US-Forscher wirft Google Datenschutz-Trick vor

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Google soll den Cookie-Schutz von Safari-Browsern ausgehebelt haben, um Nutzern bestimmte Werbeformate zu präsentieren, behauptet ein US-Informatiker. Das Unternehmen erklärt sich für unschuldig - und schaltete die umstrittene Funktion vorerst ab.

Google+ auf dem iPhone: Der Konzern soll den Apple-Browser ausgetrickst haben Zur Großansicht
dapd

Google+ auf dem iPhone: Der Konzern soll den Apple-Browser ausgetrickst haben

Google und andere Werbefirmen sollen die Datenschutzeinstellungen von Millionen Safari-Nutzern auf iPhone und OS X umgangen haben, berichtet das "Wall Street Journal". Die Zeitung beruft sich auf eine Untersuchung des Informatikers Jonathan Mayer, man habe dessen Erkenntnisse nachvollziehen können.

Mayer hat seine detaillierten Bericht noch nicht veröffentlicht, das "WSJ" präsentiert nur eine knappen Überblick der beobachteten Tracking-Technik. Google soll so vorgegangen sein:

  • Google brachte einen Tracking-Code in Werbeanzeigen unter, die einen "+1"-Button für Googles soziales Netzwerk Google+ anzeigten.
  • Diese Anzeigen wiederum wurden auf den von Nutzern aufgerufenen Websites in einem sogenannten iFrame angezeigt, in das Google nur für Safari-Surfer ein leeres Formularfeld einbettete, das der Google Code "abschickte".
  • Aus Sicht des Safari-Browsers sähe das Ganze so aus, als ob der Surfer gerade ein Formular ausgefüllt und abgeschickt habe. Deshalb werde dem iFrame erlaubt, ein Cookie beim Nutzer abzuspeichern.

Laut "WSJ" hat Google diese Tracking-Technik nach einer Anfrage der Zeitung deaktiviert. Google widerspricht aber dem Vorwurf, man habe Nutzer ausgespäht. Firmensprecherin Rachel Whetstone sagt: "Das 'Wall Street Journal' verzerrt den Sachverhalt und die Gründe. Wir haben eine bekannte Funktionsweise von Safari eingesetzt, um angemeldeten Google-Nutzern Features bereit zu stellen, die von ihnen zuvor aktiviert wurden." Whetstone betont: "Die angesprochenen Werbe-Cookies erfassen keine persönlichen Informationen."

Googles Vorgehen ist nicht ganz einfach zu bewerten. Apples Safari-Browser hat eine besondere Voreinstellung: Er akzeptiert Cookies nur von den gerade aufgerufenen Websites. Wenn diese Websites Anzeigen einbinden - beispielsweise von Google - können diese Netzwerke keine Cookies auf den Geräten der Besucher setzten. Das dient zunächst einmal dem Datenschutz der Nutzer.

Warum blockiert Apple standardmäßig Dritt-Cookies?

Wenn die Darstellung Jonathan Mayer und des "WSJ" stimmt, hat Googles Tracking-Technik diese Voreinstellung umgangen, ohne Nutzer darüber zu informieren.

"Wired"-Gründer John Battelle weist in einem Kommentar allerdings darauf hin, dass man auch Apples Vorgehen bei diesem Vorgang bewerten müsse. Battelle warnt davor, Apple Cookie-Voreinstellungen als reine Datenschutz-Freundlichkeit zu sehen: "Vielleicht sieht Apple jeden iOS-Nutzer als einen Apple-Kunden, selbst wenn er das Web nutzt?" Battelle vermutet kommerzielle Motive hinter der Standard-Cookie-Sperre bei Apple. Vielleicht versuche das Unternehmen so, Konkurrenten daran zu hindern, iOS-Nutzer mit ausgefeilter Werbetechnik anzusprechen.

Google: "Informationsaustausch in anonymer Form"

Sein Vorgehen erklärt Google so: Der Apple-Browser Safari ermögliche es Nutzern, Internet-Features zu nutzen, die von Drittanbietern bereitgestellt werden und auf Cookies von Drittanbietern angewiesen sind, beispielsweise "Like" Buttons. Google habe im vergangenen Jahr damit begonnen, die nun kritisierte Funktion einzusetzen.

Ziel sei es gewesen, eine Methode zu finden, mit der "angemeldeten Google-Nutzern bei Safari personalisierte Anzeigen und andere Inhalte angezeigt werden können - wie beispielsweise die Möglichkeit, '+1' für Dinge zu geben, die sie interessieren". Um das zu ermöglichen, habe man eine temporäre Verbindung zwischen Safari-Browsern und Google-Servern hergestellt, um feststellen zu können, ob ein Safari-Nutzer bei Google eingeloggt ist und diese Art der Personalisierung zugelassen hat.

Der Informationsaustausch zwischen Safari-Browsern und Google-Servern sei in "anonymer Form" erfolgte, sagt Google-Sprecherin Whetstone. Der Safari-Browser beinhaltete jedoch eine Funktion, die daraufhin auch das Setzen anderer Google Werbe-Cookies im Browser zugelassen habe. Whetstone erklärt so die Abschaltung: "Damit haben wir nicht gerechnet, und wir haben jetzt damit begonnen, diese Werbe-Cookies aus Safari-Browsern zu entfernen." Die Cookies enthalten Google zufolge "keinerlei persönliche Informationen".

Bürgerrechtsorganisation EFF kritisiert Google

Doch selbst wenn Apple aus kommerziellen Erwägungen die Cookie-Sperre standardmäßig aktiviert haben sollte, wie "Wired"-Gründer Battelle vermutete: Googles Vorgehen wirkt dennoch ungewöhnlich. Die Bürgerrechtsorganisation EFF kritisiert Google dafür, Datenschutz-Technik absichtlich zu umgehen. Die EFF verweist darauf, dass Google vor einiger Zeit ausdrücklich auf die Safari-Voreinstellungen im Zusammenhang mit den eigenen Datenschutz-Angeboten hinwies. In einem Google-Hilfetext hieß es:

"Zurzeit ist noch keine Safari-Version des Google Plug-ins zum Deaktivieren des Cookies für Anzeigenvorgaben verfügbar, aber Safari ist standardmäßig so eingestellt, dass alle Drittanbieter-Cookies gesperrt werden."

Auf der aktuellen Google-Informationsseite zum Werbe-Cookie fehlt dieser Abschnitt, er ist nur noch auf einer archivierten Version der Web-Seite nachzulesen.

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1. IT Industrie muss Vertrauen aufbauen
s.maier75 17.02.2012
Wenn sie nicht aufpassen, verspielen die ganzen IT Firmen das gesamte Vertrauen in der Menschen. Hier auch ein interessanter Artikel zum Thema: The European - Das Debatten-Magazin (http://theeuropean.de/politikdialog/9584-topthema-sicherheit-2)
2.
noneedforaname 17.02.2012
Zitat von s.maier75Wenn sie nicht aufpassen, verspielen die ganzen IT Firmen das gesamte Vertrauen in der Menschen. Hier auch ein interessanter Artikel zum Thema: The European - Das Debatten-Magazin (http://theeuropean.de/politikdialog/9584-topthema-sicherheit-2)
Vollkommen richtig. Auch wenn ich verstehe das Webseiten auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, so surfe ich schon lange nicht mehr ohne AdBlock und Ghostery. Das tut mir auch wahnsinnig leid, aber das ist Konsequenz wenn sich Webseitenbetreiber mit Firmen einlassen die ihre Kunden ausspähen und die Einstellungen von Browsern austricksen. Wenn das Resultat dann das Ende der Umsonst-Informationen ist, dann ist mir das auch Recht. So ist halt die Marktwirtschaft, da soll mal keiner heulen!
3. Es geht nicht um "umsonst" ...
MKasp 17.02.2012
Zitat von noneedforanameVollkommen richtig. Auch wenn ich verstehe das Webseiten auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, so surfe ich schon lange nicht mehr ohne AdBlock und Ghostery. Das tut mir auch wahnsinnig leid, aber das ist Konsequenz wenn sich Webseitenbetreiber mit Firmen einlassen die ihre Kunden ausspähen und die Einstellungen von Browsern austricksen. Wenn das Resultat dann das Ende der Umsonst-Informationen ist, dann ist mir das auch Recht. So ist halt die Marktwirtschaft, da soll mal keiner heulen!
... es geht um Ausforschung der Internetnutzer. Im Übrigen hat das Internet ohne Werbung wunderbar, nein, BESSER funktioniert: Schneller, sicherer, gehaltvoller. Die zahlreichen Google-Lobbyisten, das Millionen-Dollar-Marketing Googles hat mal wieder alle Hände zu tun, nun, um Formulierungen zu lancieren, die es Google-Fanbois und der gedankenlosen Masse den geilen Nur-Konsum wieder gedankenlos zu ermöglichen.
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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