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Widerstand gegen Bezahl-App: US-Drogerieketten boykottieren offenbar Apple Pay

Apple-Pay-Transaktion (im Disney Store am Times Square): Widerstand vom Einzelhandel Zur Großansicht
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Apple-Pay-Transaktion (im Disney Store am Times Square): Widerstand vom Einzelhandel

In den USA formiert sich Widerstand gegen Apple Pay. Große US-Handelsketten haben die Unterstützung für den Bezahldienst des iPhone-Konzerns eingestellt. Dahinter steckt eine eigene App einer gewaltigen Einzelhändler-Allianz.

Große amerikanische Einzelhändler sind offenbar nicht allzu glücklich über Apples Vorstoß in Sachen mobiles Bezahlen. Einige haben die Unterstützung für Apple Pay übers Wochenende eingestellt. Konkret haben die Drogerieketten Rite Aid und CVS offenbar entschieden, Apple Pay nicht mehr zu unterstützen. Das zeigen in diversen US-Blogs veröffentlichte interne Schreiben sowie Beobachtungen von Kunden vor Ort.

Hintergrund der Entscheidung: Die Einzelhändler versuchen gemeinsam, ein eigenes System namens CurrentC zu etablieren, eine eigene Bezahl-App, die allerdings auf einer anderen, technisch simpleren Technik basiert als Apple Pay. Hinter CurrentC steht der Merchant Customer Exchange, ein Händler-Zusammenschluss. Ausgangspunkt der Entwicklung waren Bestrebungen, Mastercard und Visa mit einem eigenen Bezahlsystem das Geschäft zu verderben und so die Händlergebühren zu sparen, die bei jeder Kreditkartentransaktion fällig werden.

Zu den Ketten hinter dem alternativen Bezahlsystem gehören etwa Walmart, Best Buy, CVS, Sears und Shell-Tankstellen. Dem "Wall Street Journal" zufolge hatten Walmart und Best Buy schon im September erklärt, sie würden Apple Pay in ihren Ladengeschäften nicht akzeptieren.

"Das CurrentC Netzwerk wurde von führenden Händlern entwickelt, die damit das Einkaufserlebnis der Kunden einfacher, besser und sicherer machen wollen", heißt es in einer Pressemitteilung vom 3. September 2014. Schon kommendes Jahr soll es offiziell eingeführt werden. "Letztlich werden mehr als 110.000 Händler in den USA CurrentC anbieten [...] Dazu gehören auch innovative Funktionen und Vorteile wie Treueprogramme und Coupon-Systeme der Händler, die alle auf dem Handy gespeichert werden und so in den Ladengeschäften verfügbar sind."

Technisch soll das System "TechCrunch" zufolge anders funktionieren als Apples Bezahldienst, der auf Near Field Communication (NFC) basiert. Statt eines NFC-Chips, der berührungslos Transaktionen abwickeln könnte, setzt CurrentC dem Bericht zufolge auf das Scannen von QR-Codes mit der Handykamera. Anschließend scannt das Kassenpersonal einen weiteren, auf dem Handybildschirm angezeigten QR-Code. Das ist zwar umständlicher als die NFC-Bezahlung, hat aber den Vorteil, dass es auch mit älteren Mobiltelefonen ohne entsprechende Chips funktionieren würde.

Am Ende bezahlt wird dem Bericht zufolge per Bankeinzug, so dass die kostspieligen Kreditkartentransaktionen für die Händler entfallen würden. Allerdings sollen sich die Kreditkarten von Händler-Treueprogrammen als Zahlungsmittel einrichten lassen, ebenso wie Gutscheinkarten.

Kreditkartenfirmen nehmen typischerweise zwei oder drei Prozent Gebühren pro Transaktion. Apple behält angeblich 15 Dollar-Cent pro 100 Dollar eines Einkaufs für sich, was für die Händler weit günstiger wäre. Unklar ist, wie Apple Pay mit den hochinteressanten Einkaufsdaten umgeht. Zwar versichert Apple den Kunden, "keine Details der Transaktion so zu speichern, dass sie zu Ihnen zurückverfolgt werden können". Aber das lässt immer noch eine statistische, anonymisierte Auswertung des Einkaufsverhaltens offen.

Derartiges Wissen hätte einen hohen Wert für die Handelsketten. Sie könnten damit Verkaufsstätten optimieren, Bedarf vorhersagen, Absatz genauer kontrollieren und Kundenprofile erstellen (auch zusammen mit den Daten aus Treueprogrammen). Das ist ein Wissen, das man nicht gerne einer anderen Firma überlässt.

So kommt der Widerstand gegen Apple Pay nicht überraschend. Ob sich neben den Drogerieketten jedoch weitere Einzelhändler dem Boykott von Apple Pay anschließen werden, ist derzeit unklar.

fko

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Daten sammeln ist de Schlüssel
jpgermany 27.10.2014
Der Grund weshalb diese Retailer Applepay ablehnen ist nicht sosehr die Umgehung der Kreditkartengebühren beimihrem eigenen System, sondern die Anonymität der Applepay Zahlung. Diese Reatailer sammeln mit ihrem eigenen System spezifisch alle Kundendaten bzw. deren Einkaufsverhalten. Das geht mit Applepay nicht. Jeder soll selbst bewerten, was nun besser ist.
2. Verwirrend geschrieben
Universaldilletant 27.10.2014
So versteht das doch keiner. Also, Kunden konnten bereits mit Apple Pay (und Android) per NFC zahlen. Die genannten Händler haben das übers Wochenende abgedreht, weil sie irgendwann 2015 ihr eigenes Verfahren einsetzen wollen, mit dem sie im Gegensatz zu Apple und Google den Kunden "beobachten" können. 15 Dollar Cent sind 0,15%, also verhältnismässig spotbillig. - Aus Kunden(Datenschutz-)sicht und in der Bedienung sind hier also Apple und Google die "Guten". Mal schauen wie es ausgeht, also wie die Kunden reagieren.
3. Würde
Flying Rain 27.10.2014
Ich würde im Falle dann doch lieber mit ApplePay zahlen, ...mal ganz ehrlich, wie Apple selber sagt....sie verdienen ihr Geld mit Hardware und nicht zB Google mit Kunden- /Nutzerdaten........diese Händler wollen doch nur selber soviele Daten wie möglich über ihre Nutzer haben...
4.
peterbruells 27.10.2014
Zitat von UniversaldilletantSo versteht das doch keiner. Also, Kunden konnten bereits mit Apple Pay (und Android) per NFC zahlen. Die genannten Händler haben das übers Wochenende abgedreht, weil sie irgendwann 2015 ihr eigenes Verfahren einsetzen wollen, mit dem sie im Gegensatz zu Apple und Google den Kunden "beobachten" können. 15 Dollar Cent sind 0,15%, also verhältnismässig spotbillig. - Aus Kunden(Datenschutz-)sicht und in der Bedienung sind hier also Apple und Google die "Guten". Mal schauen wie es ausgeht, also wie die Kunden reagieren.
Nicht ganz. Die 0,15% werden von den KK Unternehmen bezahlt, die den Einzelhändlern weiterhin den normalen Satz in Rechnung stellen. Google ist weitaus freigiebiger, was das Weiterleiten von Einkaufsdaten an den jeweiligen Händler geht (Manus manum lavat) und hier nur Kollateralschaden, weil lieber alles abgeschaltet wurde als Apple Pay zu tolerieren.
5. Mündige Nutzer...
dpm-munich 27.10.2014
Man kann nur hoffen, dass sich das besser zu bedienende System durchsetzen wird. Wenn man sich anschaut, wie CurrentC funktioniert bzw. genauer gesagt nicht oder nur sehr kompliziert funktioniert, ist es nicht schwer zu beurteilen, welches System das ist...
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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