Ankündigung Apple will verraten, was es über künstliche Intelligenz weiß 

Woran Apple forscht und an welchen Produkten gearbeitet wird, hält der Tech-Konzern normalerweise geheim. Bei der Forschung zu künstlicher Intelligenz will Apple es aber offenbar anders machen.

Apple-Geschäft in New York
AFP

Apple-Geschäft in New York


Apple will seine Forschungsergebnisse zum Thema künstliche Intelligenz (KI) künftig veröffentlichen. Das hat Apples KI-Chef Russ Salakhutdinov auf einer Konferenz in Barcelona angekündigt, berichten mehrere Teilnehmer auf Twitter.

Apple gilt traditionell als verschwiegenes Unternehmen, das bis zur Markteinführung kaum etwas über seine neuen Produkte verrät und die Öffentlichkeit auch nicht daran teilhaben lässt, woran seine Forscher arbeiten. "Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben die Mitarbeiter von Apple nicht viel erzählt über die weitreichende Forschung, die innerhalb der Firma passiert", bemerkt die US-"Wired".

Mit dieser Tradition will Salakhutdinov, der auch als Professor an der Carnegie-Mellon-Universität tätig ist, offenbar brechen und auf einen stärkeren Austausch mit anderen Wissenschaftlern setzen. Die könnten sich bald ein besseres Bild über Apples Erkenntnisse machen. Dass Apple Firmengeheimnisse preisgibt oder einen Wettbewerbsvorteil zugunsten von mehr Transparenz gefährdet, darf man trotz der Ankündigung für höchst unwahrscheinlich halten.

Apples Konkurrenz arbeitet schon zusammen - und veröffentlicht

Uneigennützig ist Salakhutdinovs Ankündigung ohnehin nicht. Apple wird es künftig kaum gelingen, die klügsten Köpfe der KI-Forschung anzuheuern, wenn ihre Erkenntnisse hinter den Firmenmauern zu verschwinden drohen. Google und Facebook erlauben es ihren Mitarbeitern beispielsweise, in wissenschaftlichen Zeitschriften und auf Blogs zu publizieren. Seine Forschung öffentlich zu machen, sei "nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Anforderung", betonte Facebooks KI-Chef Yann LeCun unlängst.

Das Thema KI beschäftigt auch weitere von Apples Konkurrenten: Amazon setzt auf die digitale Assistentin Alexa, die mit Nutzern spricht. Die Google-Tochter DeepMind fiel dieses Jahr durch einen digitalen Go-Spieler auf, der als erste Maschine einen Menschen in dem asiatischen Brettspiel schlagen konnte.

Die Tech-Branche arbeitet an Forschungsstandards

Erst im September hatten Google, Facebook, Amazon, IBM und Microsoft sich zudem in einer Allianz für KI zusammengeschlossen. Die Partnerschaft solle ein breiteres öffentliches Verständnis für die KI-Technologie vorantreiben und Standards für die künftige Forschung setzen, hieß es damals. Man wolle "Forschung betreiben, Erfolgsmodelle empfehlen und Forschungsberichte unter offenen Lizenzen veröffentlichen".

Apple ist bislang nicht Teil dieser KI-Partnerschaft der großen Tech-Unternehmen, obwohl die Firma wohl angefragt wurde. Doch offenbar glaubt man auch bei Apple: Zusammenarbeit und Transparenz lohnt sich, zumindest in Sachen KI.

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mic123 07.12.2016
1. Risikominimierung
Anstatt das Thema rein wirtschaftlich zu betrachten ist man sich vielleicht der Herausforderung oder besser noch des Risiko von KI-Entwicklung bewusst. Nicht von ungefähr gibt es so viele Initiativen und Zusammenschlüsse von eigentlichen Mitbewerbern.
masterrobin93 07.12.2016
2. Bin gespannt
Der Digitalisierung geschuldet, ersetzen in naher Zukunft immer mehr Roboter und Maschinen den Menschen. Arbeitsmärkte könnten dadurch Mitarbeiter verlieren. Dann spielt die KI eine große Rolle in unserer Gesellschaft.
sikasuu 07.12.2016
3. KI ist mehr als Funktion und Reaktion auf Ereignisse!
Zitat von mic123Anstatt das Thema rein wirtschaftlich zu betrachten ist man sich vielleicht der Herausforderung oder besser noch des Risiko von KI-Entwicklung bewusst. Nicht von ungefähr gibt es so viele Initiativen und Zusammenschlüsse von eigentlichen Mitbewerbern.
Wenn diese Entwicklung in Bereiche kommt, in der sie außerhalb von "gekapselten" Umgebungen (Steuerung usw.) im freien Umfeld ohne menschliche Kontrolle agieren muss, entsteht ein "Rattenschwanz" von ethischen, rechtlichen usw. Fragen. . Selbst wenn es mal (in weiter Zukunft) gelingen wird, IT, KI & Sensorik so weit zu bringen, das akzeptable "richtige" Entscheidungen möglich sind, wird die Frage offen bleiben, wer im Fehlerfall "schuldig" ist. . "Ob das je geklärt werden kann?" UND "Wollen wir überhaupt, das IT&KI unkontrolliert Entscheidungen treffen, die UNS tangieren? . Technisch wird KI vielleicht auf dem Niveau eines 3-6 jährigen möglich werden, ob das gesellschaftlich einzubinden ist???
h.weidmann 07.12.2016
4.
Zitat von masterrobin93Der Digitalisierung geschuldet, ersetzen in naher Zukunft immer mehr Roboter und Maschinen den Menschen. Arbeitsmärkte könnten dadurch Mitarbeiter verlieren. Dann spielt die KI eine große Rolle in unserer Gesellschaft.
Ja, Dieter Nuhr hat es neulich (sinngemäß) so formuliert: "In Zukunft werden nur noch Roboter arbeiten, die morgens mit einem selbstfahrenden Auto zur Arbeit fahren."
mic123 07.12.2016
5. Ende offen
Wenn man sich anschaut, was für Budgets bereit stehen (grob überschlagen insgesamt min. 10 Mrd EUR, vermutlich eher ein vielfaches davon) und wie in die Hardware investiert wird (Intel mit eigenen Chips für KI, Japan baut einen 130 Petaflop-Rechner für KI-Forschung, um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen) würde ich davon ausgehen, dass ein Durchbruch von autonomen Systemen nicht mehr in 'weiter Zukunft' liegt. Erste, vergleichsweise 'einfache' Systeme sind bereits im Live-Betrieb. . Erstaunlich dabei ist, dass in der Entwicklung heute schon nicht mehr alles verstanden wird, wie eine KI zu einem Ergebnis kommt. Google vermutet zum Beispiel, dass ihre Übersetzungs-KI eine eigene Sprache entwickelt. Anderst sei nicht zu erklären, dass nach dem Anlernen von Sprache A zu B und C zu D, die KI plötzlich B zu D übersetzen kann, wohlgemerkt ohne dass es ihr beigebracht wurde. AlphaGO ist ein weiteres Beispiel, da war die GO-Fachwelt überrascht, welche Lösungswege die KI eingeschlagen hat. Das ist Code, in den man nicht mehr so einfach reinschauen kann. . Wir sind also heute schon so weit, dass die Entwicklung nur noch eingeschränkt kontrollierbar ist. Und die Frage, ob wir das verwenden möchten stellt sich eigentlich nicht, da 1. 'wir' nicht gefragt werden und 2. der wirtschaftliche Nutzen derartig groß wäre, dass innerhalb kurzer Zeit die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen würden. Ethik ist dabei nachrangig relevant (bzw. wird sich anpassen), eher die Frage, was die Leute dann arbeiten sollen, wenn vom LawBot über DriveBot, Prod/IngBot bis zum Med/CareBot annähernd alles automatisiert möglich ist. . Zur Frage, wo die Reise hingehen kann gibt es viele gute Artikel, aus denen eine kontroverse Diskussion deutlich wird. Unter Fachleuten wohlgemerkt, die also den aktuellen Stand der Technik (Soft- und Hardware) kennen. Dabei geht es nicht darum ob eine Superintelligenz, also die Singularität möglich ist, sondern wann (20-100 Jahre). Dass eine KI die Intelligenz eines 3-6 jährigen erreichen kann ist eine These, über die nicht diskutiert wird, darüber ist man schon weit hinaus. . Wirklich spannend wird es, wenn KI's anfangen, ihren eigenen Code zu schreiben, also eine SeedingKI möglich wird. Evolution im Zeitraffer, eingedenk der immensen Rechengeschwindigkeiten. Das wird wohl tatsächlich noch etwas dauern. Aber wer weiß, vielleicht hat ein pickeliger 15 jähriger Supernerd im australischen Outback oder sonstwo ja einen genialen Einfall. Die Tools dazu stehen auf jeden Fall bereits heute gemeinfrei zur Verfügung - und werden laufend mehr.
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