Die Veranstaltung begann mit Selbstironie - bislang nicht unbedingt eine Eigenschaft, die man mit dem Unternehmen Apple als Erstes assoziieren würde. Doch bei der Pressekonferenz zu den Empfangsschwierigkeiten des iPhone 4 wurde zur Eröffnung der "iPhone Antenna Song" gespielt, ein Lied über die Antennen-Probleme des neuesten Apple-Handys. Der Refrain: "If you don't like the iPhone 4, don't buy it".
Man sei "nicht perfekt" bekannte Apple-Chef Steve Jobs anschließend, und Telefone seien das auch nicht. Das neue Handy sei "vielleicht unser bestes Produkt", so Jobs, und selbst der Consumer Report habe es "das Smartphone Nummer eins" genannt. Man habe nun 22 Tage kontinuierlich gearbeitet, um das in den USA als "Antenna Gate" bezeichnete Problem mit der iPhone-Antenne zu lösen. Begleitet wurde dies auf einer Hintergrundprojektion mit den Worten "22 days - working our butts off".
Hintergrund des Ärgers: Einige iPhone-4-Nutzer beklagen, dass ihr neues Apple-Telefon gleich mehrere Empfangsbalken verliert, wenn sie die untere linke Ecke mit ihrer Hand verdecken. In den USA gibt es deswegen bereits erste Sammelklagen: Dem Unternehmen wird vorgeworfen, vor dem Verkaufsstart von diesen Schwierigkeiten gewusst zu haben.
Das Problem, sagte Jobs, betreffe nicht nur das iPhone 4. Dann zeigte er eine Reihe von anderen Smartphones in Videoeinspielungen, als erstes ein Blackberry-Gerät, danach Handys von Samsung und HTC. Jedes Mal zeigte sich, dass der Empfang nachließ, wenn das Telefon auf eine bestimmte Weise gehalten wurde. "Cnet"-Liveblogger Tom Krazit kommentierte: "Keine Überraschung - sie versuchen, die Debatte vom iPhone weg auf Antennen im Allgemeinen zu verschieben."
"18 promovierte Wissenschaftler"
Jedes Telefon, so Jobs nach der Demonstration, habe "Schwachpunkte". Man habe gewusst, dass die Empfangsbalken bei einer bestimmten Haltung zurückgehen würden, habe es aber "nicht als großes Problem" betrachtet. Das Problem betreffe "die ganze Branche". Jobs prahlte mit der eigenen "100 Millionen Dollar teuren" Testanlage, in der "18 promovierte Wissenschaftler und Ingenieure" arbeiteten, um derartige Probleme zu prüfen.
Nur 0,55 Prozent aller iPhone-4-Besitzer hätten die Hotline angerufen, um sich über Empfangsprobleme zu beschweren. Das Problem werde also in der Berichterstattung überschätzt. Was die Rückgabe-Quote angehe: Das Vorgängermodell iPhone 3GS sei in sechs Prozent der Fälle zurückgegeben worden, das iPhone 4 nur von 1,7 Prozent der Käufer. Im Vergleich zum iPhone 3GS brächen bei iPhone-4-Nutzern nur in "weniger als einem zusätzlichen Fall je 100 Anrufe" die Gespräche ab, Daten des Providers AT&T zufolge. Das neue Gerät führt also tatsächlich zu mehr Gesprächsabbrüchen als das Vorgängermodell. Jobs führte diese Zunahme aber auf einen anderen Faktor zurück: Das Vorgängermodell hätten mehr Käufer sofort in eine Hülle gepackt als das neue.
Aber trotz allem, gab Jobs dann zu, "wissen wir, dass es ein Problem gibt, es betrifft einen geringen Prozentsatz der Nutzer". Das Update fürs Betriebssystem, iOS 4.0.1, löse das Problem "dass die Balken falsch angezeigt werden". Außerdem werde jeder iPhone-4-Besitzer eine neue Hülle bekommen. Wer bereits eine Hülle von Apple gekauft habe, werde sein Geld zurückbekommen. Die Hüllen sollen die Kunden selbst auswählen können, sie würden dann zu ihnen nach Hause geschickt. Alternativ könne man sein iPhone binnen 30 Tagen zurückschicken und sein Geld zurückbekommen.
Einen Rückruf hatte kaum jemand wirklich erwartet
Dass Apple alle iPhone-4-Geräte zurückrufen würde, war schon im Vorfeld der Pressekonferenz als unwahrscheinlich bewertet worden - ein Analyst von Bernstein Research schätzte vor wenigen Tagen, eine derartige Rückrufaktion würde Apple 1,5 Milliarden Dollar kosten.
Dass das Gezerre mit der Pannen-Antenne Apple geschadet hat, ist eindeutig: Die Aktien des Unternehmens haben im vergangenen Monat substantiell an Wert verloren. Der Kurs fiel von 279 Dollar am Vormittag des 21. Juni auf gut 251 Dollar am vergangenen Donnerstagabend.
Laut der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein hochrangiger Ingenieur das Management im vergangenen Jahr gewarnt, dass eine außenliegende Antenne die Empfangsleistung schwächen könnte. Bloomberg nannte den Ingenieur namentlich - allerdings nicht die Quelle, aus der diese Information stammte. Auch einer von Apples Partnern unter den Mobilfunk-Betreibern hat demnach seine Sorgen geäußert.
Ein Apple-Sprecher kommentiert diese Meldung im "Wall Street Journal" außergewöhnlich scharf: "Wir fordern Bloomberg auf, für die Behauptung substantiellere Belege als Gerüchte vorzubringen. Das ist schlicht nicht wahr." Ein Sprecher Bloombergs reagierte darauf mit der Feststellung, man rücke von der Meldung nicht ab. Bei der Pressekonferenz am Freitagabend nannte Jobs den Bloomberg-Bericht erneut "einen Haufen Mist". Eine Frage nach wütenden Investoren beantwortete er mit den Worten, man wolle Investoren, die dem Unternehmen vertrauten, und sich nicht von einer "Fünf-Minuten-Nachrichtengeschichte" beeinflussen ließen.
US-Warentester weisen Empfangsprobleme nach
Apple hatte die Schwankungen bislang so erklärt: Die Signalstärke sei in Ordnung, aber die Anzeige falsch. Durch einen Fehler bei der Berechnung der Anzeige werde das Signal zum Teil deutlich stärker dargestellt als es tatsächlich sei - eine Erkenntnis, die zugleich "simpel und überraschend" sei.
Tester des US-Magazins "Consumer Reports" (es gehört der gemeinnützigen Verbraucherschutz-Organisation Consumers Union) zweifelten diese Erklärung an. Die Ingenieure haben das Funkverhalten von drei in unterschiedlichen Geschäften gekauften iPhone-4-Geräten getestet - in einem isolierten Raum mit eigenem Sender.
Ergebnis: "Wir haben einige andere AT&T-Telefone getestet, darunter das iPhone 3GS und den Palm Pre. Keines dieser Geräte hatte die Signalverlust-Probleme des iPhone 4." Den Ingenieuren zufolge kann ein ohnehin schwaches Funksignal beim iPhone 4 komplett abreißen, wenn man mit der Hand eine bestimmte Stelle des Gehäuses berührt.
Das Fazit der Tester: "Wegen dieses Problems können wir das iPhone 4 nicht empfehlen." Und: "Unsere Versuchsergebnisse lassen die Behauptung Apples fraglich erscheinen, dass die Probleme der iPhone-4-Geräte bei der Signalstärke einer Art optischen Täuschung zuzuschreiben sind."
cis
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