Archiv-Test: Twitter lässt Nutzer ihre Tweets nachlesen

Noch ist es nur ein Test: Twitter lässt einige Nutzer ihre gesammelten Tweets herunterladen. Bisher hält das Unternehmen den Großteil der kurzen Nachrichten für zahlende Kunden unter Verschluss - mit einer Ausnahme.

Twitter-Website: 50 Millionen Tweets landen in der Datenbank - pro Tag Zur Großansicht
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Twitter-Website: 50 Millionen Tweets landen in der Datenbank - pro Tag

Bereitet Twitter da etwa ein Weihnachtsgeschenk vor? Der Kurznachrichtendienst lässt derzeit einige Nutzer ihre gesammelten Tweets herunterladen. Ein solches Archiv, berichtet "The Next Web", enthält sämtliche Tweets eines Nutzers, nach Datum sortiert. Lange verschwanden die Nachrichten, die Twitter-User seit 2006 auf der Plattform veröffentlichen, nach einigen Tagen in den Datenbanken des Unternehmens. Mit etwas Aufwand lässt sich mittlerweile immerhin in den Tweets zurückblättern. Twitter-Chef Dick Costolo hatte in den vergangenen Monaten eine weitaus praktischere Funktion zum Herunterladen aller Nachrichten angekündigt, bis Ende des Jahres.

Für die Nutzer kann so ein Archiv überaus nützlich sein: Im Januar hatte ein Staatsanwalt das Unternehmen aufgefordert, die Tweets eines Demonstranten herauszugeben. Gegen den Betroffenen war im Zusammenhang mit den Occupy-Wallstreet-Protesten ermittelt worden. Der 23-Jährige soll zur Besetzung der New Yorker Brooklyn Bridge im Oktober 2011 aufgerufen haben.

Auf die fraglichen Tweets hatte der Betroffene zu dem Zeitpunkt der Ermittlungen keinen Zugriff mehr. Zwar informierte Twitter den Nutzer und zog vor Gericht, um die Herausgabe der Nachrichten abzuwenden. Letztlich verdonnerte ein Richter das Unternehmen aber dazu, die Tweets auszuhändigen. Der Betroffene wurde Anfang Dezember zu sechs Tagen gemeinnütziger Arbeit verurteilt - die Tweets hatten ihn verraten.

So ganz verschwinden die rund 50 Millionen Tweets pro Tag auch derzeit nicht in den Tiefen der Twitter-Datenbanken. Zahlende Kunden können Zugriff auf den Datenschatz erwerben. Davon hatte auch Google Gebrauch gemacht und vor zwei Jahren aktuelle Tweets in "Echtzeit" in seine Suchergebnisse integriert. Während zum Beispiel Microsoft und Yahoo Twitter-Daten beziehen, kappte Google diese Verbindung vergangenes Jahr wieder.

Außerdem reicht Twitter die Tweets seiner Nutzer an die Library of Congress weiter. Die US-Bibliothek will mit dem Geschenk ein Twitter-Archiv aufbauen und dieses Forschern zugänglich machen. Normale Twitter-Nutzer haben bisher weniger Glück und müssen auf Drittanwendungen zurückgreifen, um ihre Tweets zu archivieren. Weil Twitter aber seine Software-Schnittstelle, die sogenannte API, umgestellt hat, gelingt auch das nicht mehr richtig zuverlässig.

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1. Selten sowas sinnloses wie Twitter gesehen,
spiegelwelt 17.12.2012
Selten sowas sinnloses wie Twitter gesehen, um das soviel Hype gemacht wird. Naja, SecondLife war auch so ein Fall. Aber schön, dass Twitter es versteht, es den Nutzer als Geschenk zu suggerieren, dass sie nun auf ihre eigenen Nachrichten zugreifen können. Wie großzügig.
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