Aschewolke Wie das Netz Gestrandeten hilft

Mitfahrgelegenheiten bei Twitter, Hochzeit via Skype: In Zeiten internationaler Notsituationen erweist sich das Internet verlässlich als besonders flexibles und nützliches Medium zur Organisation von Ausweichlösungen.

Twitter-Trend "#Ashtag": 0,15 Prozent aller Tweets

Twitter-Trend "#Ashtag": 0,15 Prozent aller Tweets


Bei Twitter heißt ein selbstgesetztes Thema "Hashtag". Ein Hashtag wird durch eine vorangestellte Raute (#) markiert und bündelt Tweets zu einem bestimmten Thema - von #MichaelJackson bis hin zu #IranElection. Der Hashtag, der sich durch schiere Gebrauchshäufigkeit zum Vulkanausbruch auf Island durchgesetzt hat, zur Aschewolke und dem resultierenden Luftverkehrs-Chaos ist ein Wortwitz: er lautet #ashtag.

Mit diesem Themenschildchen versehen rauschen derzeit sekündlich Tweets durchs Netz: Aschewolken-Witze ("Die in Island verbrannte Kohle kommt jetzt als Asche zurück"), Verweise auf Nachrichtenmeldungen, Landkarten, Fotos, Augenzeugenberichte - und Hilferufe irgendwo auf einem Flughafen gestrandeter Reisender. Dem Statistik-Werkzeug Trendistic zufolge machen #ashtag-Tweets derzeit etwa 0,15 Prozent aller Kurznachrichten aus, die über Twitter abgesetzt werden. Und das, obwohl der Dienst in Europa nach wie vor weniger populär ist als im Twitter-Mutterland USA.

Natürlich ist ein Vulkanausbruch, der Europas Flugverkehr lahmlegt, ein Ereignis von globaler Bedeutung, und wie immer bei solchen Ereignissen spricht nun eine globale Gemeinde über das Ereignis und seine Folgen. Viele versuchen, mit den Mitteln des Netzes Hilfe für die Betroffenen zu organisieren - etwa die Mitglieder der Facebook-Gruppe "When Volcanoes Erupt: A Survival Guide for Stranded Travelers" (Ein Überlebens-Führer für gestrandete Reisende), die Betreiber des eigens eingerichteten Twitter-Accounts "AshAlerts" ebenso wie die der blitzschnell eingerichteten Seite VolcanoHelp. Sie soll Verbindungen herstellen helfen zwischen Betroffenen, Couch-Übernachtungen und Mitfahrgelegenheiten vermitteln.

Hochzeitsparty über Videotelefonie

Dem gleichen Zweck dient bei Twitter ein weiterer derzeit extrem populärer Hashtag: #GetMeHome. Unter diesem Stichwort versammeln sich gestrandete und Menschen, die vielleicht doch noch ein Plätzchen auf der Rückbank (oder im Kofferraum) anzubieten haben.

Aber natürlich kann das Kommunikationsmittel Internet auch anders Abhilfe schaffen, wenn jemand nicht rechtzeitig von A nach B kommt. Adobe etwa meldet für seinen Videokonferenz-Dienst Connect eine Mehr-Auslastung von 30 Prozent für die letzten Tage. Das könnte allerdings nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass Adobe das Vulkan-Chaos als Werbemittel nutzt und seit Freitag kostenlose Connect-Konferenzen anbietet: "Das kostenfreie Angebot soll Anwendern ermöglichen, dringende Termine trotz der Wetterumstände wahrzunehmen." Die Zahlen zeigten nun, "dass unsere Kunden noch stärker auf Online-Meetings umgestiegen" seien, so Günter Kraemer von Adobe auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE.

Bei Skype konnte man zunächst nicht feststellen, ob das eigene Videotelefonie-Aufkommen durch das Luftverkehrschaos zugenommen habe, verweist aber auf einen Pressebericht, demzufolge der Voice-over-IP-Dienst zumindest schon zwei Betroffenen ein bisschen aus der Patsche geholfen hat: Ein frisch verheiratetes britisch-australisches Paar strandete auf dem Rückweg ins Vereinigte Königreich in Dubai. Die für eine nachträgliche Hochzeitsfeier in London einbestellten Gäste hätten so beinahe unverrichteter Dinge nach Hause gehen müssen - doch Dank Skype seien Sean Murtagh, 24 und seine frisch angetraute Gemahlin Natalie dann wenigstens in zweidimensionaler Form anwesend gewesen auf ihrer Hochzeitsparty.

Das Hotelpersonal in Dubai sei sehr hilfreich gewesen, sagte Murtagh der britischen Press Association zufolge. Man habe dem Paar einen Beamer in der Hotelhallte aufgebaut und sogar einen dreistöckigen Hochzeitskuchen herbeigeschafft.

cis

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