Auch das gibt's Fernstudium am Handy-Display

Die japanische Cyber University gehört dem Internet-Konzern Softbank, der auch als Mobilfunkanbieter aktiv ist. Konsequenterweise bietet die Uni jetzt auch Vorlesungen im Handy-Format an, allerdings nur im Netz des Uni-Eigentümers.


In Europa gelten Handys im Zusammenhang von Schule und Studium im besten Fall als lästiger Störfaktor, sonst sogar als Gefahr für die Ausbildung. Etwa wenn Studenten sich per Telefon-Spickzettel durch Prüfungen mogeln, oder wenn jugendliche SMS-Gewohnheiten für Rechtschreibprobleme verantwortlich gemacht werden.

Ganz normal überfüllter Hörsaal: Damit wird es auch im Handy-Uni-Zeitalter nicht so schnell vorbei sein
DPA

Ganz normal überfüllter Hörsaal: Damit wird es auch im Handy-Uni-Zeitalter nicht so schnell vorbei sein

Und diese negativ geprägte Wahrnehmung hat offensichtlich nichts damit zu tun, dass Handys nicht als mobile Alleskönner gesehen werden, wie das Handy-Verbot an bayerischen Schulen zeigt: Im Freistaat begreift man Handys durchaus als multimediale Allround-Geräte, denn das Verbot soll vor allem eine Maßnahme im Kampf gegen die Verbreitung von Gewalt- und Pornodarstellungen unter Jugendlichen darstellen.

In Japan haben Mobiltelefone traditioneller Weise einen gänzlich anderen Stellenwert, sie werden hier eher als nützliche Alltagsbegleiter verstanden. Und wie der Boom japanischer Handy-Literatur zeigt, werden die Geräte auch nicht als kulturelle Bedrohung empfunden. Vor diesem Hintergrund ist auch die neueste Mobilfunkanwendung zu verstehen, das Fernstudium am Handy-Display.

Vorlesung in der U-Bahn

Die Vorstellung, am Handy akademische Weihen zu erlangen, ist allerdings selbst für japanische Verhältnisse ziemlich gewagt, wie das Medienecho auf den praktischen ersten Schritt in diese Richtung zeigt: Dass die privat geführte Cyber University jetzt erste, speziell für Handys konzipierte Fernkurse anbietet, sorgte jedenfalls landesweit für Schlagzeilen.

Nüchtern betrachtet startete die mobile Lehre recht unspektakulär mit einer Vorlesung über die ägyptischen Pyramiden. Im Gegensatz zu den Fernkursen, die am PC verfolgt werden sollen, ist die mobile Version noch weiter abgespeckt. Auf das Video-Fenster mit dem Vortragenden wird verzichtet, auf dem Telefon-Display wird statt dessen nur das Unterrichtsmaterial im Stil einer Powerpoint-Präsentation gezeigt, dazu ist die Vorlesung über die Lautsprecher bzw. Kopfhörer zu hören.

Mobilfunker gründet Uni

Die Cyber University, die staatlich anerkannte Bachelor-Abschlüsse im Fernstudium vergibt, wurde erst im April dieses Jahres gegründet. Die Uni gehört mehrheitlich dem Internet-Konzern Softbank, zu dessen Aktivitäten unter anderem DSL-Zugänge, Online-Spiele und die japanischen Yahoo-Seiten gehören.

Und erst dieses Jahr hat Softbank seine Aktivitäten im Mobilfunkbereich deutlich erweitert: Im März hat der Konzern das japanische Geschäft von Vodafone übernommen, womit Softbank Mobile im Handstreich zu Japans drittgrößtem Mobilfunkanbieter wurde. Die Online-Vorlesungen der Fernuni sind daher auch nur auf Softbank-Handys empfangbar, ob es sie irgendwann auch für Telefone der Konkurrenz geben wird, ist noch unklar.

Uni-Direktor Sakuji Yoshimura betonte unterdessen, dass die Lehre am Telefon qualitativ gegenüber echten Vorlesungen keine Abstriche mache. Stattdessen würde das Angebot den Bedürfnissen von Menschen entgegenkommen, die schlicht keine Zeit für den Besuch einer regulären Universität hätten: "Es ist unsere Pflicht, die Bedürfnisse der Lernwilligen zu erfüllen", erklärte Yoshimura gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Bei den Fernkursen am PC oder Handy werde beispielsweise nachvollzogen, ob die Vorlesung bis zum Ende abgespielt wird - Und ob ein Student im Hörsaal konzentriert zuhört oder nicht, könne man ja auch nicht kontrollieren, so Yoshimura weiter.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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