Aufgedeckt: Kimbles letzter Scherz

Am letzten Donnerstag kündigte Kim "Kimble" Schmitz seinen "Selbstmord" an, "live und umsonst" sollte man diesen heute über seine Website verfolgen können. Nun ist der Mann in Haft - doch die Show geht weiter.

"Genug ist genug": Knapper Abschiedsgruß eines beleidigten, missverstandenen "Genies"

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Unter allen Witzen von und rund um Kim "Kimble" Schmitz, den selbst ernannten König der Hacker, ist seine Website wohl der Größte.

Nein, gemeint sind nicht die egomanischen Foto-Alben, die der "Kimvestor" seinen Besuchern statt harter Informationen bot. Gemeint ist nicht die Hybris, mit der Kim Schmitz sich in seinen Sermonen gegen Bin Laden, die Steuerfahndung, Deutschland, Gott und die Welt ständig meinte, produzieren zu müssen. Gemeint ist einzig und allein die Tatsache, dass Kimble.org zu den wohl schlechtest geschützten Webseiten deutscher Sprache gehören dürfte: Wie um alles in der Welt hat irgendwer je glauben können, dass "Kimble" Hacker und IT-Sicherheitsexperte gewesen sei?

Seit Tagen machen sich User und Journalisten einen Spaß daraus, in den Tiefen der Website herumzusurfen, obwohl diese angeblich größtenteils vom Web genommen ist. Veröffentlichungen von Pfaden, die etwa zu den Log-Statistiken führten, zeitigten zwar selbst noch Ende letzter Woche Reaktionen aus dem Hause Kimble: Irgendjemand fing in einem hilflosen Versuch, diese immer wieder neu zu verstecken, an, die Verzeichnisstrukturen zu ändern.

Doch da ein offenes Buch ein offenes Buch bleibt, egal, wo man es aufschlägt, blieben solche Versuche in aller Regel wirkungslos. Heute nun stolperte ein SPIEGEL-ONLINE-Leser über Kimbles letzte Pointe: Die Auflösung des Rätsels, wie sein Selbstmord denn nun zu verstehen sei.

Wer nun schnell genug klickt, wird sie noch zu sehen bekommen:

www.kimble.org/kimbleripmonday.htm

Eine schwarze Seite mit blassgrauer Schrift: "Kimble R.I.P.", steht da, und in der Kopfzeile des Browsers: Enough is enough".

Das also sollte das Ende von Kimble sein: Sackgasse statt Website. Am Ende gingen Kimble sogar die Gags aus. Sein "Selbstmord" in Form einer Selbstabschaltung der Website ist kein Witz, sondern ein Augenöffner: Eine einigermaßen relevante Größe war er immer nur im Internet.

Noch effektiver als Kimble haben diese Beendigung eines virtuellen Lebens nun die Behörden hinbekommen: Mit dem Meister im Bau und den letzten Angestellten angeblich ohne Gehalt dürfte sich die Website bald erledigt haben. So mancher ist darob sogar ein wenig traurig: Die englische, als extrem bissig berüchtigte Website "The Register" verabschiedet sich mit einer bitter-bangen Frage vom selbst stilisierten Hackerkönig Schmitz: "Wie sollen wir nun ohne ihn jemals Bin Laden in die Hände bekommen?"

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