Aufruf Löschaktion gegen Kinderpornos

Die britische Internet Watch Foundation hat sich dem Kampf gegen Kinderpornos im Netz verschrieben. Davon gibt es immer mehr - und doch sehen die Briten einen einfachen Weg, sie aus dem Web zu tilgen: konzertierte internationale Kooperationen.


Exakt 2755 Web-Adressen erfasste die Internet Watch Foundation (IWF) im Jahr 2007, die aktiv Kinderpornografie verbreiteten. Rund 80 Prozent, behauptet die IWF in ihrer Jahresbilanz, hätten dies aus kommerziellem Antrieb getan. Die Adressen wechselten auch die Firmennamen, und doch seien sie stets auffindbar, zu verfolgen und auch aus dem Web zu tilgen - wenn nur der Wille da wäre.

IWF-Kampagne: Mit deutlichen Worten gegen Kinderporno-Seiten

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Denn um das Problem zu lösen, brauche es eine internationale Kooperation von Regierungen und Organisationen - und am Ende nicht mehr als eine koordinierte Löschung. Die IWF sieht es als ersten Schritt, die tatsächliche Größe des Problems mittels einer Inventur erfasst zu haben, wie sie nun von der Organisation vorgelegt wurde. Denn darüber, wie viele Seiten im Web an der Verbreitung von Kinderpornografie beteiligt sind, gibt es wild divergierende Schätzungen, weil Zahlen aus den unterschiedlichsten Quellen zusammenfließen.

So katastrophal die Zahl von 2755 Domains ist, fällt sie klein aus im Vergleich zu den Angaben mancher Polizeibehörden und Warner. Überzogene Schätzungen sind aber auch problematisch: Sie lassen das Problem so groß erscheinen, dass kaum jemand globale Lösungen auch nur anzudenken wagt.

"Globaler Angriff gegen diese Seiten"

Mit ihrer Inventur der erfassten Adressen glaubt die IWF, verfüge sie prinzipiell bereits über das Grund-Instrumentarium zur gezielten Löschung dieser Seiten. Sie gibt die Adressen auch regelmäßig an Polizeibehörden weiter, doch nicht überall erfolgt darauf eine Reaktion, bevor die Adresse wechselt. Hier mangele es schlicht an internationaler Kooperation.

IWF-Chef Peter Robbins: "Wir glauben, dass Vermutungen über die Zahl dieser Seiten eine verzerrte Wahrnehmung des Problems der Missbrauchs-Websites verursachen." In diesem Jahr habe man eine "handhabbare Zahl dieser Seiten offengelegt", so Robbins. "Ein koordinierter globaler Angriff gegen diese Seiten könnte diese fürchterlichen Bilder aus dem Netz verschwinden lassen und dafür sorgen, dass die Verantwortlichen entdeckt werden."

pat/rts



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