Schnellere Abfertigung Australischer Flughafen testet Gesichtserkennung

In Sydney soll man künftig schneller ins Flugzeug kommen, indem man sein Gesicht als biometrische Bordkarte benutzt. Die Betreiberfirma feiert den Komfort der neuen Technik, Bürgerrechtler sehen sie kritisch.

Passagiere im Flughafen von Sydney
AFP

Passagiere im Flughafen von Sydney

Von


Der Kingsford Smith Airport in Sydney hat gemeinsam mit der Fluggesellschaft Qantas ein Gesichtserkennungsprojekt gestartet. In der ersten Phase sollen ausgewählte Passagiere in den Terminals einchecken, ihr Gepäck aufgeben, die Lounge betreten und sich beim Boarding ausweisen können, indem sie ihr Gesicht vor eine Kamera halten.

Ziel des Projekts sei es, den Reisenden die Nutzung des Flughafens leichter und bequemer zu machen. "Künftig muss man am Check-in nicht mehr mit Pässen und Koffern jonglieren und seine Taschen oder das Smartphone durchwühlen, um seine Bordkarten zu zeigen", sagt Flughafenchef Geoff Culbert. Das Gesicht ersetze diese Dokumente.

Bisher können sich nur ausgewählte Passagiere auf internationalen Flügen für die Gesichtserkennung entscheiden. Die Teilnehmer müssen ausdrücklich zustimmen, dass sie an dem Test teilnehmen wollen. Mit der Technologie wolle man die Kontrollen am Flughafen langfristig für alle 43 Millionen Passagiere vereinfachen, die dort pro Jahr durchgeschleust werden.

An den Grenzkontrollen des Flughafens ändert sich durch das neuen System aber nichts. Reisende aus dem Ausland müssen nach wie vor ihren Reisepass vorzeigen und werden anhand ihrer biometrischen Daten überprüft.

Kritik von Bürgerrechtlern

Australischen Bürgerrechtlern des Human Rights Law Centre (HRLC) geht die Gesichtserkennung durch Unternehmen deutlich zu weit. In anderen Ländern gebe es "ernsthafte Debatten darüber, ob die Polizei Bilder von unschuldigen Menschen speichern darf", sagte eine Sprecherin der Organisation.

Die australische Regierung hingegen lasse nicht nur die Polizei, sondern auch "Transportunternehmen und private Firmen eine Datenbank durchsuchen, die persönliche Informationen von Australiern mit deren biometrischen Profilen und ihrem Gesicht zusammenführt." Da stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit.

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nonvaio01 06.07.2018
1. das war klar
das es irgendwann so kommt. In London ist es voellig normal, nur ist es keine automatische erkennung, aber die daten werden gespeichert, ich denke kaum das die geloescht werden.
allessuper 06.07.2018
2. Es ist um so kritischer zu betrachten
wenn man weiß, dass diverse Versuche in diversen Ländern gestartet wurden, um zu testen, ob sich die Bevölkerung wehrt. In Skandinavien wird die bargeldlose Gesellschaft getestet, in Australien nun die Gesichtserkennung usw. Das Problem ist, dass man (ahnungslosen, fortschrittsinfizierten) Menschen heute alles verkaufen kann, erst recht bei dem sinkenden I.Q: weltweit und den nunmehr flächendeckend aufgesetzten Scheuklappen. Würde jemand ein wenig globaler im Zuge der uns angedeihten Globalisierung hinschauen, so würden Zusammenhänge sehr deutlich werden, die uns als Bürger nicht schmecken dürften. Aber wer tut das schon noch.
agreatwaytofly 06.07.2018
3. Es heißt Qantas...
...und nicht Quantas. = Queensland And Northern Territories Airline System Leider schrieben selbst vermeintliche Luftfahrtexperten dies immer wieder falsch. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
zeisig 06.07.2018
4. Ja, bitte !
Dinge, die das Leben erleichtern, sind begrüßenswert. Mein Gesicht können die Behörden gerne speichern. Man stelle sich vor, es wären alle Gesichter auf dieser Welt gespeichert, ja und ? Wo wäre das Problem?
kuestenvogel 06.07.2018
5. Probleme langfristig denken
Unter anderen bei ZON gab es einen Artikel zum Feldversuch biometrischer Daten in jordanischen Flüchtlingslagern: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-12/biometrie-fluechtlinge-cpams-iris-erkennung-zwang Auch dadurch sind Folgen wie der Check-In-Test möglich. Bequemlichkeit hin oder her - solange man die Wahl hat, ist es kein Problem, aber wie lange hat man diese noch? Welchen Preis zahlt der einzelne, die jeweilige Gesellschaft?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.