Netzwelt-Ticker: Avira-Update legte Windows still

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Kein Vertrauen mehr in Windows: Ein Update des Avira-Virenscanners ging daneben und schlug auf Systemdateien an. Außerdem: Die Android-Welt ist ein unübersichtlicher Dschungel, und wer auf Wikipedia Reklame sieht, hat sich möglicherweise ein Schadprogramm eingefangen.

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Anti-Virussoftware: Update legte Windows-Rechner lahm

Beim Antiviren-Dienstleister Avira ging am Montag ein Update gehörig daneben. Nach dem automatischen Aufspielen hatten zahlreiche Windows-Nutzer, die Aviras kostenpflichtige Premium-Angebote verwenden, Probleme mit dem Hochfahren ihrer Rechner. Vom Fehler betroffen waren Professional Security 2012, Antivirus Premium 2012 und Internet Security 2012. Die fehlerhafte Aktualisierung hatte dafür gesorgt, dass eine Überwachungsfunktion namens "ProActiv" sogar wichtige und vertrauenswürdige Windows-Systemprozesse wie zum Beispiel cmd.exe, rundll32.exe, iexplore.exe, notepad.exe oder regedit.exe an der Ausführung hinderte.

Avira gab Betroffenen zunächst den Rat, ProActiv zu deaktivieren und stellte eine detaillierte Anleitung auf seine Webseite. Alternativ wurde der Vorschlag gemacht, auf manuellem und recht umständlichem Wege eine Whitelist einzurichten, in der ProActiv-Ausnahmen eingetragen werden sollten.

Am Dienstag stellten die Avira-Techniker schließlich ein Update zur Verfügung, das den Fehler beseitigen sollte. Nutzer mussten dazu von Hand die Aktualisierung des Programms aktivieren.

Anwender, bei denen die Gratis-Version Avira Free Antivirus laufe oder die eine 64-Bit-Version von Windows verwenden würden, seien von dem Problem nicht betroffen, grenzt "Heise" den Kreis der potentiell Geschädigten ein. Wessen Computer sich nicht mehr auf herkömmlichen Wege hochfahren lasse, der könne sein System mit der F8-Taste im abgesicherten Modus starten und von dort aus die Aktualisierung vornehmen.

Unübersichtliches Android

Der Unterschied zwischen der Android-Welt und dem Apple-Kosmos ist mit einem Wort zu umschreiben: Fragmentierung. Während es im Angebot aus Cupertino mit dem iPad ein Tablet und dem iPhone ein Smartphone mit zwei Display-Größen gibt, wenn auch mittlerweile in mehreren Generationen, sieht sich der Android-Fan einem Dschungel von Geräten in allen Größen und Ausstattungen gegenüber. Zudem haben zahlreiche Gerätehersteller unterschiedlichste Modifikationen an Googles mobilem Betriebssystem vorgenommen.

Das Blog "OpenSignalMaps" hat sich mit diesem Phänomen beschäftigt und sieht darin Fluch und Segen zugleich. Für den Endverbraucher bringe die Vielfalt der Geräte große Wahlfreiheit und die Möglichkeit, sich ein Gerät ganz nach seinen Erfordernissen zuzulegen. Für App-Entwickler hingegen bedeute das Wirrwarr unterschiedlichster Ausstattung und Displaygrößen einen erheblichen Mehraufwand, um ihre Programme auch unter exotischen Bedingungen lauffähig zu halten.

Um zu verdeutlichen, wie zersplittert das Android-Universum ist, zeigen Klötzchen-Diagramme eine Übersicht über sage und schreibe 3997 unterschiedliche Geräte, die auf immer noch 599 Marken verteilt sind. In beiden Grafiken dominiert Samsung, sowohl bei den Einzelgeräten(dem Galaxy SII) als auch als Marke.

Damit nicht genug, ist auch der Bereich der Betriebssystemversionen ziemlich zersplittert. Im Lauf der Zeit nimmt diese Fragmentierung sogar zu. Den Löwenanteil stellen immer noch die Nutzer von Android 2.3.3 "Gingerbread" mit 55,4 Prozent im April 2012. Die aktuelle Version 4.0 "Ice Cream Sandwich" und höher kommt immerhin schon auf knapp 9 Prozent.

Werbung auf Wikipedia könnte Malware-Befall anzeigen

Reklame auf Wikipedia? Gibt's doch gar nicht! Im Prinzip richtig, denn außer der alljährlichen Spendenkampagne von Wikimedia-Chef Jimmy Wales bleibt die Online-Enzyklopädie frei von Werbebannern. Wer trotzdem welche sieht, dessen Computer hat sich mit aller Wahrscheinlichkeit ein Schadprogramm eingefangen.

Darauf weist die Wikimedia Foundation nachdrücklich hin und erklärt auch gleich, wie es zu der merkwürdige Erscheinung kommen kann. So gebe es für den Google-Browser Chrome eine Extension namens "I want this", nach deren Installation im Browser stets Werbung angezeigt werde, auch auf Wikipedia-Seiten. Betroffene Nutzer sollten die Erweiterung über die Optionen wieder deinstallieren.

Allerdings könne es vorkommen, dass Surfer auch bei der Nutzung von W-Lan-Hotspots zum Beispiel in Internetcafés auf unerwünschte Reklame stoßen. Das habe seinen Grund darin, dass Betreiber von Internetcafés und sonstiger Hotspots derartige Anzeigen einblenden würden. Wikipedia aber sei dazu da, "die Summe des menschlichen Wissens an jeden auf dem Planeten zu verteilen, werbefrei, für immer".

Auch das noch:

  • Bastelt Google am iOS-Chrome? Worüber sich Android-Nutzer zumindest in der Betaversion schon eine ganze Weile freuen, das kommt bald auch für iPhone- und iPad-Besitzer - Chrome für iOS. Das behauptet zumindest ein Analyst, der die Veröffentlichung möglicherweise schon im Sommer erwartet, aber ganz sicher noch in diesem Jahr.
  • Neues vom iPad mini: Die taiwanische "Digitimes" will erfahren haben, dass bis zu 10 Millionen Zwergen-Tablets noch dieses Jahr produziert und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ausgeliefert werden sollen. Dünnere Touchscreens würden die 7,85 Zöller nicht nur schlanker, sondern auch billiger machen. In der Vergangenheit lag das "Digitimes"-Orakel allerdings mindestens so oft falsch wie richtig.
  • Offenbar arbeiten Google und Samsung am Nexus-Tablet: Bislang stand "Nexus" nur für Smartphones, doch nun werkeln Samsung und Google angeblich an einem Flachrechner, der vielleicht schon Ende Juni auf Googles Entwicklerkonferenz I/O erstmals offiziell vorgestellt wird.
  • Windows 8 mit besserer Multi-Monitor-Unterstützung: Microsofts kommendes Betriebssystem soll mit Bordmitteln die Benutzung mehrerer Bildschirme vereinfachen. Von der Wallpaper-Verwaltung bis zur Positionierung der Taskbar und Apps sollen Anwender vielfältige Einstellmöglichkeiten haben.

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1.
Olaf 16.05.2012
Zitat von sysopKein Vertrauen mehr in Windows: Ein Update des Avira-Virenscanners ging daneben und schlug auf Systemdateien an. Außerdem: Die Android-Welt ist ein unübersichtlicher Dschungel, und wer auf Wikipedia Reklame sieht, hat sich möglicherweise ein Schadprogramm eingefangen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,833475,00.html
Was ist mit dem Virusbefall von Wetter.Com? Das ist doch auch eine wichtige Meldung. heise online | Weiterhin Virenalarm auf Wetter.com (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Weiterhin-Virenalarm-auf-Wetter-com-1576132.html)
2. Erst kommt die Moral und dann die Technik
al2510 16.05.2012
Es wäre viel sinnvoller gewesen, wenn die Menschheit sich erst um die Ethik gekümmert hätte und dann um die Technik. Weil dann müsste man sich um Virenscanner erst gar nicht den Kopf zerbrechen. Leider ist es genau umgekehrt.
3. Freiheit!
Ha.Maulwurf 16.05.2012
Zitat von sysopKein Vertrauen mehr in Windows: Ein Update des Avira-Virenscanners ging daneben und schlug auf Systemdateien an. Außerdem: Die Android-Welt ist ein unübersichtlicher Dschungel, und wer auf Wikipedia Reklame sieht, hat sich möglicherweise ein Schadprogramm eingefangen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,833475,00.html
Nein. Das richtige Wort lautet 'Freiheit'. Auch der Rest der Argumentation ist absurd. Kein Entwickler *muss* seine Programme für *alle* Geräte lauffähig machen. Einzig die unterschiedlichen Auflösungen bedeuten einen gewissen Mehraufwand. Das ist aber, abgesehen von zwei(!) Zeilen Code, vor allem eine Frage der Optik bzw. der Grafiken. Und das wiederum ist auf praktisch jeder Plattform so. Es sei denn natürlich, man verwendet nur Vektorgrafiken.
4. So nicht ganz richtig...
hauptsache_dagegen 16.05.2012
Zitat von Ha.MaulwurfNein. Das richtige Wort lautet 'Freiheit'. Auch der Rest der Argumentation ist absurd. Kein Entwickler *muss* seine Programme für *alle* Geräte lauffähig machen. Einzig die unterschiedlichen Auflösungen bedeuten einen gewissen Mehraufwand. Das ist aber, abgesehen von zwei(!) Zeilen Code, vor allem eine Frage der Optik bzw. der Grafiken. Und das wiederum ist auf praktisch jeder Plattform so. Es sei denn natürlich, man verwendet nur Vektorgrafiken.
Die App. muss auch für mehrere Android-Versionen lauffähig sein (durch die die Update-Problematik haben viele Android-Smartphones viele verschiedene Systeme) und sie darf sich auch nicht mit den diversen OS-Erweiterungen der Hardware-Hersteller und den verschiedenen Versionen dort beißen. Die Rechnung heißt wohl eher: (Screendiagonalen) x (Android-Versionen) x (Hardware-Erweiterungen) Und schon hast du die Fragmentierung im Kubik. Oder warum glaubst du, dass sich immer noch so viele Leute einen Mac kaufen und die Entwicklergebühr zahlen, nur um für iOS programmieren zu können? So viele Fanboys hat Apple sicher nicht!^^ Was mich eher beunruhigt: Wie kann ein Antivirensystem die cmd.exe lahmlegen? Das weiß ja sogar ich, dass man davon besser die Finger lassen sollte und ich bin jetzt wirklich nicht versiert in DOS. Warum zum Henker ist das niemandem aufgefallen? Das ist ja, als wenn ich ein Hochhaus einreißen müsste und dafür die Atombombe vorschlagen würde...
5.
Olaf 16.05.2012
Zitat von al2510Es wäre viel sinnvoller gewesen, wenn die Menschheit sich erst um die Ethik gekümmert hätte und dann um die Technik. Weil dann müsste man sich um Virenscanner erst gar nicht den Kopf zerbrechen. Leider ist es genau umgekehrt.
Leider haben es weder Religionen noch Geisteswissenschaften geschafft, den Menschen vom Klauen abzuhalten. Obwohl sie sehr viel Zeit dazu hatten. Wobei die Priester in diesem Punkt wahrscheinlich mehr Erfolg hatten, als die Psychologen. Deren Verdienst zur Senkung der Verbrechensrate bestand im wesentlichen aus der Umdefinition von Kriminalität zu Krankheit.
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