Axel-Springer-Verlag: "Welt"-Website bekommt Bezahlschranke
Online-Leser sollen zahlen: Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat angekündigt, bis Ende des Jahres ein Abonnement-Modell für die Website der "Welt" zu starten. Die "New York Times" dient dabei als Vorbild.
Berlin - Der Axel-Springer-Verlag lässt die nächste Bezahlschranke herunter: Nach dem "Hamburger Abendblatt" soll als nächstes die "Welt" im Internet kostenpflichtig werden. Das sagte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wollen mit dem Online-Auftritt der 'Welt' bis zum Ende des Jahres startklar sein für die Umwandlung in ein Bezahlmodell", so Döpfner.
Während beim "Hamburger Abendblatt" der Zugang zu regionalen Nachrichten grundsätzlich Geld kostet, soll bei der "Welt" das Modell der "New York Times" Pate stehen. Dabei werden Lesern zunächst einige Artikel kostenlos angeboten, bei häufiger Nutzung muss ein Online-Abonnement abgeschlossen werden. Im kommenden Jahr würden die Online-Ableger weiterer Springer-Printmedien auf die "Welt" folgen.
Dieses Vorgehen sei durchaus nicht risikofrei, sagte Döpfner, er könne "nicht garantieren, dass es klappt, aber ich bin heute zuversichtlicher als vor ein, zwei Jahren". Döpfner sagte: "Wir verteidigen nicht die gedruckte Zeitung, wir verteidigen den Journalismus." Es gebe Anzeichen für einen "wachsenden Konsens" in der Branche, "die Idee, dauerhaft Freibier auszuschenken, ad acta zu legen".
Der Axel-Springer-Verlag hat maßgeblich das sogenannte Leistungsschutzrecht vorangetrieben. Nach dem Gesetzentwurf, der derzeit im Parlament diskutiert wird, müssten Suchmaschinen wie Google für das Erfassen von Nachrichtenangeboten Lizenzen bei den Verlagen beantragen. Google hat aber bereits angekündigt, nicht über solche Lizenzen zu verhandeln.
Döpfner rechnet mit beschleunigtem Wachstum im Digitalgeschäft. Bisher sei angestrebt worden, dass dieser Bereich bis 2020 die Hälfte des Konzernumsatzes erwirtschafte. Er sei optimistisch, dass dieses Ziel früher erreicht werden könne. Derzeit liege der Umsatzanteil des digitalen Geschäfts bei gut einem Drittel. Dazu zählen auch Portale wie Immonet und die Jobbörse Stepstone sowie Online-Marketing-Anbieter wie Zanox.
Die Wahrscheinlichkeit, dass in Print-Produkte investiert werde, bezeichnete er als "außerordentlich gering". Nach der Übernahme der britischen Totaljobs-Gruppe für rund 132 Millionen Euro kündigte Döpfner nun weitere Zukäufe an, "ungefähr in dieser Dimension". Totaljobs ist ein Online-Stellenmarkt.
ore/Reuters
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