Baden-Württemberg Behördencomputer sollen Spionage-Schutz bekommen

Baden-Württemberg will als erstes Bundesland einen sogenannten Trojaner-Sensor zum Schutz von Computern in seinem Landesverwaltungsnetz installieren. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Software Spitzelprogramme auf den Behördenrechnern entdecken und abwehren.

Polizeibeamter in Kehl (beim Nato-Gipfel im März 2009): Attacken fremdgesteuerter Spitzelprogramme auf den Behördenrechnern entdecken und abwehren
AP

Polizeibeamter in Kehl (beim Nato-Gipfel im März 2009): Attacken fremdgesteuerter Spitzelprogramme auf den Behördenrechnern entdecken und abwehren


Hamburg - Die deutschen Verwaltungen kämpfen bereits seit Jahren gegen elektronische Spionageangriffe, häufig aus Fernost. Meist versuchen die Späherprogramme als unscheinbare E-Mail-Anhänge in den Behördenapparat einzudringen. Sind die Computer erst infiziert, können die ausländischen Dienste sie wahlweise mit zerstörerischer Software bombardieren oder Informationen aus dem Behördennetzwerk stehlen.

Mittlerweile richten sich Spionage-E-Mails an gezielt ausgewählte Adressaten und sind manchmal sogar auf deren Arbeitsbereiche zugeschnitten. Häufig sind Mitarbeiter aus dem Behördenmittelbau im Visier. Nun will Baden-Württemberg als erstes Bundesland einen besonderen "Trojaner-Sensor" zum Schutz von Computern in seinem Landesverwaltungsnetz installieren. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem internen Bericht des Landesverfassungsschutzes zum Thema Spionageabwehr hervor. Die Software soll Attacken fremdgesteuerter Spitzelprogramme auf den Behördenrechnern entdecken und abwehren.

Chinesische Spionageprogramme wurden bereits im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt, im Bundeswirtschafts- und im Bundesforschungsministerium entdeckt. Im März war außerdem bekannt geworden, dass ein Spionage-Netzwerk zwei Jahre lang die Rechner von Behörden und Privatleuten weltweit ausgespäht hatte, darunter auch Computer des Dalai Lama in Indien, Brüssel, London und New York. Insgesamt sollen rund 1300 Rechner in 113 Ländern betroffen gewesen sein - bis zu einem Drittel davon seien ranghohe Ziele wie Außenministerien, Botschaften oder Nichtregierungsorganisationen, hieß es damals.

Zwar hatten Wissenschaftler des Munk-Zentrums für Internationale Studien an der Universität von Toronto das als "GhostNet" (Geisternetz) bezeichnete Netzwerk der Angreifer in China lokalisiert. Dass die Regierung in Peking hinter den Hacker-Angriffen steckt, sei jedoch aus den vorhandenen Informationen nicht abzuleiten, erklärten die Forscher. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in London hatte den Bericht als Teil einer Propagandakampagne bezeichnet.



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