Bandbreitenprobleme: US-College verbietet MySpace

Es ist nicht das erste Mal, dass eine amerikanische Bildungseinrichtung ihren Schülern oder Studenten die Nutzung des Community-Portals MySpace verbietet. Originell ist jedoch der Grund für die Abschaltung am Del Mar College in Texas: MySpace behindere den normalen Datenverkehr.

Eigentlich, findet Student Paul Martinez, sei die soeben erfolgte "Abschaltung" der Community-Website MySpace am texanischen  Del Mar College (Corpus Christi) sogar eine gute Sache: Die äußerst angesagte Website sei schließlich "suchtbildend". Ständig blockierten MySpace-Surfer die Computerterminals in der Uni-Bibliothek. Der Meinung sind allerdings längst nicht alle seiner Kommilitonen. Unter denen murrt es auch kräftig.

Am Del Mar College gilt ab sofort: No Space for MySpace

Am Del Mar College gilt ab sofort: No Space for MySpace

Was kein Wunder ist, denn die Entscheidung der College-Verwaltung beraubt viele Studenten ihrer liebsten Web-Freizeitbeschäftigung. MySpace mit seinem eigentümlichen Inhalte- und Themenmix, der die Interessen von Musikliebhabern so gut bedient wie die von Exhibitionisten wie auch Voyeuren, ist die Kult-Webseite der jungen Amerikaner: Die Communityseite erlaubt Einblicke ins Private, schafft kommunikative Schnittstellen und zugleich ein schier unerschöpfliches Maß an Themen und Inhalten. Über MySpace kann man brüten oder brüllen vor Lachen - irgendetwas aber bietet das Angebot jedem.

Selbst "jagenden" Pädo-Verbrechern, die dort Kontakte zu Minderjährigen suchen. Die ziemlich ungenierte Selbst-Zurschaustellung der vornehmlich jugendlichen Zielgruppe veranlasste darum - und wegen erster bereits dokumentierter sexueller Übergriffe - in den letzten Monaten einige Schulen, den Gebrauch von MySpace einzuschränken oder zu unterbinden.

Doch um solche Sicherheitsbedenken ging es diesmal nicht, wie EDV-Leiter August Alfonso der Nachrichtenagentur AP erklärte: Es habe in der letzten Zeit einfach immer öfter Probleme mit dem heftigen Netzwerkverkehr gegeben, so dass zeitweilig ein geordnetes Arbeiten im Uni-Netzwerk kaum mehr möglich gewesen sei.

Und anders als in den letzten Jahren hieß der Stolperstein nicht mehr P2P (BitTorrent und Co brachten es einst auf ein Volumen von 60 Prozent des gesamten weltweiten Internet-Datenverkehrs), sondern MySpace: Die Zugriffe auf das von Rupert Murdochs Fox-Gruppe betriebene Portal fraßen rund 40 Prozent der gesamten Netzwerkressourcen.

Alfonso berichtete seinem Chef, Uni-Direktor Carlos Garcia, und der sprach ein Machtwort: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, hieß die. Da mit MySpace kein Raum mehr blieb für die Datentransfers im Dienste der Wissenschaft, unterbindet Del Mar nun aus seinem Netzwerk heraus jeden Kontakt zu der Webseite. MySpace wird das wohl verkraften, wirkt doch jede solche Nachricht wie allerbeste Werbung für die Community-Webseite. Ihre Nutzerschaft soll sich binnen eines Jahres auf nun 72 Millionen registrierte Mitglieder verdoppelt haben.

pat/AP

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