Von Felix Knoke
Das US-Internetunternehmen Sambreel bringt die Werbeindustrie gegen sich auf. Sambreel vertreibt Software, die normalen Surfern "das Browsing-Erlebnis verbessern" will, so die Eigenaussage. De facto werden aber vor allem eigene Werbeanzeigen auf fremden Websites untergebracht.
Wer ein Sambreel-Programm installiert hat, sieht also nicht nur die von den Seitenbetreibern vorgesehenen Werbeanzeigen, sondern auch Anzeigen von Sambreels Werbekunden. Die eingeschleusten Sambreel-Anzeigen kosten nur einen Bruchteil des üblichen Anzeigenpreises. Die Webseiten, deren Werbeflächen die Software ausnutzt, verlieren durch den Austausch der Anzeigen Geld, weil die Werbung nicht so oft abgerufen wird wie das Angebot.
Betroffen sind theoretisch alle Webseiten, auf denen Anzeigen geschaltet werden - zum Beispiel die Webangebote der "New York Times", Facebook, CNN und die Anzeigenplätze auf Google.
Beispielsweise bietet Sambreel einen Dienst namens "PageRage" an, der laut Eigenaussage zusätzlich zur Werbung auf Facebook noch eigene Werbeblöcke enthalten soll. Facebook wollte gegen PageRage vorgehen und Nutzer sperren, sollten sie die App anwenden. Die Klage wurde laut paidContent.org aber fallengelassen, verbunden mit dem Hinweis von Facebook, dass es sich bei PageRage um einen "Parasiten" handele. Bezogen auf die Vorwürfe sagte Brad Miller 2011: "Wenn überhaupt, dann haben die Nutzer durch unsere Produkte mehr Spaß, wenn sie auf diesen Seiten surfen."
Nun aber wurde durch eine Klage des Autovermieters Hertz eine neue Masche bekannt: Vor Gericht warf Hertz dem Internetunternehmen vor, Vermietungsangebote der Konkurrenz immer genau dann anzuzeigen, wenn ein Hertz-Kunde eine Reservierung übers Netz buchen wolle. Hertz nehme Schaden, weil Sambreel - nach eigenen Angaben - allein im letzten Quartal 2011 20 Millionen Nutzer und 158 Milliarden verkaufbare Werbeplätze anzubieten hatte. Der Fall endete, nachdem Sambreel diese Werbeoffensive gegen Hertz unterband.
Apple: Weg mit Java
Apple macht kurzen Prozess mit Oracles Java (nicht zu verwechseln mit JavaScript) und löscht das wegen ständiger Sicherheitsproblemen kritisierte Programmpaket per Software-Update von jedem OS-X-Rechner. Wer künftig Java-Inhalte sehen wolle, müsse es selbständig herunterladen und installieren, schreibt Apple in einem Web-Hinweis.
Die Löschaktion folgt einer weit zurückliegenden Abmachung: Vor zwei Jahren erklärten Oracle und Apple, dass Apple eines Tages nicht mehr Java automatisch auf jedem OS-X-Rechner mitinstallieren werde, nannten aber keinen Termin.
Berlin-SPD will Liquid Feedback
Die SPD will in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte "in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ein Pilotprojekt zur internetbasierten Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern zu initiieren und durchzuführen." Heißt: Die Software Liquid Feedback einführen.
Mit traditionellen Bürgerversammlungen können, so heißt es in dem Antrag, nur diejenigen "Bevölkerungsgruppen erreicht werden, die mobil sind und Zeit haben". So habe sich das große Interesse an einer Unterschriftensammlung zugunsten des "Aktiven Zentrums Turmstraße" etwa nicht in den Veranstaltungen widergespiegelt. "Mit der Bürgerbeteiligung über das Internet soll versucht werden, Menschen in die Entscheidungsprozesse einzubinden, die tagtäglich das Internet für viele Zwecke nutzen, aber noch nicht oder nur wenig an Prozessen der Bürgerbeteiligung teilnehmen." Die Teilnahme solle Transparenz schaffen - und nur unter der Angabe des Klarnamens möglich sein.
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