Ende der neunziger Jahre kämpften in Großbritannien zwei Unternehmen mit Pay-TV-Angeboten um Marktanteile: ONdigital und der zu Rupert Murdochs News Corp. gehörende Sender BSkyB. ONdigital musste 2002 aufgeben - und nach Recherchen der BBC-Sendung "Panorama" soll der Konkurrent dabei etwas nachgeholfen haben.
Denn der Code, mit dem ONdigital seinen Bezahlsender verschlüsselte, wurde im Internet veröffentlicht. Schuld daran soll laut BBC das Unternehmen sein, das wiederum bei BSkyB für die Verschlüsselung sorgte: Der mitterweile verkaufte aber damals noch zur Konzernwelt von News Corp. gehörende Smartcard-Hersteller NDS.
Smartcards heißen die Chipkarten, die in Empfangsgeräten für die Entschlüsselung der Signale von Bezahl-Fernsehsendern eingesetzt werden. Diese lassen sich unter Umständen manipulieren. Die BBC stützt ihre Anschuldigungen auf einen Hacker und den Betreiber einer Piraterie-Website. Der Hacker will von NDS beauftragt worden sein, ebenso der Website-Betreiber, der noch bis 2008 Zehntausende Pfund bekommen habe, um die geknackten Codes weiterzuverteilen.
NDS hat die Vorwürfe von BBC "Panorama" zurückgewiesen, ebenso News Corp.
Bereits 2002 hatte der französische Pay-TV-Anbieter Canal+ NDS verklagt. NDS, so der Vorwurf, habe mit beträchtlichem finanziellen Aufwand die Verschlüsselung von Canal+ geknackt und den Schlüssel veröffentlicht, um dem eigenen Kunden BSkyB einen Vorteil zu verschaffen. Im darauffolgenden Jahr zog Canal+ seine Klage jedoch zurück.
Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom untersucht derzeit, ob News Corp. überhaupt die rechtlichen Anforderungen erfüllt, um einen Pay-TV-Sender zu betreiben. Die ebenfalls zu News Corp. gehörende Verlagsholding News International hatte bis Mitte Juli 2011 die Skandalzeitung "News of the World" herausgegeben, dann wurde das Sonntagsblatt wegen einer gigantischen Abhöraffäre eingestellt.
Über Jahre hinweg hatten Reporter der Zeitung die Mobiltelefone von Prominenten abgehört, um an Sensationsmeldungen zu gelangen - weswegen Rupert Murdoch und sein Sohn James sich vor einem Untersuchungsausschuss verantworten mussten. Außerdem soll die "Sun" Bestechungsgelder für Informationen gezahlt haben. James Murdoch, der in Europa leitende Positionen innehatte, will sich nun auf das US-Geschäft konzentrieren und sich aus Europa zurückziehen.
ore/Reuters
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