Ausgleich für schrumpfende Einnahmen Behörde in Kalifornien will SMS besteuern

Eine Aufsichtsbehörde in Kalifornien will mehr Steuern einnehmen und dafür die Smartphone-Nutzer zur Kasse bitten. Ihren Plänen zufolge sollen SMS besteuert werden - die kaum noch jemand schreibt.

SMS und WhatsApp
DPA

SMS und WhatsApp


Müssen Smartphone-Nutzer im US-Bundesstaat Kalifornien bald Steuern für einen Dienst zahlen, den kaum noch jemand nutzt? Die Aufsichtsbehörde California Public Utilities Commission (CPUC) jedenfalls hat vorgeschlagen, klassische Kurznachrichten zu versteuern. SMS sollen mehr Geld in die Staatskasse spülen. Zahlen sollen die Mobilfunknutzer. Mit dem Geld sollen ärmere Bürger die Chance bekommen, auf das Mobilfunknetz zuzugreifen.

Abgerechnet werden soll die Steuer laut dem 52-seitigen CPUC-Bericht (PDF) nicht pro SMS, sondern als Anteil einer monatlichen Gebühr, die Mobilfunkbetreiber meist in Form einer Flatrate für Kurznachrichten erheben. Bis zu fünf Jahre rückwirkend will die Behörde die Steuern kassieren. Die CPUC, die neben Wasser- und Energieversorgung auch zuständig ist für die Telefonanbieter im Staat Kalifornien, will am 10. Januar über die Pläne abstimmen.

Die Begründung für die Steuer: Die innerstaatlichen Einnahmen aus der Telekommunikationsindustrie seien seit Jahren rückläufig. Der Staat nahm demnach im Jahr 2011 mehr als 16 Milliarden Dollar ein. Im Jahr 2017 sei dieser Betrag auf etwas mehr als 11 Milliarden Euro gesunken. Die finanzielle Unterstützung für sozial schwache Bürger hingegen sei in der gleichen Zeit von 670 auf 998 Millionen Dollar gestiegen. "Das ist mit der Zeit nicht nachhaltig", heißt es in dem Dokument.

Kritiker zweifeln an der SMS-Steuer. "Das ist eine dumme Idee", sagte Jim Wunderman vom kalifornischen Wirtschaftsverband Bay Area Council der Zeitung "The Mercury News". Textnachrichten seien das moderne Kommunikationsmittel. "Das wäre so, als würde man eine Steuer auf Gespräche fordern, die wir führen."

Steuer auf ein Auslaufmodell

Auch eine Entscheidung der Federal Communications Commission (FCC), der Telekommunikationsaufsicht in den USA, könnte die SMS-Steuer-Pläne durchkreuzen. Am Mittwoch urteilte die Behörde, dass Kurznachrichten künftig genau wie E-Mails als Informationsservice gelten und nicht als Telefonservice. Laut Handelsverband CTIA könnte Kalifornien damit eine SMS-Steuer nicht ohne Erlaubnis der Bundesbehörde FCC erheben.

Skurril an den Plänen ist vor allem, dass ausgerechnet auf Textnachrichten eine Steuer erhoben werden soll. Klassische SMS sind eher ein Auslaufmodell. In Deutschland zum Beispiel schrumpft die Anzahl der verschickten SMS laut Statista seit Jahren extrem. Während im Jahr 2012 noch 60 Milliarden klassische Kurznachrichten jährlich verschickt wurden, waren es 2017 nur noch zehn Milliarden.

Nachrichten werden heutzutage vor allem kostenlos mit internetbasierten Messengern wie WhatsApp, Telegram und Threema sowie über Facebook und Instagram verschickt. Auch Apples iMessages funktionieren so. Dafür benötigen die Nutzer lediglich Datenvolumen. Alle diese SMS-Alternativen wären von der Steuer nicht betroffen.

jbr



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 13.12.2018
1. Schade, dass das bei Whatsapp und Twitter nicht funktionieren kann.
Das würde die USA, Kalifornien gehört nun einmal dazu, zum reichsten Staat der Welt machen. Und Donald Trump könnte dann sogar behaupten, in hohem Maße zum Steueraufkommen beigetragen zu haben.
AlexSp 13.12.2018
2.
Sicherlich schreibe ich max. 2 Sms im Monat, dafür erhalte ich diverse SMS sei´s Service,Bestätigungen,Aktivierungspins usw........wobei am Ende trifft es ehe den Endnutzer
CaliforniaMark 13.12.2018
3. Vergleich hinkt - Autor sollte mal Marc Pitzke fragen
Der Vergleich zu Deutschland hinkt total. Hier kennt fast kein Mensch Whatsapp. Wenn dann Line aber 95% meiner Bekannten in den USA schreiben SMS und (:scream:) Gruppen-SMS.. von daher ist der Artikel in dem Punkt falsch. Ich versuche seit Jahren Leute von Diensten ausserhalb SMS zu bekommen, meist ohne Erfolg. Keine Ahnung warum die Leute in den USA da so rueckstaendig sind..
besserwisser1001 13.12.2018
4. mhhh, wie sieht es denn in den usa aus?
ich bin großer freund von 2fa, ich nutze mein smartphone nicht für onlinediesnte/onlinebanking. jede bestellung läuft über passwort + sms tan ab (teilweise auch anders je nach anbieter, aber der großteil eben schon noch, bitte keine belehrung über pseudo-sicherheit, ich bin eben faul). wie sieht das denn in den usa aus? und wenn geschrieben wird: "nicht pro SMS, sondern als Anteil einer monatlichen Gebühr, die Mobilfunkbetreiber meist in Form einer Flatrate für Kurznachrichten erheben." würde es ja in de zb jeden treffen, da ja (vermute ich) jeder anbieter mittlerweile auch eine sms flat zu jedem tarif anbietet, eben weil es nicht genutzt wird. das könnte am ende schon eine menge geld bringen. wenn auch nur kurzfristig bis anbieter/zahlungsdienstleister umstellen/die kosten weiterreichen. wie gesagt, ich weiß nicht wie es in den usa aussieht.
sven2016 13.12.2018
5. Alberne Idee
Man könnte dann als nächstes Webseitenaufrufe besteuern und auch Internetsuchen ...
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