Mit gewaltigen Zahlen haben die Verantwortlichen des chinesischen Twitter-Pendants bislang die Öffentlichkeit beeindruckt: Eine halbe Milliarde Nutzer sollen beim Zwitschernetzwerk im Reich der Mitte angemeldet sein. Für Forscher der Universität Hongkong ist das Anlass genug, das soziale Netzwerk einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Dazu überprüften sie eine zufällig ausgewählte Stichprobe von 30.000 Mitgliederprofilen.
Die Ergebnisse der in der letzten Woche vorgelegten Untersuchung sind ernüchternd. So berichten die Autoren der Studie, über die Hälfte der gesichteten Accounts (57,4 Prozent) seien leer gewesen. Es handelt sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um inaktive oder Zombie-Profile. Damit werden Pseudo-Profile bezeichnet, die zum Beispiel gern von Marketingfirmen eingerichtet werden, um Follower-Zahlen von echten Accounts nach oben zu treiben. Selbst von den Profilen, die Inhalte aufwiesen, setzten 86,9 Prozent während einer Spanne von sieben Tagen keinen einzigen Beitrag ab.
Tatsächlich scheint nur eine ganz kleine Gruppe von Power-Usern für die meisten Aktivitäten verantwortlich zu sein. 4,8 Prozent der als "aktiv" eingestuften 12.774 Weibo-Nutzer trugen mehr als 80 Prozent des Beitragsvolumens bei. Nur 0,51 Prozent der erfassten Nutzerprofile gaben im Beobachtungszeitraum mehr als 20 eigene Beiträge ab.
Außerdem fiel den Forschern auf, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Follower und der Menge der verfassten oder weitergeleiten Nachrichten und erhaltenen Kommentare bestand. Es gebe auch erkennbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern und dem Wohnort der Nutzer in Bezug auf die Nutzung des Mikroblogging-Dienstes. Wenig überraschend waren besonders viele Profile in den wohlhabenden Provinzen an der Ostküste Chinas anzutreffen. Erstaunlicher schon Tibet, das eine wesentlich höhere Nutzerrate aufgewiesen habe als die Nachbarprovinzen.
Für das Netzwerk insgesamt würden diese Zahlen bedeuten, dass von den laut Tech in Asia im Februar gemeldeten 500 Millionen Sina-Weibo-Usern lediglich 215 Millionen jemals irgendeine Nachricht geschrieben hätten. Das Netzwerk selbst hatte laut "Wall Street Journal" mitgeteilt, Ende 2012 46,2 Millionen täglich aktive User zu haben. Das würde bedeuten, dass selbst von den "echten" Nutzern sich der größte Teil mit der stillen Beobachterposition begnügt. Die Studie wurde 2012 durchgeführt, seither wurden beim chinesischen Netzwerk einige Änderungen wie verstärkte Zensur und Klarnamen-Pflicht eingeführt. Das könnte Auswirkungen auf das aktuelle Nutzerverhalten haben, fügen die Autoren der Studie an.
meu
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