Beipack-DVDs Film-Markt neben dem Film-Markt

Film-DVDs sind ein reizvolles Verkaufsargument für Zeitschriften, und immer mehr Titel springen auf den Trend auf. Das ist gut für die Auflage und gut für die Entwicklung des DVD-Marktes - auch, wenn es die eigentliche Ware entwertet. Der Kunde aber freut sich.

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Sprießende Vielfalt: Goldene Zeiten für geizige Filmsammler

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Als sich im November 2000 die frisch gegründete Filmzeitschrift der Kinowelt AG, "kinowelt.de", zum einen als qualitativ überraschend gut, zum anderen als potenzieller Verkaufsschlager erwies, ging ein Ruck durch Deutschlands Medienszene.

Kinowelt hatte für den Verkauf seiner Zeitschrift das beste aller denkbaren Argumente gefunden: Einen "Beipacker" mit echtem, zielgruppenspezifischen Mehrwert. Zum Verkaufspreis von nur 6 Deutschen Mark sollte der Filmfan nicht nur rund 140 Seiten Hochglanz-Redaktion geboten bekommen, sondern auch einen vollständigen Film auf DVD. Und das zu einer Zeit, als DVDs kaum je unter 30 DM zu haben waren.

Der Platzhirsch am Markt, die in Hamburg verlegte Zeitschrift "Cinema" aus der Verlagsgruppe Milchstraße, reagierte umgehend. Am 28.11.2000, ein Tag vor dem angesetzten Verkaufsstart, strengte "Cinema" eine einstweilige Verfügung gegen den nun potenziell bedrohlichen Konkurrenten an. Begründung: Wettbewerbsverzerrung und Verstoß gegen die Zugabenverordnung.

Die verbot bekanntlich, dass Zugaben zu Waren deren Wert überstiegen - und genau das schien hier der Fall zu sein. Zeitschrift 6 Mark, DVD 30 Mark - es brauchte keinen Einstein, um zu sehen, was hier Zugabe zu welchem Produkt war.

"Bild"-Trägermedium für Film-DVDs: Entwicklungshilfe für den DVD-Markt

"Bild"-Trägermedium für Film-DVDs: Entwicklungshilfe für den DVD-Markt

"Kinowelt.de" wurde zum Pionier eines heute virulenten Trends auf dem Magazinmarkt: Gemeint ist der Verkauf von DVDs über ein bedrucktes Trägermedium, das für die "Rabattierung" sorgt.

Vor fünf Jahren konnten die einstweiligen Verfügungen aus der Milchstraße den Konkurrenten tatsächlich noch stoppen: Nachdem "Cinema" die Auslieferung der Februar-Ausgabe durch eine weitere einstweilige Verfügung unterbinden ließ, ahnte Kinowelt-Vorstand Wolf-Dietrich von Verschuer das drohende Ende. Am 1. Februar gab er dem Branchendienst "text intern" ein kurzes Interview mit nahezu prophetischen Qualitäten. Wörtlich hieß es darin:

"Insider wissen, dass eine DVD zu anderen Bedingungen hergestellt als verkauft wird. Lizenzen bei der DVD spielen eine große Rolle. Wir sind halt die Ersten mit der DVD und müssen jetzt Lehrgeld zahlen. Wir sind Vorreiter. Es wird nach uns viele geben, die das machen werden."

Vier Wochen später, am 7. März 2001, meldete die "Berliner Morgenpost": "Kinowelt.de vom Markt genommen".

Zeit der Schnäppchen

...aber auch Preissenker für die einst teure Ware: DVD als Bonbon für das preiswerte "SFT"

...aber auch Preissenker für die einst teure Ware: DVD als Bonbon für das preiswerte "SFT"

Für einige wenige Monate konnte sich auch die Branche hinter dem Streit zwischen den Magazintiteln besinnen, was sie wirklich will: Wenig, aber hochpreisig verkaufen, oder aber sehr viel aber zu günstigeren Preisen. Skeptiker warnten vor der Entwertung des Produktes DVD, die die Industrie seit ihrer Einführung tatsächlich zu irrational hohen Preisen hatte anbieten können. Gegenüber dem Kunden rechtfertigte man den im Vergleich zur - in der Produktion teureren - Videokassette mit den Specials und Extras und sonstigen Beigaben, nicht zuletzt auch mit der Mehrsprachen-Option der DVD.

Der Bluff wirkte, wenn auch nicht so gut wie erhofft: Der DVD-Markt entwickelte sich zunächst zögerlicher als gedacht. Kurz nach dem Untergang der "Kinowelt.de" drehte sich der Wind jedoch: DVDs ohne die angeblich preiserhöhenden Benefits begannen, in den Läden bis hin zur Quengelzone im Supermarkt aufzutauchen. An die Seite der hochpreisigen Vollversionen trat eine Art "Nice Price"-Schiene mit nichts als dem blanken Film - und der Markt begann, sich explosionsartig zu entwickeln.

Auch dank der Zeitschriften, die nun seit rund zwei Jahren dem Beispiel der "Kinowelt.de" folgen: Im Kielwasser des "Bild"-Ablegers "Audio-Video-Foto" setzen immer mehr Zeitschriften auf das Verkauf-durch-DVD-Prinzip. Die von Wolf-Dietrich von Verschuer zitierten Lizenzen machen's möglich: Wer viel kauft, bekommt die Ware billig - das ist bei Filmen nicht anders als bei Aldi- oder Lidl-Produkten oder Medion-PCs.

Immer mehr Titel mit Beipack-DVDs

Noch ein Schnäppchen: 182 Seiten Magazin und ein Film mit Starbesetzung für 4,90 Euro

Noch ein Schnäppchen: 182 Seiten Magazin und ein Film mit Starbesetzung für 4,90 Euro

Inzwischen bilden die "Beipacker" fast schon einen Schattenmarkt neben dem eigentlichen DVD-Markt, in dem schnell Unmassen von DVDs unter die Filmfans gebracht und die betreffenden Titel für den regulären Verkauf und den Verleih in Videotheken regelrecht verbrannt werden.

Die Auswahl ist groß, die sich daraus ergebende Konkurrenz sorgt dafür, dass die Filmauswahl entsprechend vielfältig und attraktiv ist: Neben der "AVF-Bild" bekommt man regelmäßig auch zur Programmzeitschrift "TV Movie" einen Film gepackt, zur Filmzeitschrift



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