Judenhass in Berlin dokumentiert Facebook entschuldigt sich für Video-Sperrung

Ein Antisemit pöbelt gegen einen israelischen Restaurantbetreiber, eine Freundin des Betroffenen dokumentiert die erschreckende Szene, das Video landet auf Facebook. Doch dann verschwindet der Clip.

Restaurantbetreiber Yorai Feinberg
DPA

Restaurantbetreiber Yorai Feinberg


"Ihr werdet alle in der Gaskammer landen": Solche erschütternden Sätze fallen in einem Video aus Berlin, das seit Mittwoch viele Facebook-Nutzer bewegt. Zu sehen ist darin ein 60-jähriger Deutscher. Er beschimpft Yorai Feinberg, den Betreiber eines israelischen Restaurants, und verbreitet offen Judenhass - vor laufender Kamera und auf offener Straße.

Die Aufnahmen, am Dienstag von einer Freundin des Restaurantbetreibers gefilmt, landen über das Umfeld des Restaurantbetreibers auf Facebook. Sie dokumentieren, dass Feinberg besonnen reagiert und trotz der Anfeindungen ruhig bleibt.

Mehrere Hunderttausend Mal ist der sechsminütige Clip auf Facebook bereits aufgerufen worden. Zwischenzeitlich war das Video auf dem Account, auf dem es zuerst hochgeladen wurde, jedoch nicht mehr verfügbar. "Das Material wurde von Facebook entfernt, und ich wurde für 24 Stunden gesperrt", berichtete der betroffene Nutzer, ein Freund des Restaurantbetreibers, der den Clip unter anderem mit den Worten "Anschauen und nicht wegschauen!" ins Netz gestellt hatte.

Am Donnerstag hat Facebook nun eingeräumt, dass die Entscheidung des Netzwerks, das Video zu sperren, falsch war. Der Clip ist mittlerweile auch wieder online. "Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen, und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden", sagte eine Facebook-Sprecherin. "Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür."

"Plötzlich angefangen loszubrüllen"

Der Antisemit, der im Video den jüdischen Restaurantbetreiber angeht, war am Dienstag vorübergehend festgenommen worden. Der Staatsschutz ermittelt gegen den 60-Jährigen unter anderem wegen Volksverhetzung. Yorai Feinberg berichtete dem SPIEGEL nach dem Vorfall: "Der Typ sah die Menora in meinem Schaufenster und hat plötzlich angefangen loszubrüllen." Der Nachrichtenagentur dpa sagte Feinberg, die antisemitischen Ausfälle des Manns seien "nur die Spitze des Eisbergs". Sein Lokal bekomme monatlich im Durchschnitt zwei Hassmails.

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff stattete Feinberg am Donnerstag einen Besuch ab. Dabei forderte er klare Haltung: "Es ist wichtig, dass man angesichts solcher Vorfälle sofort handelt und null Toleranz zeigt", sagte Issacharoff. "Eine sofortige Reaktion gegen jede Form von Antisemitismus kann die einzige Antwort sein." Der Botschafter lobte Feinberg für dessen im Video dokumentierte Reaktion. Er habe großen Mut an den Tag gelegt, sich gegen die Anfeindung zu wehren.

mbö/dpa



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