Besser heiraten Tanz den Bund fürs Leben

Der Gang zum Altar ist vielen nicht zuletzt wegen der immer gleichen Zeremonie ein Graus: Orgel-Gedudel, gemessene Schritte, weinende Anverwandte und unterdrückte Gähner. So aber muss das gar nicht sein, zeigt uns derzeit ein schreiend komisches Video im Web. Wir haben noch mehr Anregungen.


Wer hat eigentlich die Regel aufgestellt, dass eine Hochzeit eine in demonstrierter Würde erstarrte Zeremonie mit immer gleichem Ablauf sein muss? Hand aufs Herz, so ist es doch: Die Standard-Trauung unterscheidet sich nur aus Perspektive der direkt Involvierten von anderen Hochzeiten.

Hierzulande gilt es schon als gewagt und hochgradig individuell, wenn mal ein Paar selbst ein paar Worte sagt, ein Freund der Familie ein Gitarrenständchen zum Besten gibt oder die Hochzeitsmusik von der CD statt aus der Orgel tönt. Ansonsten heißt es, im gemessenen Gleichschritt zum Altar zu schreiten. Lachen, Greinen und Husten ist übrigens verboten: Entsprechend auffällig werdende Gören bringt man unauffällig nach draußen, damit sie die Zeremonie nicht stören.

Dass man durchaus keine Empörung weckt, wenn man das alles einmal anders macht, sondern im besten Fall sogar die Hochzeitsgäste in der Kirche begeistert, führten am 20. Juni die Brautleute Jill Peterson und Kevin Heinz in St. Paul, Minnesota, vor.

Das unter dem Namen "JK Wedding" kursierende Video, das sie von ihrem spektakulär humorig getanzten Einzug in die Kirche drehten, entwickelt sich seit Ende letzter Woche zum Brummer bei YouTube: Über acht Millionen Abrufe erntete allein der Original-Mitschnitt, der aber inzwischen in mindestens 30 weiteren Kopien kursiert. Alle großen amerikanischen TV-Sender berichteten - und natürlich auch die Presse von "Washington Post" bis "Sydney Morning Herald".

Am Montagnachmittag zog YouTube den Stecker und unterband das sonst übliche, bis dahin mögliche Einbetten des Videos in andere Webseiten. Wer es sehen will, muss dies nun bei YouTube selbst tun.

Mittlerweile ist das vor einer Woche veröffentlichte Video dermaßen populär, dass es schon Niederschlag in der Mainstream-Popkultur findet: In Australien haben am Sonntag die Teilnehmer der "Dancing with Stars"-TV-Show die Aufgabe gestellt bekommen, die JK-Wedding-Choreografie für die nächste Sendung nachzustellen.

Ungewöhnlich gut, aber nicht ungewöhnlich

Dabei ist der schrille Auftritt der Brautleute im angelsächsischen Kulturkreis durchaus nichts Ungewöhnliches. Das "JK Wedding" ist nur ungewöhnlich gut - und bestens mitgefilmt. Zudem ist es eine Amateurarbeit, sagen die Brautleute: Einige der Brautjungfern hätten nur genau eine Probe gehabt, um sich in die Choreografie einzufinden.

Wer sich so etwas nicht zutraut und das Risiko eines peinlichen Flops scheut, der kann sich im angelsächsischen Kulturkreis auf die Arbeit spezialisierter Agenturen stützen, wenn er das nötige Kleingeld hat. Ganz selbstverständlich gehört es etwa zum Dienstleistungspaket von "Unforgettable Weddings" aus dem kanadischen Cambridge, Ontario, eine Hochzeitszeremonie ganz nach Geschmack aufzurocken - das Portfolio bietet alles vom Hardrock-Gitarrero über den hippen DJ bis zur vollbesetzten Band:

Ambitioniert-humoriger Laienauftritt hier, Profiinszenierung da - das sind nur Eckpunkte eines ganzen Bündels von Möglichkeiten, mit ein wenig Respektlosigkeit und dem Ausleben echter Spaßgefühle der angemotteten Hochzeitszeremonie die Schreckstarre zu nehmen. Denn so viel Aufwand wie in den obigen Beispielen muss man gar nicht treiben.

Selbstironie, Elvis und der Pool - wir haben uns einmal bei YouTube umgesehen und gesammelt, was das Videoportal noch an Hochzeitsanregungen hergibt.

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