Urteil zu Bestattungsvergleich.de Vergleichsportale müssen auf Lücken im Angebot hinweisen

Den besten Deal im Netz finden: Das versprechen Vergleichsportale. Die Seiten müssen Kunden aber genau über ihr Vorgehen aufklären, urteilt der Bundesgerichtshof.

Bestatter in Münnerstadt (Archivbild)
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Bestatter in Münnerstadt (Archivbild)


Preisvergleichsportale im Internet müssen ihre Nutzer darauf aufmerksam machen, wenn sie nicht sämtliche Anbieter, sondern nur ausgewählte Unternehmen berücksichtigen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag entschieden.

Der Verbraucher rechne damit, dass er auf solchen Seiten einen schnellen Überblick über den gesamten Markt bekomme, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Büscher. Das beeinflusse auch seine Entscheidung.

Im konkreten Fall ging es um eine Klage des Bundesverbands Deutscher Bestatter gegen das Vergleichsportal Bestattungsvergleich.de. Derartige Portale vermitteln Bestatter an Hinterbliebene. Der Vorwurf: Das Portal berücksichtige nicht sämtliche Anbieter auf dem Markt, sondern nur diejenigen, die mit dem Betreiber eine Provision vereinbart haben.

Für die Nutzer der Seite sei diese Einschränkung bei der Suche aber nicht ersichtlich, sie ließ sich nur im Geschäftskundenbereich der Seite nachlesen. Das ist zu wenig, urteilte nun der BGH. Eine solche "wesentliche Information" benötige der Verbraucher, um eine "informierte geschäftliche Entscheidung" treffen zu können.

Verbraucher "in einer emotionalen Ausnahmesituation"

Für den Betreiber brachte Anwalt Christian Rohnke in der Verhandlung vor, dass den Nutzern nirgendwo Vollständigkeit oder Unabhängigkeit versprochen werde. Wer auf einer Seite keine Werbung finde und einen kostenlosen Service in Anspruch nehme, müsse zu dem naheliegenden Schluss kommen, dass dann wohl jemand anderes bezahle.

Der Anwalt der Gegenseite hielt dem entgegen, dass es Nutzern des Portals um den schnellen Marktüberblick gehe. Dass sie sich dabei nicht allein auf diese Seite verlassen könnten, sei nirgendwo zu erkennen. "Es geht um Verbraucher, die in einer emotionalen Ausnahmesituation handeln müssen", sagte er. Hier seien besonders hohe Anforderungen zu stellen.

dpa/gru



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