Link-Netzwerk Digg-Reste für eine halbe Million verkauft

Der Technikdienstleister Betaworks, der unter anderem den Linkverkürzer bit.ly betreibt, hat den Social-Bookmark-Service Digg gekauft. Einst wurde Digg mit 45 Millionen finanziert, Preisverhandlungen über Hunderte Millionen Dollar geführt. Der tiefe, schnelle Fall eines einstigen Stars.

Digg.com: Rapider Preisverfall des einstigen Stars

Digg.com: Rapider Preisverfall des einstigen Stars


Hamburg - In der offiziellen Mitteilung geben sich die Digg-Verantwortlichen "glücklich" über den Deal: Die Linkempfehlungsplattform, einst einer der Stars des Social Web, ist tief gefallen. Tatsächlich wirkt die Transaktion bei Licht besehen eher wie eine Notmaßnahme, dies vor allem aufgrund des Verkaufspreises. Der soll laut Angabe des "Wall Street Journals" bei gerade einmal 500.000 Dollar gelegen haben. Eine äußerst niederschmetternde Bewertung für das im Dezember 2004 an den Start gegangene Unternehmen. In der Vergangenheit konnte Digg Geldanlagen von Investoren wie LinkedIn-Gründer Reid Hoffman oder dem Risikokapitalgeber und Netscape-Erfinder Marc Andreessen in Höhe von 45 Millionen Dollar einsammeln. 2008 gab es anhaltende Gerüchte um einen Verkauf von Digg an Google, in den Verhandlungen soll es um einen Preis von 200 Millionen Dollar gegangen sein.

Der Bookmark-Service erlaubt es seinen Nutzern, Links zu posten, diese werden von anderen bewertet, nach Reihenfolge der Bewertungen entsteht so eine Rangliste von wichtigen Links. Links werden auch kommentiert, Digg ist eine Art Gesprächsplattform für und über Dinge im Netz.

Nun werden alle Angestellten Digg verlassen, das Unternehmen soll mit Betaworks' News.me verschmolzen werden, das unter anderem eine iPhone- und iPad-App besitzt. Offensichtlich wollen die Käufer es wissen und mit ihrem Konzept Facebook angreifen. Im hauseigenen Blog heißt es: "Wir haben in den letzten 18 Monaten daran gearbeitet, News.me zu einer sozialen mobil-zuerst-Erfahrung zu machen. Das News.me-Team wird Digg aufs Wesentliche zurückführen: Es ist der beste Ort, um Geschichten zu finden, zu lesen und zu teilen, über die das Internet spricht."

Die Community machte Erfolg wie Misserfolg von Digg aus, kommentiert "The Next Web" die Entwicklung. Doch "der Traffic ging zurück, der Traffic von anderen Seiten ging zurück und die Leute gingen woanders hin. (...) Die besten Tage liegen hinter Digg". Der neue Star in dem Feld, das Digg einst besetzte, heißt schon lange Reddit. Die Plattform ist optisch noch karger als Digg, doch die Community ist höchst lebendig.

"The Atlantic" zieht ein ähnlich nüchternes Fazit. Bei Digg sei die Community alles gewesen, der Verkaufspreis zeige eines deutlich: Die reine Technik selbst hinter einem einst mächtigen Social Network sei gerade eine halben Million Dollar wert. Es sei rätselhaft, warum sich jetzt noch irgendjemand an einem Neustart versuche: "Niemand hat einen besonderen Wettbewerbsvorteil, der Markt ist überfüllt, man kann nicht über den Preis konkurrieren und keiner will einem Reddit für Einsiedlerkrebse beitreten."

"Daring Fireball" macht es ganz kurz und ätzt unter der Überschrift "Digg gibt es noch?", immerhin bedeute das soviel wie "1000 Dollar für jeden aktiven User".

meu



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