Affiliate-Betrug Tricksereien im Schmuddel-Web

Porno- und Warez-Seiten sind die unseriösen Finsterecken des Web. Ihr Geld machen sie unter anderem mit ertrickster Werbung und damit, Leistungen vorzutäuschen, die sie nicht erbringen. Im Extremfall beklauen sie sich einfach gegenseitig - und die Zeche zahlen seriöse Unternehmen.

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Pornoseiten: Die Inhalte sind nur Lockstoff, die Besucher nur dazu da, gezählt zu werden
Corbis

Pornoseiten: Die Inhalte sind nur Lockstoff, die Besucher nur dazu da, gezählt zu werden


Es beginnt mit einem anonymen Anruf. Der Mensch am anderen Ende des Drahts sagt, er habe da einen Tipp für uns. Da gäbe es eine sogenannte Topsite-Liste, die Links veröffentliche. Eine reine Sammlung von Werbebannern und Verlinkungen, hauptsächlich Pornografie, aber auch Warez-Seiten, Film- und Musik-Download-Angebote. Der Betreiber dieser Seite wende einen fiesen Trick an, um den von ihm verlinkten Seiten die Werbeeinnahmen zu stehlen. Zu Deutsch: ein Betrüger, der Betrüger betrügt.

Willkommen im Schmuddel-Web: Wo windige Webmaster neben geklauter Pornografie und raubkopierter Film- und Musikware gern auch an ertrickster Markenwerbung verdienen. Ihren Besuchern Tracking-Cookies, Trojaner und andere Schadsoftware unterschieben. Oder ihre Seiten überhaupt nur betreiben, um Werbegelder von zahlenden Kunden zu kassieren, für die sie nie eine Leistung erbracht haben. Der ach so heiße Tipp am Telefon ist keiner, das Phänomen seit langem bekannt. Gut möglich, dass da nur eine Krähe der anderen das Auge aushacken will.

Oder verpfeift sich da jemand selbst, um per Presse mehr Seitenaufrufe zu bekommen? Pech gehabt, wir nennen keine Namen, keine Internetadressen. Einen Bericht ist die Sache trotzdem wert: Zum einen, weil es um einen besonders krassen Fall geht. Zum anderen, weil die Affiliate-Branche das zugrunde liegende Problem kennt, seit sie Ende der Neunziger ihren Siegeszug begann. Unter Kontrolle bekommt sie es nicht.

Kritiker hämen, das liege daran, dass zu viele Beteiligte von diesen Tricksereien profitierten. Es gebe unseriöse Affiliate-Netzwerke, die sich selbst an Betrugsmaschen beteiligten und andere, die sie ignorierten, weil sie daran mitverdienten. Selbst auf Seite der zahlenden Kunden drücke man oft mehr als ein Auge zu: lieber überhöhte Werbegelder bezahlen, als keinen Werbeerfolg nachweisen zu können. Auch, wenn der nur virtuell ist.

Seit Ende März gibt es eine als seriös geltende Schätzung, wie viel Schaden da jährlich in Deutschland entstehe: 82 Millionen Euro durch erschlichene Provisionszahlungen für nicht erbrachte Leistungen im letzten Jahr. Geld, das von seriösen Firmen gezahlt wird und allein Kriminellen zugutekommt.

Das Modell Affiliate: Gute Methode - mit besten Missbrauchsmöglichkeiten

Affiliate-Marketing ist eine gute Methode für Werbende, relativ preiswert sehr viele potentielle Kunden auch auf kleinen Web-Seiten zu erreichen. Affiliates sind eine Art Makler, die Werbeanzeigen an breit gestreute Web-Seiten verteilen. Problematisch daran ist, dass oft sehr viele Partner an dem Prozess beteiligt sind, ein Überblick darüber, ob die Werbemittel seriös eingesetzt und verrechnet werden, also nur schwer zu behalten ist. So sieht das normalerweise aus:

Normale, mehrstufige Werbebuchung über Affiliate-Netzwerke
SPIEGEL ONLINE

Normale, mehrstufige Werbebuchung über Affiliate-Netzwerke

Das ist ein gutes Modell, wenn alle Beteiligten sauber arbeiten. Was aber, wenn Glieder dieser Kette nicht vertrauenswürdig sind?

Die wahrscheinlich häufigste Affiliate-Betrugsmasche geht von den Web-Seiten aus, die als Werbeplattformen der Affiliates dienen. Sie kassieren Provisionen für gezeigte Werbung oder für Verkaufsvorgänge, die auf das Zeigen einer Werbung folgen. Überprüft und dokumentiert wird das über Cookie-Dateien, die für einen begrenzten Zeitraum Informationen speichern, die später vom Online-Händler ausgelesen werden können. Die wichtigste Information darin: Auf welcher Web-Seite hat der Internetnutzer die Werbung gesehen, die ihn zum Shop führte?

Besucht nun ein Internetnutzer in den Tagen, nachdem er so einen Cookie bekam, einen Shop und kauft dort ein, erhalten das Affiliate-Netzwerk und die Web-Seite, auf der die Werbung dafür gezeigt wurde, eine Provision.

Im Betrugsfall auch dann, wenn die Werbung nicht gezeigt wurde: Es reicht, dass das Cookie verteilt wird. "Cookie Spreading" ist eine von vielen Bezeichnungen dieser Betrugsmasche. Sie macht aus einer Anzeige irgendwo im Web, die von wenigen gesehen wird, eine virtuelle Vielzahl, weil sich im Extremfall Tausende den dieser Anzeige zugeordneten Cookie fangen. Die Zeche dafür zahlt der Werbekunde, der die Anzeige in Auftrag gegeben hat, ohne dafür eine Leistung zu erhalten.

Erfolgversprechend ist das nur, wenn Cookies für ganz große, seriöse Shops verteilt werden - Markenartikler, große Versandhäuser, populäre Elektronikmärkte. Dann sorgt allein die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Internetnutzer dort einkaufen wird, für Umsätze auf Seiten der Betrüger: Sie kassieren oft fünf bis zehn Prozent Verkaufsprovision.

Die Masche mit dem iFrame

Es gibt Web-Seiten, die nur existieren, um solche Cookies zu verteilen. Verpackt werden die in sogenannten Inline-Frames ("iFrames"), die für den Nutzer unsichtbar bleiben: In der Regel sind das auf die Größe von einem oder wenige Pixel definierte Rahmen, die Inhalte von einer anderen Web-Adresse importieren. In den letzten Jahren spielen hier alternativ auch Skripte eine zunehmende Rolle.

Man ruft also parallel zur eigentlich angewählten Web-Seite weitere Adressen auf, ohne das zu bemerken - in diesen Betrugsfällen tragen diese Adressen Werbung, die der Umworbene aber nie zu Gesicht bekommt. Dabei wird der Cookie übertragen, der beim Betrüger für Umsatz sorgt, sollte der Web-Seiten-Besucher in den folgenden, üblicherweise bis zu 30 Tagen shoppen gehen.

Ein altes, gern aber totgeschwiegenes Problem. Im "Code of Conduct", dem Business-Kodex, den sich die Abteilung Affiliate Marketing des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) im Februar 2009 gab, heißt es nicht von ungefähr an zweiter Stelle: "Es muss ein Werbemittelkontakt (durch Click oder View) mit dem Endnutzer stattfinden, um ein Cookie setzen zu dürfen." Im Sommer 2009 erweiterte der BVDW seinen Kodex um weitere Selbstverpflichtungen, die gezielt gegen Affiliate-Betrug gerichtet sind.

Affiliates in der Werbestatistik: Kleiner Anteil, aber hochprofitabel
OVK / BVDW

Affiliates in der Werbestatistik: Kleiner Anteil, aber hochprofitabel

Der Kampf ums Image der Affiliates gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Neben den seriös arbeitenden Netzwerken gibt es zu viele schwarze Schafe, die unter gleicher Bezeichnung firmieren: Schätzungen zufolge wandert jeder siebte Euro, der hierzulande für Affiliate-Werbung ausgegeben wird, in die Taschen von Betrügern. Der BVDW hält seit 2011 mit einer Qualitäts-Zertifizierung dagegen, die vertrauenswürdige Netzwerke als "Affiliate Marketing Trusted Agency" auszeichnet. Es ist ein international konzertierter Versuch, die nach wie vor boomende Branche aus dem Sumpf zu ziehen, in dem sie zumindest mit einem Fuß steht.

Ganz besonders tief ist der offenbar auf der Topsite-Linkliste, auf die uns der anonyme Anrufer hinwies. Solche Banner-Listen sorgen dafür, dass Schmuddelseiten der harten Sorte überhaupt gefunden werden. Sie verbessern auch deren Auffindbarkeit durch Suchmaschinen, weil sie externe Links auf solche Angebote setzen.

Das alles scheint so wertvoll für die Webmaster der Finsterecken zu sein, dass sie mitunter ignorieren, wenn sie selbst abgezockt werden: Bereits seit 2008 setzt diese windige Website, auf die man uns hinwies, ein Skript ein, das die Cookies der verlinkten Seiten kapert und an deren Stelle dann Umsatz macht. In aller Regel dürfte allerdings auch das, was diese bestohlenen Seiten an Werbung und iFrames bieten, nicht auf regulären Wegen dahin gekommen sein.

Vielleicht wehrt sich deshalb niemand? Wer selber klaut, der klagt auch nicht. Stattdessen macht das miese Beispiel Schule. In einem Webmaster-Forum der finsteren Sorte fragt einer: "Wo krieg ich so ein Skript her, wie das, das die da nutzen?"



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Seite 1
Lexington67 09.04.2012
1.
Zitat von sysopCorbisPorno- und Warez-Seiten sind die unseriösen Finsterecken des Web. Ihr Geld machen sie unter anderem mit ertrickster Werbung und damit, Leistungen vorzutäuschen, die sie nicht erbringen. Im Extremfall beklauen sie sich einfach gegenseitig - und die Zeche zahlen seriöse Unternehmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825196,00.html
Wenn es nichts kostet, bist du die Ware (Deine Aufmerksamkeit oder im schlimmeren Fall deine Resourcen wenn man die einen Trojaner untergejubelt hat) Und das gilt nicht nur im Schmuddelweb, oder was glaubt ihr wie sich Google, Facebook oder GMX finanzieren?
Pizza No.7 09.04.2012
2. Goldgräberstimmung
Zitat von sysopCorbisPorno- und Warez-Seiten sind die unseriösen Finsterecken des Web. Ihr Geld machen sie unter anderem mit ertrickster Werbung und damit, Leistungen vorzutäuschen, die sie nicht erbringen. Im Extremfall beklauen sie sich einfach gegenseitig - und die Zeche zahlen seriöse Unternehmen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825196,00.html
Sicher, aber die Internet-Industrie ist ja noch jung. Auch als vor über 100 Jahren die ersten Filme aufgeführt wurden, ging es häufig um Schmuddelware. Warten wir die nächsten 50 Jahre einfach entspannt ab. In der Zwischenzeit werden sich einige besonders Findige auf halblegalen Wegen sicherlich ein hübsches Leben aufgebaut haben. Warum denn auch nicht? Wo gibt es denn noch eine Goldgräberstimmung, außer im Internet?
andersgefragt 09.04.2012
3. Warum wird Geld an Dritte bezahlt?
Warum Werbegelder an (unseriöse) Dritte fließen, die sozusagen nur Cookie-Schleudern betreiben, habe ich noch nicht verstanden. Es gibt doch gar keine vertragliche Verbindungen zwischen diesen und den Affiliate-Marketing-Agenturen bzw. ihren Auftraggebern. Wenn ich einer Prospekverteilagentur Flyer klaue, sie nicht verteile und dann später zu der Verteilagentur gehe um Zustellgeld zu kassieren, lacht die mich doch aus. Sie lacht mich sogar aus, wenn ich die Flyer wirklich verteilt habe. Und wer hindert die Auftraggeber an Kontrollen? Einfach selber durchs Web surfen zu lassen und danach zu schauen, welche geklauten Cookies man sich einfängt und diese dann nicht mehr zu bezahlen?
Flari 09.04.2012
4.
Zitat von andersgefragtWarum Werbegelder an (unseriöse) Dritte fließen, die sozusagen nur Cookie-Schleudern betreiben, habe ich noch nicht verstanden. Es gibt doch gar keine vertragliche Verbindungen zwischen diesen und den Affiliate-Marketing-Agenturen bzw. ihren Auftraggebern. Wenn ich einer Prospekverteilagentur Flyer klaue, sie nicht verteile und dann später zu der Verteilagentur gehe um Zustellgeld zu kassieren, lacht die mich doch aus. Sie lacht mich sogar aus, wenn ich die Flyer wirklich verteilt habe. Und wer hindert die Auftraggeber an Kontrollen? Einfach selber durchs Web surfen zu lassen und danach zu schauen, welche geklauten Cookies man sich einfängt und diese dann nicht mehr zu bezahlen?
Also haben Sie tatsächlich nichts verstanden.. Selbstverständlich gibt es die vertraglichen (Ver)Bindungen über diverse Ecken. Ohne diese könnte ja auch kein Geld fliessen.
alangasi 09.04.2012
5. Affiliate?
Wusste gar nicht das es noch jemanden gibt der auf diesen alten Esel setzt! Jedermann der auf ein einigermaßen seriösen Geschäftsmodell setzt tut gut daran um die ganze Brache einen Riesenbogen zu schlagen.... Wenn ich mir nur allein die Grafik anschauen und sehe, wie viele schon im "seriösen" Fall bei einem "Klick und Kauf" die Hand aufhalten.... Woher soll das Geld denn nur kommen? Dazu kommen weiter Aspekte: 1. Kein Mensch klickt heute noch auf Banner. 2. Dank SocialCommerce und Co. ist "sinnvolle" Werbung heuten für niemanden mehr ein Problem. Zusammenfassung: Affiliate ist per se Trickserei...
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