Autocomplete-Funktion Bettina Wulff und Google einigen sich

Google hat sich mit der Frau des Ex-Bundespräsidenten auf einen Vergleich geeinigt. In dem Rechtsstreit ging es um Begriffe wie "Prostituierte", die automatisch bei einer Suche nach dem Namen Bettina Wulff vorgeschlagen wurden.

Bettina Wulff (Archivbild): Gegen 43 Wortkombinationen geklagt
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Bettina Wulff (Archivbild): Gegen 43 Wortkombinationen geklagt


Bettina Wulff und der Suchmaschinenkonzern Google haben ihren Streit beigelegt. Zur Erinnerung: Es ging darum, welche weiteren Vorschläge die Suchmaschine ihren Nutzern anbietet, wenn man den Namen "Bettina Wulff" ins Suchfenster eintippt.

Im Fall der ehemaligen First Lady erschienen dabei Begriffe wie etwa "Rotlichtvergangenheit", "Escort" oder "Prostituierte". Dagegen war die Frau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff juristisch vorgegangen, vor dem Landgericht Hamburg klagte sie gegen 43 Wortkombinationen der Autocomplete-Funktion. Man habe sich außergerichtlich geeinigt, teilten Wulffs Anwälte und Google nun mit.

"Wir haben unsere Autocomplete-Richtlinien in Bezug auf Beschwerden zu automatischen Vervollständigungen von Personennamen überarbeitet", kommentiert Google-Sprecher Klaas Flechsig. Dies sei schon vor einigen Monaten geschehen. "Auf dieser Grundlage haben wir die fraglichen Ergänzungen entfernt." Mittlerweile sind die Suchvorschläge im Fall Wulff tatsächlich wieder harmlos: Bei einem Test am Donnerstag erschienen bei der Suche nach "Bettina Wulff" unter anderem die Begriffe "Kommunikation", "Freund", "Buch", "Größe", "Tattoo", "Facebook" - und, vermutlich wegen des Rechtsstreits, auch "Google".

Mit den Änderungen sei eine gerichtliche Entscheidung unnötig geworden, teilte Wulffs Anwalt Simon Bergmann mit. Die beanstandeten Wortkombinationen würden auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr angezeigt. "Damit konnte Frau Wulff ihre Grundsatzklage wegen der durch die Autocomplete-Funktion erfolgten Verbreitung zahlreicher haltloser Gerüchte in der Sache erfolgreich zum Abschluss bringen."

Der Bundesgerichtshof hatte 2013 entschieden, dass Google automatisch ergänzte Suchvorschläge löschen muss, wenn sie direkt Persönlichkeitsrechte von Nutzern verletzen. Google hat ein Formular ins Netz gestellt, mit dem sich Nutzer beim Internetkonzern beschweren können, etwa über die "Autovervollständigung". Man sei jetzt etwas offener für solche Beschwerden geworden, sagte Google-Sprecher Flechsig. Wie viele Beschwerden eingegangen seien, ließ er offen.

juh/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Petersbächel 15.01.2015
1.
Bescheuert. Entweder zeigt der Google-eigene Algorithmus das Ergebnis oder nicht. Netz sollte neutral sein.
wi_hartmann@t-online.de 15.01.2015
2. Frau B. Wulf
Juristisch war der Fall von Anfang an klar.
gbpa005 15.01.2015
3.
Zitat von PetersbächelBescheuert. Entweder zeigt der Google-eigene Algorithmus das Ergebnis oder nicht. Netz sollte neutral sein.
Das Netz sollte neutral sein, aber kein rechtsfreier Raum. Manchmal kollidieren verschiedene Grundrechte und man muss sich entscheiden, welches höher wiegt. Völlig unabhängig von der Person in diesem Artikel: Ich persönlich finde es gut, wenn nicht beliebig über Suchmaschinen Gerüchte verstärkt werden können.
"Armenhaus" 15.01.2015
4. Nebelkerzen
Die "Wahrheitsfindung" gegenüber peinlicher ( bzw. peinlichberührter Politsubjekte ala Wulff& Wulff wird nun zu deren Gunsten geschönt.- Verstehe, weils der BettTina nicht passt wird die "Autocomplete"-Funktion von Google zum "Sündenbock" erklärt und darf statt "Hure" nur noch "Heilige" anzeigen ..- Hmmm; verstehe -na dann gute Nacht, -wird wirklich Zeit Deutschland zu verlassen ..- Danke SPON !!
flupso 15.01.2015
5. Unregeluliert / unmoderiert funktioniert die Welt nicht
Das gilt für das "Netz" genauso wie letztlich auch für den ungezügelten Kapitalismus. In der Tat ist es nicht klar, wo genau für einzelne die Grenze liegt - aber einfach nur einen Häufigkeitsalgorithmus auf die Welt loszulassen und damit Rufmord zu betreiben, geht gar nicht. Dass Google also eine Moderation einbaut, die nach menschlichem Ermessen bewertet, ob jeweils Grenzen überschritten werden oder nicht und dafür auch einen Prozess implementiert hat, kann nur ein guter und richtiger Schritt sein. Diesen Streit hat Bettina Wulff für uns alle gewonnen. Danke - ich hoffe, ich brauche das niemals selbst in Anspruch zu nehmen.
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