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Bewerbungsverfahren: US-Stadtverwaltung fordert Netz-Passwörter von Jobsuchenden

Facebook, Google Mail, YouTube - eine US-Stadtverwaltung möchte von Bewerbern um öffentliche Jobs gerne deren Passwörter zu solchen und ähnlichen Web-Diensten haben. Als die Regelung nun - nach Jahren - öffentlich wurde, brach ein Sturm der Entrüstung los.

Wer sich für einen Job bei der Stadtverwaltung von Bozeman im US-Bundesstaat Montana bewirbt, sollte ein sehr offener Mensch sein. Bewerber müssen neben den üblichen Unterlagen auch ein Formular ausdrucken und unterschreiben, das es den Behörden dort erlaubt, sogenannte Background Checks durchzuführen - also sich etwa bei vorigen Arbeitgebern nach dem Bewerber zu erkunden. Eine Passage dieses Formulars erregt derzeit die Gemüter: "Bitte listen Sie hier alle gegenwärtigen persönlichen oder geschäftlich genutzten Websites oder Mitgliedschaften bei Internet-basierten Chatrooms, sozialen Clubs oder Foren auf, einschließlich, aber nicht beschränkt auf: Facebook, Google, Yahoo, YouTube.com, MySpace, etc."

Formular der Stadtverwaltung von Bozeman: Passwörter und Nutzernamen erfragt

Formular der Stadtverwaltung von Bozeman: Passwörter und Nutzernamen erfragt

Dann folgen ein paar Leerzeilen, auf die der hoffnungsvolle Bewerber nicht nur die genaue Adresse all seiner Internet-Profilseiten schreiben soll - sondern auch seine Benutzernamen und Passwörter. Das widerspricht nicht nur den Nutzungsbedingungen der meisten der genannten Dienste, sondern auch allem, was man schon Schulkindern über Sicherheit im Zusammenhang mit dem Internet beizubringen versucht.

Seit ein lokaler Fernsehsender vergangene Woche über das reichlich weitgehende Informationsbedürfnis der Stadtverwaltung von Bozeman berichtete, steht dort einem Bericht von ABC News zufolge das Telefon nicht mehr still. Ein Mitglied der sogenannten City Commission erklärte auf Anfrage des Senders, man habe "keine Ahnung gehabt", dass "die Background Checks so weit gehen". Die Forderung greife jedoch "übetrieben in die Privatsphäre ein", das sei "nicht angezeigt", und man werde sich "sofort" mit dem Thema auseinandersetzen müssen.

Der Chef der Stadtverwaltung Chris Kukulski erklärte auf Anfrage des Senders, seines Wissens sei die betreffende Passage bereits seit drei Jahren in Kraft. Man schließe jedoch Bewerber nicht aus, die sich weigerten, ihre Passwörter anzugeben, es handele sich gewissermaßen eher um eine "kann" als eine "muss"-Regelung. Es habe aber, gab Kukulski zu, wohl "keine gründliche Debatte innerhalb der Verwaltung" über die betreffende Passage gegeben.

Man sei aber durchaus der Meinung, so Kukulsi weiter, dass Beamte, die ja unter besonderer öffentlicher Beobachtung stünden, besonders gründlich überprüft werden müssten, "um sicherzustellen, dass diese Leute nichts irgendwo da draußen haben, das die Öffentlichkeit in Sorge versetzen würde."

Die City Comission, die fünf Mitglieder hat, kann die Regelung mit einer einfachen Mehrheit rasch ändern - und das wird nun vermutlich geschehen. ABC News zufolge haben sich außer dem oben zitierten Mann bereits zwei weitere Mitglieder konsterniert über den Wunsch der Verwaltung nach Online-Passwörtern geäußert. Schon am heutigen Montag könnte die Entscheidung fallen, die entsprechende Passage zu streichen.

Kommissionsmitglied Jeff Krauss schrieb dem Bericht zufolge in einer E-Mail: "Würde die Stadtverwaltung auch in die Wohnungen der Bewerber eindringen, um ihre Post zu durchwühlen? Würde Sie auch die Erlaubnis wollen, ihre Telefone abzuhören?"

cis

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