Bezahlinhalte im Netz "Times Online" wird vollständig kostenpflichtig

Rupert Murdoch hatte es vollmundig angekündigt, jetzt macht der Medienzar ernst: Mit der Web-Seite der Londoner "Times" soll das erste Angebot aus dem News-Corp.-Imperium im Netz komplett kostenpflichtig werden.

"Times Online": Bald nur noch gegen Bares

"Times Online": Bald nur noch gegen Bares


London - Neben der "Times" soll offenbar auch das Schwesterblatt "Sunday Times" im Netz hinter einer Bezahlwand verschwinden. Schon ab dem kommenden Frühjahr soll ein 24-stündiger Zugang zur Web-Seite umgerechnet einen Euro kosten, ebensoviel wie die Zeitung auch auf Papier kostet. Dafür bekommt der Leser aber nicht nur ein E-Paper der aktuellen Tageszeitung - das bietet die "Times" auch jetzt schon an, für 2,50 britische Pfund - sondern eine über den Tag hinweg aktualisierte Nachrichten-Web-Seite. Auch ein Internetabonnement für die "Times" soll es geben - was das kosten soll, ist aber noch unbekannt.

"Times"-Chefredakteur James Harding hatte die überraschende Nachricht auf einer Fachkonferenz der britischen Journalistenvereinigung Society of Editors verkündet. Der "Guardian" hatte schon kurz zuvor spekuliert, der Schritt hin zu einem komplett kostenpflichtigen Angebot bei der "Times" könne unmittelbar bevorstehen.

"Times" und "Sunday Times" sollen dem Fachdienst paidcontent.org zufolge jeweils eigene Web-Seiten bekommen. Unklar war dem Bericht zufolge noch, ob auch die "Sunday Times" vollständig oder nur in Teilen hinter einer Bezahlwand verschwinden soll. Ebensowenig wurde mitgeteilt, was den Rest der Woche dort geschehen soll.

Der australische Medienmogul Rupert Murdoch, dem die "Times" gehört, hatte für sein Imperium ein Ende ausschließlich kostenloser Internetinhalte angekündigt. Murdochs "Wall Street Journal" verlangt bereits Geld für Wirtschaftsnachrichten im Internet - schon bevor Murdoch es kaufte, war das "WSJ" eine der wenigen Zeitungen, die im Netz tatsächlich Geld von ihren Lesern kassierte und damit auch erfolgreich war. "Times Online" ist das erste Murdoch-Medium, das diesen Schritt komplett vollziehen soll - womöglich also ein Testballon für den Rest des Murdoch-Reiches. "Wir kämpfen ums Überleben, und wir müssen sehr deutlich machen, dass das, wofür wir kämpfen, Berichterstattung ist", sagte Harding.

Murdoch hatte kürzlich in einem Interview mit seinem eigenen Sender Sky Australia sogar in Aussicht gestellt, man werde Google aus den eigenen Angeboten aussperren, also durch eine entsprechende Passage im Web-Seiten-Quelltext dafür sorgen, dass die Algorithmen der Suchmaschinen die News-Corp-Web-Seiten nicht mehr durchsuchen können. Seiten aus diesen Angeboten würden dann auch nicht mehr in Google-Trefferlisten auftauchen. Murdoch hat Google wiederholt dafür kritisiert, die Suchmaschine profitiere unverdient von der Arbeit von Zeitungsverlegern und Journalisten. Vielerorts wurde daraufhin Kritik laut - selbst das "Wall Street Journal" bekommt TechCrunch zufolge 25 Prozent seines Netz-Traffics von Google.

"Times Online" hat den Marktforschern von ABCe zufolge im Juli gut 21 Millionen Unique Visitors erreicht, eine Zahl, die für ernstzunehmende Profite im Netz kaum ausreichend ist. Das gedruckte Blatt hat paidcontent.org zufolge eine Auflage von 1,21 Millionen.

Auf dem britischen Zeitungsmarkt kriselt es kräftig, seitdem die Werbeeinnahmen infolge der Wirtschaftskrise eingebrochen sind. Der russische Investor Alexander Lebedev hatte sein Londoner "Evening Standard" erst vor einem Monat auf ein Gratisblatt umgestellt.

cis/dpa

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