Beziehungsnetz Facebook schrumpft die Welt

Jeder Mensch kennt jeden über sechs Ecken - oder? Vor mehr als 50 Jahren wurde diese Theorie aufgestellt, nun wollen Forscher endlich Gewissheit. Ein riesiges Experiment soll den Beweis liefern, Facebook macht's möglich.


Kennen Sie diesen Mann? Er trägt ein schwarzes T-Shirt, hat eine Brille, wohnt im indischen Bangalore und heißt Venkatesh. Sollten Sie ihn nicht kennen - kennen Sie vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der Venkatesh kennen könnte? Denn das ist das Ziel dieser Online-Schnitzeljagd: Über höchstens sechs weitere Menschen an eine zufällig ausgewählte Zielperson heranzukommen. Venkatesh ist einer, der freiwillig an diesem Experiment teilnimmt.

Forscher des Internetkonzerns Yahoo wollen mit Hilfe von Facebook das sogenannte Kleine-Welt-Phänomen überprüfen. Jeder Mensch soll demnach mit jedem anderen über maximal sechs Bekannte verbunden sein. Wenn die These stimmt, müsste man Venkatesh über wenige Zwischenschritte erreichen.

Die Idee der weltweiten Vernetzung geht auf den amerikanischen Psychologen Stanley Milgram zurück. Er war bereits 1967 davon überzeugt, dass aufgrund neuer Kommunikations- und Transportmittel das soziale Netz eines jeden Menschen erweitert wird und räumliche Entfernung kaum noch eine Rolle spielt. Als Beweis sollten damals 296 Personen Briefe an eine ihnen unbekannte Person schicken - ans Ziel sollten die Schreiben gelangen, indem die Testpersonen ihren Brief an jemanden sendeten, der die Zielperson kennen könnte. Sechs Mal wurde der Brief meist weitergeschickt, bevor er ankam - wenn überhaupt.

Weil nur sehr wenige dieser Briefketten tatsächlich zu Ende geführt wurden, steht die Beweiskraft von Milgrams Experiment seit jeher in der Kritik. So war das Kleine-Welt-Phänomen zwar ungenügend bewiesen, hörte jedoch nie auf, Soziologen zu faszinieren. Ein neues, besseres Experiment soll nun die These endlich bestätigen.

Jeder kann zur Zielperson werden

Yahoo-Forscher rekrutieren über eine Website freiwillige Helfer, die sich auf die Suche machen. Dazu bekommt man eine zufällig ausgewählte Person vorgeschlagen, nach der man bei seinen Facebook-Kontakten nachfragen soll - die dann wiederum weiterfragen, bis eine Beziehungskette hergestellt ist. Festgehalten wird die Anzahl der Schritte bis zum Ziel. Sind es durchschnittlich sechs, hat Milgram Recht.

Für die Anmeldung zum Experiment macht übrigens jeder seine Facebook-Daten im Dienste der Wissenschaft auch Dritten zugänglich. Allein das könnte Nutzer abschrecken. Ob das Experiment gelingt, hängt außerdem von der Bereitschaft der Facebook-Freunde ab. Mindestens einer muss schließlich die Nachricht, die zum Ziel führen soll, auch weiterleiten. Reißt die Kette ab, hat auch dieses Experiment Milgrams Theorie nicht bewiesen.

Die Vernetzung im Internet fasziniert nicht nur die Yahoo-Forscher: Bereits vor einigen Jahren haben Microsoft-Wissenschaftler versucht, Milgrams Theorie zu belegen. Die Datenauswertung von Instant-Messenger-Nutzern hat gezeigt, dass jeder ungefähr über sechs bis sieben Ecken mit dem Rest der Menschheit verbandelt ist. Womit die These zumindest für chattende Computernutzer bewiesen wäre.

Das neue Experiment startet nun unter guten Voraussetzungen: Mit Facebook, das weltweit mehr als 750 Millionen Nutzer hat, steht nun die bisher größte Testgruppe zur Verfügung, die untereinander mit wenigen Mausklicks kommunizieren kann.

isb

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
makutsov 19.08.2011
1. Mäh, Facebook in den Titel = Hype
Die Small-World Hypothese wurde hunderte Male in Studien betrachtet und in diversen Netzwerken, auch online, analysiert. Ich freu mich schon auf die nächste Ladung von Onlinespam von "Suchenden". So ein Publicitymist.
sverris 19.08.2011
2. wer
Zitat von makutsovDie Small-World Hypothese wurde hunderte Male in Studien betrachtet und in diversen Netzwerken, auch online, analysiert. Ich freu mich schon auf die nächste Ladung von Onlinespam von "Suchenden". So ein Publicitymist.
stimmt. Gab mal einen Film drüber, "Six degrees of separation" glaub ich. Ansonsten: who cares? Über Beziehungsqualitäten sagt das alles nichts. Und was ist der Nutzen von hunderten "Bekannten"? Also: Die Welt schrumpft nicht, sondern die Hirne.
forkeltiface 19.08.2011
3. seh ich genauso
Für Facebook wäre es doch ein Leichtes, mal eben einen entsprechenden Algorithmus über ihre Nutzerdatenbank laufen zu lassen und schwupps hätte man eine Durchschnittszahl.
seine_unermesslichkeit 19.08.2011
4. ...
Wenn ich die 6.Wurzel aus der Erdmenschenanzahl(ca. 6,5Millarden) ziehe ergibt das etwa 43. Wenn ich also jemanden kenne, der mindestehns 43 andere kennt, die ich nicht kenne, von denen wiederum einer mindestens 43 kennt, die weder ich noch mein Bekannter kennt usw. usf...., dann sollte es funktionieren, dass über 6 Ecken jeder jeden kennt!
Serenity 19.08.2011
5. Xing
Bei Xing gibt es eine Funktion, über welche Kontakt könnte ich Person X kennen? Im Grunde liegen die Daten ja bei Facebook. Sprich, die Facebook-Leute könnten das mit einer (noch nicht einmal sonderlich komplizierten) Datenbanksuche überprüfen. Es könnte sogar die Anonymität gewahrt bleiben, denn Facebook müsste die Zwischenkontakte ja nicht einblenden. Damit ließe sich das "Kleine Welt"-Phänomen innerhalb eines Nachmittages bestätigen.
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