Big Brother Award Negativ-Preis für Schnüffler

Seit 1998 wird in Großbritannien der "Big Brother Award" an Personen und Institutionen vergeben, die sich um die Beeinträchtigung der Privatsphäre von Menschen "verdient" gemacht haben. In diesem Jahr wird der Award erstmals auch in Deutschland vergeben.

Von Fiete Stegers


Symbolträchtiges Bild: Der seit 1998 vergebene britische "Big Brother Award". An einer deutschen Trophäe wird noch gearbeitet
Privacy.org

Symbolträchtiges Bild: Der seit 1998 vergebene britische "Big Brother Award". An einer deutschen Trophäe wird noch gearbeitet

Vorbilder für den deutschen Award, den ein Bielefelder Verein von Computeraktivisten in diesem Jahr erstmals vergibt, sind Großbritannien, die USA und Österreich. Dort gewannen im letzten Jahr eine Direktmarketing-Firma, Microsoft Österreich und Europaabgeordnete, die der Enfopol-Abhörinitiative zugestimmt hatten.

Erstmals wurde ein "Big Brother Award" 1998 von der britischen Bürgerrechtsorganisation Privacy International vergeben: Anlass war der 50. Erscheinungstag von George Orwells düsterer Zukunftsvision "1984".

Im letzten Jahr wurde das Konzept in den USA und Österreich übernommen. Wie jede ordentliche Gala fand die Wiener Preisverleihung in festlichem Rahmen statt und gliederte sich in unterschiedliche Kategorien wie Behörden, Business oder Lifetime Award. Für seine Lebensleistung "ausgezeichnet" wurde der österreichische Innenminister Karl Schlögl, den die Jury für Eingriffe in Redaktionsgeheimnisse und die Beeinträchtigung des Schutzes persönlicher Daten verantwortlich machte. Zusätzlich zu den von der Jury gekürten Preisträgern gab es noch eine Kategorie, in der Volkes Stimme entschied. Dort lag Microsoft Österreich klar vorn.

Der deutsche Organisator FoeBuD e. V. will hingegen vermeiden, dass der Preis durch die Nominierung eines populären "Feindbildes" an Ansehen verliert. Das erklärte Netzkünstler "Padeluun" für den Verein, der ausgeschrieben den umständlichen Titel "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs" trägt und sich Themen wie Nutzerfreundlichkeit, den sozialen Folgen des Computereinsatzes und der Netzkunst verschrieben hat. Um dem Preis möglichst breites Ansehen zu verschaffen, versucht FoeBuD zur Zeit noch, als Mitveranstalter andere Organisationen zu gewinnen, die sich im Bereich Bürgerrechte und Datenschutz engagieren.

Verliehen werden soll der erste deutsche Big Brother Award voraussichtlich im Oktober in Bielefeld. Die Trophäe selbst ist noch in Arbeit. Nominierungen für die Empfänger werden aber jetzt schon entgegengenommen: per E-Mail an bba@foebud.org.



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