Bildbearbeitung: Adobe verschenkt Web-Photoshop - und grabscht nach Bildrechten

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Online-Fotoaufhübscher machen klassischer Bildbearbeitung Konkurrenz. Platzhirsch Adobe hält mit einem eigenen Gratis-Webprogramm dagegen. Photoshop Express soll im Netz Amateurknipser locken. Der Haken: Adobe sichert sich per Nutzungsbedingung Rechte an den Fotos der Mitglieder.

Geld muss man nicht bezahlen für die neue Online-Bildbearbeitung Photoshop Express: Zwei Gigabyte Speicherplatz, grundlegende Bearbeitungsfunktionen, eine im Web so noch nie gesehene Bedienung - das gibt es bei Adobe alles für lau. Doch ganz ohne Gegenleistung bekommt man dieses Angebot nicht.

Bei der Registrierung für Photoshop Express muss der Nutzer wie bei fast jedem Online-Dienst umfangreichen Geschäftsbedingungen zustimmen. Skeptisch macht die Formulierung, man stimme hier auch allen anderen, "per Verweis eingeschlossenen" (im englischen Original: "incorporated by reference") Dokumenten zu. Nach zwei Klicks und viel Scrollen ist man dann beim Eingemachten: "Nutzung ihrer Inhalte". Da lässt sich Adobe für alle über den Photoshop-Dienst zum Beispiel in Bildergalerien veröffentlichten Fotos unter anderem diese Rechte weltweit, wenn auch nicht exklusiv einräumen. Adobe darf:

  • mit öffentlichen Fotos der Nutzer "Einnahmen erzielen".
  • diese Bilder "reproduzieren, verändern, veröffentlichen" und in "anderen Materialien oder Arbeiten in jedem Format und Medium" verwenden
  • das Bildmaterial "an Dritte weiterlizenzieren"

Diese Lizenz

  • lässt sich Adobe weltweit einräumen.
  • gilt "unbefristet" und "unabänderlich".
  • gewährt der Lizenzgeber, ohne dafür Gebühren zu erhalten.

Adobe darf Nutzerfotos weiterverkaufen

Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu diesen Klauseln konnte Adobe bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantworten. Möglicherweise sichert sich Adobe über diese Klausel nur eine Weitergabe von Screenshots an Agenturen zwecks Werbung für Adobe ab.

Auf Basis dieser Geschäftsbedingungen ist es aber auch denkbar, dass Adobe nach einigen Monaten eine Bilddatenbank einrichtet, wo Magazine die öffentlichen Fotos von Photoshop-Express-Nutzern kaufen können - und allein Adobe dafür Geld bezahlen müssen. Das ist allerdings wenig wahrscheinlich, denn damit würde Adobe auf lange Zeit das Vertrauen seiner Kunden verlieren.

Trotzdem: Diese weitreichenden Geschäftsbedingungen sind ungewöhnlich. Der Online-Bilderdienst Flickr zum Beispiel greift deutlich weniger Rechte ab. In den Flickr betreffenden Geschäftsbedingungen des Mutterkonzerns Yahoo räumen Flickr-Mitglieder dem Dienst Rechte ein. Wesentliche Unterschiede zu den Adobe-AGB:

  • Flickr darf die Mitgliederfotos zwar auch "verbreiten, vervielfältigen, anpassen, öffentlich zeigen" - allerdings nur "innerhalb des Dienstes" und nur "zu dem Zweck, zu dem diese Inhalte eingestellt wurden".
  • Die eingeräumten Rechte erlöschen, sobald Mitglieder keine Fotos mehr bei Flickr einstellen.

Picnik, der stärkste Konkurrent Adobes bei der Web-Bildbearbeitung (siehe Fotostrecke unten), lässt sich überhaupt keine Bildrechte per AGB gewähren. Hintergrund: Picnik speichert die Fotos seiner Mitglieder nicht auf eigenen Servern, sondern dort, wo die Ursprungsbilder herkamen - dem Heimrechner, bei Online-Fotodiensten wie Flickr oder sozialen Netzwerken wie Facebook.

Trotz dieses Unterschieds: Picnik und Photoshop Express ergänzen einander nicht - die Dienste sind die echten Rivalen bei den Web-Bildbearbeitern. Beide richten sich an Amateurknipser, beide bieten kostenlos und online Basisbildbearbeitung.

Sammeln, Verschönern, Veröffentlichten - SPIEGEL ONLINE vergleicht die Gratis- Fotoaufhübscher Photoshop Express und Picnik.

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Fotoaufhübscher: So funktioniert das Online-Photoshop

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Bildbearbeitung: So verschönert Picnik Webfotos

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