Bilderverbrennung Das Ende der GIFs?

Am Freitag "feiert" die Open-Source-Gemeinde des Internet den "Burn all GIFs Day". Nicht, weil die Surfer plötzlich ihre Liebe zu bildlosen Textwüsten entdeckt hätten, sondern weil Patenthalter Unisys für die Nutzung von GIFs Geld sehen will.

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Die "Burnallgifs.org" ist nicht gegen Bilder - sie bezahlt sie nur nicht gern

Die "Burnallgifs.org" ist nicht gegen Bilder - sie bezahlt sie nur nicht gern

Es ist also soweit. Am Freitag, dem 5. November 1999, soll das Ende aller GIFs gekommen sein. Burnallgifs.org ruft dazu auf, sich vor dem Firmensitz in Blue Bell, Pennsylvania, zu versammeln und dort feierlich GIF-Datenträger zu verbrennen. "Ein friedlicher Event" solle das werden, unterstreicht die "Liga für Programmierfreiheit", nichts desto trotz aber auch "das Ende der ganzen Kontroverse".

Welche Kontroverse? Das amerikanische Softwareunternehmen Unisys hält seit 1985 das Patent für das "LZW"-Komprimierungsverfahren, auf dem auch das GIF-Format beruht. Populär wurde das GIF, weil der Onlinedienst CompuServe es ab 1987 zum "elektronischen Bild" schlechthin machte. GIFs sind heute im gesamten Internet verbreitet: Neben dem JPG ist GIF das einzige Format, das von ausnahmslos allen grafikfähigen Browsern ohne Einsatz von Zusatzprogrammen dargestellt werden kann - ein "Industrie-Standard".

Schnell tauchten im Web Programme auf, die zum einen GIFs erzeugen oder bearbeiten konnten, zum anderen aber über keinen Lizenvertrag mit der Firma Unisys verfügten. GIF-Software hatte sich in der Free- und Sharewareszene verbreitet. Genau hier, findet Unisys, beginnt das Problem: Schließlich verfüge das Unternehmen über Patentrechte. Davon will das Unternehmen auch etwas haben. Künftig soll jeder Webseiten-Betreiber, der GIFs einsetzt, aber keinen gültigen Lizenvertrag vorweisen kann, pauschal 5000 Dollar an das Unternehmen bezahlen.

Der Herr mit der Gasmaske engagiert sich im "Software Jihad"

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Das ist ein runder Preis, meinen die Betreiber des "Software Jihad", einer zumindest radikal tönenden Gruppe aus Linux-Userkreisen. Doch damit nicht genug: "Das hier ist ein heiliger Krieg zwischen den Kräften des Guten und den Mächten des Bösen!" Wer da wer ist, dürfte klar sein: Natürlich wird sich der "Jihad" an der GIF-Verbrennung beteiligen. Überhaupt sei das Dateiformat ja überflüssig, denn "es gibt weit bessere Produkte, für die kein Geld verlangt wird".

Das kann und will Unisys so nicht sehen. Zum einen habe sich weder die Rechtslage noch die Patent-Politik der Firma geändert. Das Unternehmen habe vielmehr das Angebot gemacht, Lizenzen für wenig Geld zu erwerben. Unternehmenssprecherin Maria Katharina Hoffmann: "Wir haben nur die Preispolitik verändert, und das auf Anfrage von Kunden." Gebühren seien durch die Nutzung von GIFs immer entstanden. "Bisher zahlten Webseiten-Produzenten eine jährliche Gebühr von 1500 Dollar. Viele Kunden kamen auf uns zu und beschwerten sich darüber: Das sei zu aufwendig. Wäre nicht eine Einmalzahlung möglich?"

Selbst dieses Angebot bezöge sich nur auf solche Web-Produzenten, die unlizensierte Software benutzten. Die meisten Softwareentwickler seien durch Verträge mit Unisys verbunden; die Lizenzgebühren für die Nutzung von GIF-Formaten somit im Preis für gängige Software-Pakete enthalten. Hoffmann unterstreicht, dass Unisys seine Rechte alles andere als aggressiv durchsetze: "In all den Jahren seit 1985 standen wir nur einmal vor Gericht. Mit der Firma Corel kam es dann aber sehr schnell zu einer gütlichen Einigung."

Unisys hält die Proteste für überzogen. "Aber friedliche Proteste sind ein demokratisches Grundrecht", so Hoffmann, "und zumindest kommt man so miteinander ins Gespräch." Niemand, der GIFs auf seiner Webseite einsetze, müsse sich nun bedroht fühlen. Hoffmann: "Wenn wir sehen, dass eine Website mit dem Einsatz von GIF-Bildern richtig Geld verdient, dann setzen wir uns freundlich mit den Betreibern in Verbindung und fragen nach, wie die Seiten produziert wurden". Im Übrigen gäbe es auch zahlreiche Share- und Freewareprogramme zur Webseiten-Gestaltung, die durch Unisys lizenziert seien. "Da reicht im Zweifelsfall die Nachfrage bei der jeweiligen Softwarefirma."

Argumente, die von den Protestlern schlicht "missverstanden" worden seien. Vielleicht wird aber auch umgekehrt ein Schuh daraus: Für Gruppen wie den "Software Jihad" gilt nach wie vor die Web-Weisheit "Information wants to be free". Was online daherkommt, darf einfach nichts kosten - ein Clash der freien Web-Kultur mit der Welt der Unternehmen. Am Freitag dem 5. November, davon gehen die Aktivisten aus, soll für das GIF-Format der Zahltag gekommen sein: Es soll für immer von der Oberfläche der virtuellen Welt verschwinden. Und wem der Weg nach Pennsylvania zu weit sei, um dort Disketten zu verbrennen, dem bleibt ja immer noch die Möglichkeit, sich mit der "Löschen"-Taste an der Verbrennung zu beteiligen. Man wird sehen...



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