Bildkritik von fokussiert.com: Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Gerader Horizont, Hochformat, Tonwertkorrektur - mit einfachen Handgriffen werden Fotos noch etwas besser. Profis vom Fachblog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch Bildbearbeitung verbessert.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Möwen im Sturm

Möwe bei New York: Auf diesem Bild steht der Horizont schräg Zur Großansicht
Daniela Popoaie

Möwe bei New York: Auf diesem Bild steht der Horizont schräg

Kommentar der Fotografin Daniela Popoaie:

Das Foto wurde auf Long Island bei New York im Robert Moses State Park im September 2010 aufgenommen. Das Licht war besonders an diesem Tag, der Himmel zeigte sich in vielen verschiedenen Blautönen, das Meer war sehr unruhig, es ging ein starker Wind und dann kamen plötzlich noch Tausende von Monarchfaltern geflogen, die auf ihrer Wanderung von den Rocky Mountains zu den Bergen der Transvolcanic Region in Zentral-Mexico unterwegs waren. Es war sehr beeindruckend. Ich wollte so viel wie möglich in einem Bild einfangen.
Profi Thomas Rathay zum Foto:

Es sind zwar eine Menge an Informationen auf dem Bild zu erkennen, trotzdem finde ich es nicht überfrachtet. Das liegt sicher daran, wie Daniela ihr Foto aufgebaut hat. Von den vielen verschiedenen Blautönen am Himmel ist zwar auf dem Bild nicht so viel zu erkennen, weil diese nicht so intensiv sind, aber durch die farbigen Fahnen am Strand entsteht doch ein guter und starker Farbkontrast.

Mich stört der schräge Horizont. Sicherlich wird dadurch die Macht der Wellen noch verstärkt. Für mich jedoch sieht es ungewollt schräg aus und ist somit in meinen Augen ein technischer Mangel. Ich möchte betonen, dass ich selber gerne schräg und dynamisch fotografiere, aber wenn es um Horizontlinien am Meer oder einem See geht, bin ich doch etwas pingelig.

Ich habe das Bild Danielas deswegen etwas gerade gerückt, und dass die Möwe nicht zu verzerrt dasteht, ist daraus ein leichtes Panoramamotiv geworden.

Bildbearbeitung: Gerader Horizont, leuchtende Farben Zur Großansicht
Daniela Popoaie

Bildbearbeitung: Gerader Horizont, leuchtende Farben

Weitere Bildkritiken auf fokussiert.com

Sturm vor Borkum

Nordsee vor Borkum: Im Querformat kommen die Sturmwolken nicht zur Geltung Zur Großansicht
Georg May

Nordsee vor Borkum: Im Querformat kommen die Sturmwolken nicht zur Geltung

Kommentar des Fotografen Georg May:

Naturschauspiel September 2012 an der Nordsee: Über der See baut sich eine Wetterfront auf, die sich innerhalb weniger Minuten mit aller Wucht zwischen den Inseln Memmert und Borkum niederschlägt.

Profi Thomas Brotzler zum Bild:

Im Vordergrund zeigt sich die See stürmisch aufgewühlt, eine Windhose beziehungsweise Gewitterfront erhebt sich darüber im Hintergrund, dramatisch unterstrichen von den blauen Grundtönen und dem starken Kontrast zwischen dunklen und hellen Tonwerten. Im linken und rechten oberen Eck findet das Bild seinen Abschluss in einigen teilweise überstrahlten Wolkenpartien.

Die Dramatik des Augenblicks mit dem bevorstehenden Unwetter teilt sich dem Betrachter so eindrücklich mit. Um das Potential der Szene ganz auszuschöpfen, würde ich noch die überbelichteten und eher ablenkenden Wolkenpartien am oberen Rand abschneiden. Wie dies durch eine einfache Formatänderung erfolgen könnte, zeigen die Beispiele bei fokussiert.com.

Nordsee-Panorama: Die Sturmwolken wirken im Quadrat stärker Zur Großansicht
Georg May

Nordsee-Panorama: Die Sturmwolken wirken im Quadrat stärker

Kälte in Schwarzweiß

Winterlandschaft: Der Schnee erscheint gräulich, die Baumstämme haben keine Zeichnung Zur Großansicht
Rainer Bachmann

Winterlandschaft: Der Schnee erscheint gräulich, die Baumstämme haben keine Zeichnung

Kommentar des Fotografen Rainer Bachmann:

Diese drei Bäume hoben sich schön vor einer frisch verschneiten Waldlandschaft ab. Dazu kam ziemlich heftiges, diffuses Seiten- bis Gegenlicht. Ich hatte das Bild im Prinzip schon in Schwarzweiß im Kopf, war mir aber ob des starken Lichts und der glitzernden Schneedecke nicht sicher, ob auch alle verschiedenen Grauwerte rüberkommen würden oder das ganze Bild in einem zu harten Kontrast "absaufen" würde. Ich bin eigentlich ganz glücklich damit und habe das Bild nicht punktuell bearbeitet, sondern lediglich den Kontrast ein wenig erhöht, so dass die drei Bäume sich schön abheben. Kann damit auch ein Profi leben?

Profi Sofie Dittmann zum Bild:

Das Bild von Rainer zeigt eine Winterlandschaft, wie man sie in ländlichen Gegenden finden kann: ein satter Nadelwald im Hindergrund und davor ein paar vereinzelte kahle Laubbäume. Die Gruppierung der Bäume ist schön getroffen, sowohl der einzelne Baum links wie auch die Gruppe auf der rechten Seite befinden sich im Goldenen Schnitt.

Alles in allem ist mir persönlich der Gesamteindruck etwas zu weich und kontrastarm. Ich habe mittels Tonwertkorrektur nun mal den Gesamtkontrast etwas erhöht und partiell die Tiefen nachbelichtet und die Lichter - also das Gegenlicht in den Bäumen - abgewedelt. Um insgesamt mehr Schärfe und somit mehr Kontrast zu erhalten, ohne dass Tonwerte verlorengehen, habe ich zum Schluss die Hintergrundebene dupliziert und darauf den Hochpassfilter im Modus "Ineinanderkopieren" angewendet und auf 20 Prozent Deckkraft gesetzt. Wie das genau funktioniert, habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Dadurch, dass sich der Raureif auf den Ästen nun deutlicher abhebt, hat man mehr den Eindruck von Kälte und Winter.

Bearbeitete Winterlandschaft: Der Schnee ist weiß, der Raureif hebt sich von den Ästen ab Zur Großansicht
Rainer Bachmann

Bearbeitete Winterlandschaft: Der Schnee ist weiß, der Raureif hebt sich von den Ästen ab

Weitere Bildkritiken auf fokussiert.com

Eine Übersicht der bisherigen Bildkritiken zeigt diese Fotostrecke:

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insgesamt 23 Beiträge
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    Seite 1    
1. Also bein ersten Strandbild
blob123y 17.03.2013
haette ich dem Lasso Tool 10 pix feather gegeben und die Schaumkronen eingekreist ein Invers gemacht und um ein Stueck mehr Kontrast gegeben und sofort sieht das wesentlich besser aus. Mit derselben Einstellung dann noch eine gute Portion Saturation und ein bisschen mehr Schaerfe und schon waehre das ein Kunstwerk, so wie es hier ist ist's doch ziemlich flach und flau.
2. Bilder vertauscht?
dt1011047 17.03.2013
Ich glaube, die beiden Bilder von Georg May werden in der falschen Reihenfolge gezeigt. Das obere, beschnittene, scheint das von Thomas Brotzler bearbeitete Bild zu sein.
3.
marthaimschnee 17.03.2013
Zum Glück sind auch Experten geschmacklich weder allmächtig noch die einzige Referenz. Ich finde zB das originale Sturmbild (wo übrigens Original und Bearbeitung vertauscht sind) gerade wegen der scharfen Wolken oben weitaus eindrucksvoller. Und bei der Winterlandschaft war der Griff in den Werkzeugkasten für meinen Geschmack etwas zu tief. Mehr Kontrast einverstanden, aber der Schnee blendet durch die Tonwertkorrektur zu stark.
4.
gronzo.granato 17.03.2013
Der Autor scheint ein Faible für ausgewaschenes Weiß/zugelaufenes Schwarz zu haben ;) Beim Sturmbild kann ich die Entscheidung verstehen, die hellen Wolken das dunkle "Loch" aus dem Bild zu nehmen. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, und ohne sie wirkt das Bild abstrackter. ABER: Meinen Blick zieht es jetzt an den rechten unteren Rand, zum fehlenden "Fuß" der Wolken, irgendwie "fehlt" da etwas. Auch ist die linke Seite jetzt relativ leer/uninteressant. MMn. wäre es besser gewesen, nur den oberen Streifen abzuschneiden ("schwarzes Loch" rechts oben) und die Wolke etwas abzudunkeln.
5.
rgom 17.03.2013
Zitat von sysopGerader Horizont, Hochformat, Tonwertkorrektur - mit einfachen Handgriffen werden Fotos noch etwas besser. Profis vom Fachblog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch Bildbearbeitung verbessert. Bildkritik: Drei Profi-Tipps für bessere Fotos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bildkritik-drei-profi-tipps-fuer-bessere-fotos-a-888948.html)
Der handwerkliche Ansatz für den Foto-Spiesser. Wenn man will, daß die eigenen Bilder "systemkonform" aussehen und so wie alle anderen der "Profis", sollte ich mich unbedingt dran halten. Nur, warum dann selbst fotografieren? Wann hört Spiegel Online auf so eine Art "Foto-Bild" sein zu wollen? Warum erfährt man als Spiegel Leser, der angeblich mehr wissen sollte, nichts über einen Winogrand, Shore, Eggleston oder einen Teller? Stattdessen gerader Horizont, Schatten müssen schwarz sein, etc.! Wenn es um Malerei geht, gibt der Spiegel Online ja auch keine Tipps zum Malen nach Zahlen.
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