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Bill Gates als IT-Berater: Die Schweiz sagt Jein zu Open Source

Die Frage, ob man in Parlamenten und Behörden eher auf Open Source als auf Microsoft setzen solle, wird auch in der Schweiz diskutiert. Gestern beriet Bill Gates führende Parlamentarier in der Sache. Ihre Antwort: Ein klares Jein.

Bill Gates hat ein Herz für offene Standards - so lang deshalb niemand auf seine Produkte verzichtet
REUTERS

Bill Gates hat ein Herz für offene Standards - so lang deshalb niemand auf seine Produkte verzichtet

Die Schweizer sind ein höfliches Volk, und wenn schon der Gründer des weltgrößten Softwarekonzerns führenden Parlamentariern und Beamten Audienz gewährt, darf er sich auf eine konstruktive Diskussion verlassen: Gestern traf sich Gates am Schweizer Firmensitz von Microsoft mit entsprechenden Delegationen.

Angeführt wurden diese von Jürg Römer, Schweizer Delegierter für die Informatikstrategie des Bundes. Dabei seien Vor- und Nachteile von offenen Standards und anbieterunabhängigen Normen in der Informationstechnologie diskutiert worden. Römer plädierte gegenüber Gates für ein entschlossenes sowohl-als-auch: Die Abhängigkeit von kommerzieller wie auch von offener Software sei "tief zu halten".

Damit ist nicht etwa der Rückgriff auf Karteikartentechnologie gemeint. Vielmehr verwende die Schweizer Bundesverwaltung für den internen Gebrauch wie auch für sämtliche Projekte des elektronischen Behördenverkehrs möglichst offene Standards. Tatsache sei aber auch, dass der Bund in der nächsten Zeit von kommerziellen Softwareherstellern wie Microsoft abhängig bleibe.

Das ist nicht mehr als die Beschreibung des Status quo: Bei den Arbeitsplätzen der Bundesverwaltung kommen wegen ihrer "großen Verbreitung und Akzeptanz" vor allem die Produkte von Microsoft zur Anwendung. Und das sei ja auch gut so, meinte Gates und relativierte laut Eidgenössischem Finanzdepartement (EFD) Ängste vor fatalen Abhängigkeiten und zu strikten Standards. Zugleich solle ja jeder frei sein, Internetsoftware zu entwickeln. Das Internet sei schließlich durch offene Standards entstanden, darin lägen auch die Chancen der Zukunft.

Gates warb gegenüber den Staatsvertretern für Verständnis für die Lizenzgebühren, die Microsoft für seine Office-Palette verlangt. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben seines Unternehmens beliefen sich auf jährlich umgerechnet neun Milliarden Schweizer Franken. Damit übernehme Microsoft auch die Verantwortung für das Produkt.

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