Biometrie An ihrem Siegeszeichen sollt ihr sie erkennen

Biometrische Verfahren erkennen Menschen an ihren Fingerabdrücken, der Iris oder dem ganzen Gesicht. Nun identifiziert ein Algorithmus Menschen nur anhand ihrer Fingerhaltung.

Kämpfer mit Victory-Zeichen (Symbolbild): Verräterische Fingerlängen
AFP

Kämpfer mit Victory-Zeichen (Symbolbild): Verräterische Fingerlängen


Der Terrorist steht mit hochgerecktem Arm über seinem soeben getöteten Opfer und reckt die Finger zum Victory-Zeichen. In Zeiten des islamistischen Terrors ist das ein schrecklich vertrautes Bild. Natürlich ist der Mann vermummt, damit ihn niemand erkennt. Allerdings muss er aufpassen, demnächst könnte er durch ebenjene Fingergeste erkannt werden.

Der Informatiker Ahmad Hassanat von der jordanischen Mutah-Universität hat gemeinsam mit einigen Kollegen ein Verfahren vorgestellt, das Menschen einzig auf der Grundlage der Geometrie ihrer Finger identifizieren kann. In einer Ende Februar veröffentlichten Forschungsarbeit heißt es, zur Identifizierung sei nicht einmal die Vermessung der ganzen Hand erforderlich. Schon zwei Finger würden genügen, wenn sie das Victory-Zeichen bilden, "wie es in vielen Terroristenvideos zu sehen ist".

Das Forscherteam gewann die Mitarbeit von 50 Probanden, deren Hände sie fotografierten, während die Finger das V formten. Zur Vermessung wurden drei verschiedene Informationen erfasst: Die Endpunkte der beiden Finger, der Ansatz zwischen den Fingern und zwei Punkte auf der Handfläche. Zur Bilderfassung wurde eine handelsübliche Handykamera mit acht Megapixeln Auflösung benutzt.

Erfolgsraten zwischen 40 und 93 Prozent

Mit diesen Daten bestimmten die jordanischen Forscher die individuelle Fingerlänge, den Winkel zwischen den Fingern und die daraus resultierenden, unterschiedlichen Dreiecksformen. Wie die Zeitschrift "Technology Review" des Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichtet, wurden diese Daten mit weiteren statistischen Informationen kombiniert. Daraus entstanden dann 16 Kriterien für eine möglichst eindeutige Identifizierung. Das Messverfahren steht noch am Anfang, dennoch berichten die Forscher von Erfolgsraten zwischen 40 und 93 Prozent.

Je nachdem, wie scharf oder hochaufgelöst die analysierten Bilder sind, schwankt auch die Erkennungsrate. Hassanat sagt: "Diese Herangehensweise besitzt für die Identifizierung von Terroristen großes Potenzial, wenn das Victory-Zeichen den einzigen Beweis zur Identifizierung liefert." Allerdings habe das Verfahren seine Grenzen, so der Forscher. Die Datenbasis sei sehr schmal, was die Gefahr von falsch positiven Identifizierungen berge. Daher sollte das Messverfahren verfeinert werden und künftig weitere Daten wie etwa die Fingerdicke berücksichtigen.

meu



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insgesamt 3 Beiträge
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michelinmännchen 10.03.2016
1. Genauigkeit
von 40% bis 93%? Das reicht doch dann für einen vollautomatischen Drohnenkrieg. Sicherlich genauer als jetzt.
locke27 10.03.2016
2. is klar...
Nichr sonderlich vertrauenswürdig, diese Methode.
dreckfuhlerteufel 11.03.2016
3. Gebt Bescheid...
Gebt Bescheid, wenn jemand das gleiche Verfahren so modifiziert hat, dass man an den 5 Fingern einer zum Amtseid erhobenen Hand erkennen kann, ob der Politiker uns jetzt anlügt. Da könnte ich sogar mit einer nur 40%igen Erkennungsquote leben.
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